Das Lachen vergeht Sandra Zimmermann aus Oberflachs fast nie. Auch nicht, als sie vor zwei Wochen in Lettland vom Schlitten kippt und seitlich den Eiskanal hinunterrutscht. «Mein Trainer sagt, dass man auf dem Video sehe, wie ich unten ankomme und lache», erzählt sie. Vor dem Start hat Sandra zwar gewusst, dass man die Kurve 15 auf der Bahn in Sigulda links anfahren muss. Doch sie bewegt die falsche Schulter, fährt die Kurve rechts an, «und so tschäderets halt.»

Sandra Zimmermann fährt den Eiskanal runter

Sandra Zimmermann

Unten packt Sandra Zimmermann ihren Schlitten und wagt sich sofort wieder aufs Glatteis – mit Tempo 110 km/h. Diesmal schafft sie es auf den Kufen ins Ziel. Eine Frau, die den Adrenalinkick braucht? «Eigentlich nicht unbedingt», antwortet die 21-Jährige. «Genauso gut kann ich am See die Ruhe geniessen.» Aber es sei schon ein spezielles Gefühl, wenn es einem in den Kurven wegen des starken Drucks den Kopf beinahe auf die Bahn tätsche.Sandra probiert äusserst gerne Neues aus. Das war schon so, als ein Kollege die Athletin des BTV Aarau und des STV Oberflachs vor zwei Jahren in ein Bob-Anschiebtraining nach Oberentfelden mitschleppte. Ihr gefiel es, sie machte ihre Sache gut, und landete bald als Anschieberin in den Bobs von Sabina Hafner und Tamaris Allemann.

Als Leichtathletin liebt sie indes den Einzelsport. Deshalb sieht sich Sandra Zimmermann dereinst eher auf dem Skeletonschlitten als im Bob. Zumal die international erfolgreichste Schweizer Bobpilotin Sabina Hafner mit der Russin Liudmila Udobkina eine Anschieberin gefunden hat, die 15 Kilo mehr als Sandra auf die Waage bringt und auch wegen ihren starken Leistungen als Schwergewicht einzustufen ist.

Weil im Schweizer Skeleton die Spitze bei den Frauen dünn ist, steigen Sandras Chancen auf internationale Einsätze. Dabei hilft ihr auch, dass sie im Nachwuchsprojekt des Verbands dabei ist und gefördert wird. So sollen zu den Medaillen an Schweizer Meisterschaften im Dreisprung dereinst internationale Erfolge im Skeleton kommen. Sandra Zimmermann träumt von einer Olympiateilnahme 2018. An der letzten Schweizer Startmeisterschaft hat sie mit Silber angedeutet, was sie drauf hat.

Auf dem Weg an die Spitze wartet nicht nur Angenehmes auf Sandra. «Ich werde Sponsoren suchen müssen.» Kürzlich weilte sie im Trainingslager in Lettland. Jede Fahrt den Kanal hinunter kostete 15 Euro, hinzu kamen die Auslagen für Hotel und Flug. Für die Biologie-Studentin eine Stange Geld. «Ich werde erst mal versuchen, kleinere Beträge in der Verwandtschaft aufzutreiben.» Kommt der Erfolg, kommen vielleicht grössere Geldgeber dazu. Abschrecken lässt sich Sandra Zimmermann von der Sponsorensuche indes nicht. Im Gegenteil: Dafür hat die Frohnatur nur ein müdes Lächeln übrig.