Die letzten Wochen waren für Michael Hügli aus Berikon die aufregendsten seiner jungen Eishockey-Karriere: Für drei Wochen wurde der 17-Jährige, aufgrund von Personalmangel und seinen guten Leistungen im Nachwuchs, in die erste Mannschaft des EV Zug beordert und kam zu seinen ersten neun NLA-Einsätzen.

Während der Nationalmannschaftspause reiste Hügli dann mit der U19-Auswahl an ein Turnier in Kanada.

Jetzt ist er wieder zurück in der Schweiz und trainiert bei den Junioren des EVZ, wo er als momentaner Topscorer der Elite Junioren A-Liga eine hervorragende Saison spielt.

Doch nicht immer war das Schweizer Nachwuchstalent mit Erfolg gesegnet: Bis vor vier Jahren spielte er bei den GCK Lions und war dort einer unter Vielen.

«Bei den Lions setzten die Verantwortlichen vermehrt auf andere Spieler. Mein damaliger Trainer förderte mich dann nicht mehr», erinnert sich der Beriker zurück und fügt an,

«Mein Vater sagte mir damals, wenn ich es im Hockey weit bringen wolle, dann müsse ich etwas an der Situation ändern.»

Dies tat Hügli dann auch, obwohl es ihm schwerfiel, den ZSC, den er auch in der NLA als Saisonkartenbesitzer stets verfolgte, zu verlassen.

Von den Lions ins Glück

Heute ist der Sport-KV-Lehrling froh, den Schritt zu einem anderen Team gewagt zu haben: «Der EV Zug war damals sofort daran interessiert, mich zu übernehmen. Seither geniesse ich hier vollstes Vertrauen von allen Seiten.»

Dass Hügli nach der Nationalmannschaftspause zurück zu den Elite Junioren musste, war für seinen Trainer Leo Schumacher klar: «Technisch und läuferisch könnte er schon heute in der NLA mithalten. Ihm fehlt es momentan hauptsächlich an Kraft. Er ist bei 1,83 m gerade einmal 80 Kilo schwer, klar, verliert er fast jeden Zweikampf gegen die Profis.»

Wie einst Raphael Diaz

Schumacher ist überzeugt, dass der Stürmer den Schritt in die NLA – vielleicht schon nächste Saison – schaffen wird, sofern er sich an die Vorgaben hält. Ein Manko des Aargauers ist nämlich sein Körpergewicht.

Sein Trainer vergleicht ihn bezüglich des Essverhaltens oft mit dem Zuger NHL-Spieler Raphael Diaz.

«Wie Hügli hat auch Diaz früher nie gefrühstückt. Das kann nicht gut gehen. Diaz musste lernen, auch dann zu essen, wenn er keinen Hunger hatte. Hügli muss da jetzt auch durch. Denn die Spieler verbrauchen bis zu 6000 Kalorien am Tag. Wenn sie nur 3000 zu sich nehmen, werden sie immer leichter anstatt schwerer», erklärt Schumacher Hüglis Situation, dessen Ziel es ist, in dieser Saison 5-6 kg zuzunehmen.

Nicht nur physisches Training

Seit diesem Sommer arbeitet Michael Hügli – als einziger der Junioren Elite – zudem mehrmals im Monat mit einem Mentaltrainer.

Dieser soll ihm helfen auf dem Eis eine gesunde Aggressivität zu entwickeln, um auch harte Checks austeilen zu können. Sein Trainer ist noch immer der Meinung, dass sein Schützling «viel zu nett» auf dem Feld ist.

Hügli, der in seiner Freizeit mit Teamkollegen gerne mal auf dem Golfplatz den Schläger schwingt, weiss, was von ihm erwartet wird.

«Seit den drei Wochen in der NLA weiss ich, wo ich mich verbessern muss, um mit den Besten mithalten zu können. Ich bin so kurz davor, es zu schaffen. Das motiviert mich umso mehr», bestätigt der 17-Jährige.