College-Fussball

Erstes MLS-Team hat angeklopft: Aargauer College-Fussballer auf gutem Weg zum Profi-Vertrag

Noah Lüscher möchte spätestens 2022 in der MLS spielen.

Noah Lüscher möchte spätestens 2022 in der MLS spielen.

Der einstige FCA-Nachwuchsspieler Noah Lüscher wollte sich im nächsten Frühling für den Draft anmelden, um den Durchbruch in die MLS zu schaffen. Doch Corona hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Trotzdem darf er optimistisch in die Zukunft blicken.

Coronakrise, «Black Lives Matter»-Proteste und die Abwahl von Donald Trump: Die Vereinigten Staaten haben bewegte Monate hinter sich. Mittendrin steckte auch der Aargauer Fussballer Noah Lüscher, der ursprünglich im nächsten Jahr den Sprung von der Universität Binghamton in die US-amerikanische Profi-Liga MLS lancieren wollte. Doch die Geschichte ist kompliziert.

Noah Lüscher ist seit zwei Jahren Captain der Binghamton Bearcats.

Noah Lüscher ist seit zwei Jahren Captain der Binghamton Bearcats.

Seit November ist Lüscher zurück in der Schweiz. Im Elternhaus in Meisterschwanden. Normal ist dies zu dieser Zeit nicht, denn eigentlich müsste der einstige Nachwuchsspieler des FC Aarau gerade in der «America East Conference» bei den Binghamton Bearcats alles daransetzen, um sich für den Draft in den Fokus zu spielen.

Dieser wäre die beste Option, um den Durchbruch in der ­Major League Soccer zu realisieren. Doch weil die Spielzeiten der grossen College-Conferen­ces wegen Corona abgesagt wurden, wird es voraussichtlich auch keinen Draft geben.

«Hätte mit Rooney trainieren können»

Immerhin: Lüscher hat als Captain seines Uni-Teams bereits das Interesse der MLS-Vereine auf sich ziehen können. Im Sommer hätte er bei D.C. United mittrainieren dürfen. Doch auch hier kam das Virus dazwischen.

Wayne Rooney begeisterte zwischen 2018 und 2020 die Zuschauer in der MLS.

Besonders bitter für den zentralen Mittelfeldspieler: Es war bereits die zweite Einladung, die er nicht wahrnehmen konnte: «Die erste Chance bei D.C. United erhielt ich 2019, damals hätte ich sogar noch mit Wayne Rooney trainieren können. Allerdings musste ich wegen einer Verletzung passen.»

Nun gilt es für den 23-jährigen Wirtschaftsstudenten, die Ruhe zu bewahren: «Womöglich wird die Saison im Frühling nachgeholt, aber es gibt noch keinen definitiven Entscheid.»

Keinen Ernstkampf seit einem Jahr

Für Lüscher ist es eine frustrierende Situation, denn er hat seit einem Jahr kein Spiel mehr absolviert. Dennoch kann er den vergangenen Monaten auch Positives abgewinnen: «Wir sind als Team stärker zusammengewachsen, schliesslich verbrachten wir viele Stunden ohne Fussball miteinander», sagt Lüscher schmunzelnd.

Die aussergewöhnliche Wohnsituation hat mit Sicherheit dazu beigetragen: Der Aargauer lebt in Binghamton Downtown (rund drei Stunden Autofahrt von New York City entfernt) mit elf Mitspielern in einem Haus. 

Was sich nach prädestinierter College-Partyhütte anhört, ist für Lüscher auch eine Herausforderung: «Als Captain bin ich dafür zuständig, dass sich das Team auch abseits des Fussballs benimmt. Wenn etwas schief läuft, muss ich dafür gerade stehen. Das ist nicht immer leicht, allerdings war das Jahr wegen Corona sehr ruhig.»

Cheftrainer glaubt an Lüschers Zukunft

Viel Zeit für Party bleibt Lüscher ohnehin nicht mehr. Eigentlich wäre sein Studium im kommenden Mai abgeschlossen. Doch weil die aktuelle Saison gestrichen wurde, könnte er noch ein Semester anfügen, um danach beim Draft 2022 teilzunehmen. «Falls ich im Sommer noch kein Angebot habe, werde ich an der Uni ­bleiben.»

Lüscher hofft bereits auf ein MLS-Angebot im Sommer.

Lüscher hofft bereits auf ein MLS-Angebot im Sommer.

Obwohl Lüscher in seiner Conference bereits zum «Rookie of the Year» gewählt wurde und zweimal im All-Star-Team landete, schätzt er die Chancen auf einen Profi-Vertrag ohne Draft im nächsten Sommer gering ein: «Die MLS-Teams haben nur acht Plätze für internationale Spieler zur Verfügung. Oft werden diese für Altstars gebraucht. Sie müssen überzeugt sein, damit du eine Chance bekommst.»

Einer, der Lüschers Profi-Zukunft  glaubt, ist sein Headcoach Paul Marco. Er trainiert die Binghamton Bearcats bereits seit 19 Spielzeiten und hat gute Kontakte in die MLS. Lüscher hat es ihm unter anderem zu verdanken, dass er das Angebot zum Probetraining in Washington erhalten hat: «Ich habe grosses Glück mit meinem Trainer. Anders als im europäischen Fussball, sind hier auf College-Stufe keine Agenten erlaubt. Wenn du daher nicht von einem einflussreichen Trainer unterstützt wirst, kannst du nur auf den Draft hoffen.»

Gute Bedingungen bei den Klubs in New York

Trotz schwierigem Jahr, darf Lüscher also mit viel Optimismus in die Zukunft schauen: «Für mich wäre es ein Traum, wenn ich in New York City spielen könnte. Die Metropole fasziniert mich. Ausserdem sind die Stadtklubs Red Bulls und City FC mit europäischen Spitzenvereinen verbunden. Als Grundlage, um mich einmal auch bei europäischen Teams in den Fokus spielen zu können, wären beide perfekt.»

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