Schwingen
Erster Aargauer Topschwinger hakt Saison gedanklich ab

Weil bis mindestens 1. September keine Schwingfeste stattfinden, fokussiert Tobias Widmer bereits auf 2021. So hat der 23-Jährige ein fixes Ziel vor Augen statt Ungewissheit im Kopf.

Martin Probst
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Tobias Widmer hat die Schwingsaison 2020 gedanklich beendet.

Tobias Widmer hat die Schwingsaison 2020 gedanklich beendet.

Sandra Ardizzone

Die Ungewissheit zerrte an den Nerven und wurde zur mentalen Belastung. «Wie auf Nadeln», fühlte sich Tobias Widmer in den vergangenen Wochen. Startet die Schwing­saison und wenn ja: wann? «Ich überprüfte täglich die neusten Entwicklungen, war im Training ­irgendwie immer zweigleisig unterwegs.»

Einerseits im Aufbau, anderseits bereit für den Start. Das brachte die Trainigspläne ziemlich durcheinander. Als dann klar wurde, dass alle Schwingfest bis mindestens Ende August abgesagt werden, entschied der 23-Jährige: «Ich schliesse die Saison gedanklich ab und konzentriere mich auf 2021.»

Das hat ihn befreit. Nun hat er ein fixes Ziel vor Augen statt Ungewissheit im Kopf. Und was, wenn es doch noch Wettkämpfe in dieser Saison gibt? «Ich bleibe ja aktiv. Ich wäre trotzdem bereit, einfach vielleicht nicht in Topform.» Doch das ist Widmer egal. «Am liebsten hätte ich Gewissheit. Aber Gewissheit gäbe aktuell nur der Saisonabbruch.» Da sich dieser Wunsch wohl so schnell nicht erfüllt, hat er sich selbst aus dem ständigen Zwist zwischen Hoffnung und Zweifeln befreit.

Nur eines bleibt: Sein Comeback nach einem Kreuzbandriss im vergangenen Jahr verzögert sich so oder so. «Im Winter hat mein Knie den Ernsttest gegen Kollegen bestanden. Das gibt mir Ruhe.» Tobias Widmer fühlt sich jetzt ausgeglichen.

Gruppendynamik trotz Trainingsverbot

Die Schwinger dürfen derzeit und bis auf Weiteres aufgrund des Coronavirus nicht mit Kollegen trainieren. Das «Zusammengreifen», wie es die Schwinger nennen, ist also tabu. Darum hält sich jeder selbst fit. Ganz ohne Gegner. Das ist nicht immer einfach. Besonders, weil die Herausforderung fehlt.

Wie also erschafft man eine Gruppendynamik, wenn es keine Gruppentrainings gibt? Guido Thürig, der Technische Leiter des Nordwestschweizer Verbandes, hatte eine Idee. Er gründete eine WhatsApp-Gruppe, in der die Schwinger Videos ihrer Einzeltrainings teilen. Quasi als Inspiration und als Ansporn für die Kollegen. «Das funktioniert sehr gut. Viele machen mit», sagt Thürig.

Thürig hofft, dass bald auch wieder gemeinsame Trainings möglich werden. Derzeit erarbeitet der nationale Verband ein Schutzkonzept, wie das möglich sein soll. Ein Video der Einzeltrainings finden Sie weiter oben im Artikel.