Handball NLB
Erkämpft, erkrampft, erlitten - der STV Baden schlägt Steffisburg 28:25

Städtli 1 setzt dem «Steffisburger Fluch» ein Ende und verbringt die Feiertagspause auf dem grossartigen vierten Tabellenrang.

Franco Bassani
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Remo Hochstrasser wurde wegen einer unnötigen Aktion des Feldes verwiesen und schwächte sein Team so selbst.

Remo Hochstrasser wurde wegen einer unnötigen Aktion des Feldes verwiesen und schwächte sein Team so selbst.

Alexander Wagner

Zwei Hypotheken hat Städtli seit dem Aufstieg in die NLB mit sich herumgeschleppt: Die Niederlagenserie gegen SCS und die Unfähigkeit eines Vollerfolgs gegen den TV Steffisburg. Seit dem Samstag gehört auch letzteres der Vergangenheit an.

Dass der angestrebte Sieg gegen Steffisburg Realität werden würde, war alles andere als selbstverständlich. Wie schon vor einer Woche in Horgen plagten Städtli 1 Verletzungssorgen, die sich nun auch im Heimspiel gegen die Berner Oberländer in einem schmalen Kader ausdrückten.

Hiess: Trotz Verstärkung aus der zweiten Mannschaft musste Trainer Björn Navarin zur Sicherheit erneut in die kurzen Hosen steigen.

Guter Start, herber Bremser

Begonnen wurde das Spiel noch ohne den Spielertrainer wider Willen. Und Städtli legte gleich vielversprechend los, mit einem gestohlenen Ball samt Tempogegenstoss, der von Remo Hochstrasser (1/2) sicher zum 1:0 verwandelt wurde.

In der Folge entwickelte sich ein von Fehlschüssen, Fehlpässen und Torwartparaden geprägtes Spiel, dessen negativer Höhepunkt in der zehnten Minute die direkte rote Karte gegen Remo Hochstrasser war: Beim üblichen Gerangel am gegnerischen Kreis hatte er sich zu einer allzu heftigen Reaktion hinreissen lassen und musste die Partie fortan von der Seitenlinie aus verfolgen. Ein herber Verlust für Baden, offensiv wie defensiv.

Im weiterhin ruppigen Spiel gewannen die Gäste daraufhin etwas die Überhand und konnten maximal vier Tore Vorsprung herausspielen. Das lag weniger an der Steffisburger Treffsicherheit als an der immer noch hohen Fehlerquote der Badener und am sehr gut postierten Simon Hunziker im Gästetor.

Goaliewechsel mit Folgen

Die Wende wurde mit einem Wechsel auf der Torhüterposition eingeleitet: Für den unglücklich agierenden Marco Wyss kam Nik Schöpfer. Seine Doppelparade, gefolgt von Patrick Schweizers (2/3) Ausgleichstreffer zum 9:9, verpasste den Badener Spielern und Fans wenig später den überfälligen Adrenalinschub.

Das umgehend genommene Steffisburger Timeout vermochte nichts daran zu ändern, dass das Momentum zur Heimmannschaft gewechselt hatte. Städtli schoss nun Tore, während Steffisburg seiner soliden aber wenig effektiven Spielweise treu blieb und es primär Yvan Wittenbach (9/12) überlassen war, Zählbares zum Spielverlauf beizutragen.

Das 14:11 zur Pause liess für die folgenden 30 Minuten hoffen, war aber sauer erkauft: Yanick Schläpfer (0/3) musste mit lädiertem Ellbogen definitiv auf der Bank sitzen bleiben, was Björn Navarin (3/8) zurück aufs Feld brachte.

Manndeckung gegen Badens Topshooter

Steffisburg suchte sein Heil nach dem Wiederanpfiff in einer Manndeckung gegen Pascal Bühler (8/11) und ging weiterhin keinem Zweikampf aus dem Weg. Da sich auch die Badener nicht zweimal bitten liessen, war die hektische zweite Halbzeit von viel Kampf und Krampf und umstrittenen Schiedsrichterentscheiden geprägt.

Kein Leckerbissen für Handballästheten, aber bis zuletzt eine spannende Angelegenheit.

Steffisburg gab – wie man es von den Berner Oberländern kennt – das Spiel bis zuletzt nicht verloren und kämpfte sich unermüdlich immer wieder heran. Zwei Minuten vor Schluss stand es 27:25, und das Schreckgespenst «schon wieder Unentschieden» liess seine hässliche Fratze aufblitzen.

Entscheidung in der 60. Minute

Für den Exorzismus war der sichtlich angeschlagene Badener Spielertrainer besorgt, der den Ball nach einem Fehlversuch dann doch noch zum entscheidenden 28:25 im Netz unterbrachte. Drei Tore in 30 Sekunden waren selbst für den aufopfernd kämpfenden Yvan Wittenbach nicht mehr zu bewerkstelligen. Schlusspfiff – Sieg – Erleichterung.

Was für ein Spiel! Was für ein Kampf! Was für eine Genugtuung, gegen Steffisburg endlich das Punktepaar zu holen und damit einen weiteren lästigen «Fluch» gebannt zu haben!

Wer die zerzaust vom Feld humpelnde Badener Mannschaft gesehen hat, weiss, wie wichtig die anstehende Feiertagspause ist. Städtli 1 schliesst das Jahr auf dem grossartigen vierten Platz ab und kann sich nun darauf konzentrieren, möglichst viele Spieler wieder vom Lazarett auf die Spielerbank zurückzubringen.