Amateurfussball
Entscheid über Saisonabbruch vertagt – das ärgert Luigi Ponte

Luigi Ponte, Präsident des Aargauischen Fussballverbandes, ist sauer, dass der Zentralvorstand des Schweizerischen Fussballverbandes den Entscheid der Amateurliga, die Saison abzubrechen, nicht stützt.

Ruedi Kuhn
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Saison wird noch nicht abgepfiffen: Luigi Ponte versteht den Entscheid nicht.

Saison wird noch nicht abgepfiffen: Luigi Ponte versteht den Entscheid nicht.

Christoph Imseng

Nach dem einstimmigen Entscheid der Amateurliga mit den Präsidenten der 13 Regional­verbände, die Saison 2019/20 im Amateurfussball wegen der Coronakrise abzubrechen und nicht zu werten, stand mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fest: Der Zentralvorstand des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) erklärt sich solidarisch, stützt diesen Entscheid und beschliesst, die Rückrunde nicht zu spielen und die Saison als ungültig zu erklären.

Alles klar? Nein! Der Zentralvorstand spielt auf Zeit. Er will den kommenden Mittwoch abwarten. Dann wird sich Bundesrätin Viola Amherd zu Wort ­melden. Die Vorsteherin des ­Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport wird am 29. April Details zur Exit-Strategie des Bundesrats im Bereich Sport und Fussball bekanntgeben. Der Zentralvorstand des SFV hofft wohl, dass die Lockerungen so weit gehen, dass ein Spielbetrieb im Amateurfussball wieder möglich ist. Ein frommer Wunsch.

Ein so später Start in die Rückrunde sei unrealistisch

Luigi Ponte ist nach diesem Entscheid des Zentralvorstands sauer. «Ich kann es schlicht und einfach nicht verstehen», sagt der Präsident des Aargauischen Fussballverbandes und lässt ­seinem Ärger freien Lauf. «Die Präsidenten aller Regional­verbände waren sich einig, dass ein Abbruch der Saison im ­Amateurfussball das Beste und das einzig Richtige ist. Ich habe in den vergangenen Wochen von keinem einzigen Amateurklub eine Beschwerde über den bevorstehenden Abbruch der Saison erhalten. Für alle war klar, dass die Gesundheit über dem Sport steht.»

Für Ponte ist es zum jetzigen Zeitpunkt völlig unrealistisch, die Rückrunde der laufenden Saison noch auszutragen. «Wir haben in der zweiten Liga im Aargau noch dreizehn Runden zu spielen», sagt er. «Beginnen wir im Mai mit den Trainings, würde es eine Vorbereitungszeit von mindestens drei Wochen brauchen. Starten wir Anfang Juni mit der Rückrunde, würde sich die Saison bis in die Sommerferien hinein ziehen. Das ist im Amateurbereich völlig unrealistisch.»

Deutliche Worte vom Präsidenten des FC Suhr

Kein Verständnis für das Spiel auf Zeit des Zentralvorstands hat auch Hansueli Bircher. «Das Zögern der Mitglieder des ­Zentralvorstands, welche diese Coronakrise wohl nicht richtig einschätzen können, überrascht und enttäuscht mich», sagt der Präsident des FC Suhr. «Den Entscheid, mit dem Abbruch der Saison im Amateurfussball abzuwarten, kann ich nicht nachvollziehen. Und ich verstehe ihn auch nicht. Das ist unvernünftig, ja sogar gefährlich.»

Sollte die Rückrunde dieser Saison im Amateurfussball tatsächlich gestartet werden, greift Bircher vielleicht zu drastischen Massnahmen. «Ich könnte mir durchaus vorstellen, den FC Suhr nicht spielen zu lassen», sagt er. «Ich würde mir das zumindest überlegen. Fussball ist eine Sportart mit Körperkontakt. Solange wir die Coronakrise nicht im Griff haben ist es geradezu fahrlässig, zwei Mannschaften mit elf Spielern aufeinander los zu lassen. Und ich stelle mit allem Nachdruck die Frage», fügt Energiewirtschafts-Jurist Bircher hinzu, «ob sich der Schweizerische Fussballverband der rechtlichen Folgen bewusst ist, falls die Befürwortung des Spielbetriebs beschlossen wird und dadurch Coronafälle auf­treten sollten.»