Sechs Spiele – null Punkte.
Zwei Spiele – vier Punkte.
Drei Spiele – null Punkte.
Vier Spiele – zwölf Punkte.

Zerlegt man die bisherige Saison in vier Abschnitte, offenbart sich: Der FC Aarau spielt nach dem Schwarz-Weiss-Prinzip. Top oder Flop. In 15 Spielen gab es erst ein Unentschieden. Wobei: Auch dieses 1:1 am 21. September in Lausanne war «Top», weil sich nach zuvor sechs Niederlagen der erste Saisonpunkt ausgerechnet gegen den damaligen Tabellenführer wie ein Sieg anfühlte.

Verhältnis zwischen Fans und Spielern hielt

Der FC Aarau schwimmt im Wellenbad der Emotionen. Nach dem historisch schlechten Start im Sommer glich die Stimmung der auf einem Friedhof. Was für ein Kontrast zum vergangenen Freitagabend im Schaffhauser Lipo-Park, wo sich die Spieler nach getaner Arbeit in den Armen liegen, grinsen, feixen und mit Genugtuung den Gang zu den zahlreich mitgereisten FCA-Fans antreten. Das Verhältnis zwischen Fans und Spielern wurde seit Saisonbeginn auf einige harte Proben gestellt, doch es hielt.

Fans und Spieler des FC Aarau hielten in der Krise zusammen - zuletzt gab es wieder Grund zum Jubeln

Fans und Spieler des FC Aarau hielten in der Krise zusammen - zuletzt gab es wieder Grund zum Jubeln

Umso gelöster ist die Stimmung nach dem vierten Sieg in Serie. Mehr noch: Mit dem 3:1 in Schaffhausen ist ein Big Point gelungen. Die Aarauer fügten den Munotstädtern nicht nur die erste Heimniederlage der Saison zu, nein, sie entführten am Freitag das erste Mal überhaupt Punkte aus dem Anfang 2017 eröffneten Lipo-Park. «Die Heimstärke von Schaffhausen und unsere schlechte Bilanz in diesem Stadion waren vor dem Anpfiff ein Thema», sagte denn auch Trainer Patrick Rahmen, «ich habe an den Stolz der Spieler appelliert, schon alleine unseren mitgereisten Fans waren wir eine gute Leistung schuldig. Im Gegensatz zum Saisonstart laufen die Dinge nun für uns.»

Vorbild Maierhofer

Der Sieg stand nach dem wohl fälschlicherweise wegen Abseits nicht gegebenen Tor von Marco Schneuwly und dem Führungstreffer der Schaffhauser zwar kurzzeitig auf der Kippe. Dann drehte eine bärenstarke zweite Halbzeit der Gäste die Partie. Die drei Punkte waren der verdiente Lohn für den Kraftakt eines mittlerweile harmonischen Aarauer Kollektivs. Doch Siege produzieren nun mal Helden. Und das war einmal mehr der 36-jährige Stefan Maierhofer mit seinen Toren sechs und sieben im fünften Spiel hintereinander. Teamkollege Olivier Jäckle lobt den Österreicher: «Seine Präsenz ist enorm wertvoll, er flösst jedem Gegner viel Respekt ein. Dazu ist er einfach ein grossartiger Typ, der uns in der Kabine guttut. Er lebt auch mit 36 Jahren vor, was es heisst, für den Fussball zu leben und in jedem Training und in jedem Spiel alles zu geben.»

Jäckle ist neben Marco Thaler, Steven Deana, Patrick Rossini und Michael Perrier einer von fünf Spielern im aktuellen Kader, die bereits dabei waren, als der FC Aarau letztmals vier Siege aneinanderreihte. Das war vor 32 Monaten, im März 2016. Damals hiess der US-Präsident noch Barack Obama. Damals führte der FC Basel die Super-League-Tabelle mit 20 Punkten Vorsprung auf YB an. Und damals sass beim FC Aarau Marco Schällibaum auf der Trainerbank. Eine gefühlte Ewigkeit her, oder?

Barack Obama war noch US-Präsident, als der FC Aarau letztmals vier Siege in Folge feierte.

Barack Obama war noch US-Präsident, als der FC Aarau letztmals vier Siege in Folge feierte.

Das gefühlte Spitzenspiel

Wenn wir schon bei den Gefühlen sind: Am kommenden Sonntag kommt der FC Lausanne-Sport ins Brügglifeld: gefühlt ein Spitzenspiel. Aarau hat nach vier Siegen in Serie kräftigen Rückenwind, Lausanne ebenfalls nach seinem starken Lebenszeichen, dem 5:1 gegen den FC Winterthur. «Wir hoffen natürlich auf zahlreiches Publikum. Vor unseren Fans können wir jeden Gegner schlagen», sagt Jäckle. Das ist eine Ansage. Doch die Aarau-Profis tun gut daran, weiter demütig zu sein und Spiel für Spiel zu nehmen.

Für alle anderen ist Träumen erlaubt: Ein Sieg gegen Lausanne würde bedeuten, dass der FCA auf sechs Punkte an die Waadtländer heranrückt. Und dann ist in der Tabelle mit Blick nach vorne plötzlich wieder alles möglich: Vorausgesetzt, der FC Aarau bleibt konstant «Top» und taucht nicht wieder ab im Wellenbad der Emotionen.