FC Wohlen

Endlich in der Verantwortung: Die neue Rolle von YB-Leihgabe Miguel Castroman

Miguel Castroman übernimmt beim FC Wohlen zunehmend Verantwortung.

Miguel Castroman übernimmt beim FC Wohlen zunehmend Verantwortung.

Je länger Miguel Castroman in Wohlen spielt, desto mehr Verantwortung übernimmt der 21-Jährige. Das ist auch im Sinne der Young Boys.

Dieser Tag im September 2015 ist speziell. Der Bruder platzt ins Zimmer von Miguel Castroman und sagt mit einem breiten Grinsen: «Du bist drin.» Castroman versteht im ersten Augenblick nicht. Drin sei er ja schon länger, in der ersten Mannschaft der Young Boys. Der Bruder schüttelt den Kopf und streckt Castroman die neuste Version der Fussball-Videospiel-Reihe «Fifa» entgegen. «Dich gibt es jetzt im Videospiel.» Tatsächlich.

Wenig später startet Castroman eine virtuelle Partie mit YB. Auf der Zehn: Miguel Castroman. Natürlich sind die Fähigkeiten des virtuellen Castromans im Vergleich mit den YB-Konkurrenten noch ziemlich beschränkt. Nur ein Attribut ist bereits ziemlich ausgeprägt: die Ballkontrolle. Denn der junge Berner ist technisch überdurchschnittlich veranlagt. Ein Edeltechniker in Ausbildung.

Zuerichs Roberto Rodriguez (Mitte) im Duell mit Wohlens Janick Kamber (l.) und Wohlens Miguel Castroman (r.).

Zuerichs Roberto Rodriguez (Mitte) im Duell mit Wohlens Janick Kamber (l.) und Wohlens Miguel Castroman (r.).

13 Monate später sitzt Miguel Castroman vor seinem Cappuccino und erzählt diese Episode aus seiner noch jungen Karriere. Weil er seit Anfang Februar nicht mehr in Bern ist, gibt es ihn im aktuellen «Fifa»-Videospiel nicht mehr. Castroman spielt mittlerweile im Freiamt, beim FC Wohlen in der Challenge League. Froh sei er, dass er im vergangenen Winter zu einem Verein wechselte, in dem er mehr ist als nur Perspektivspieler. Nach einer Hinrunde, in der er bei den Young Boys nur 94 Minuten zum Einsatz kam, wollte Castroman nur eines: Spielpraxis.

Die neue Rolle

Wohlen klopfte an. Ein Team, das damals noch von Martin Rueda trainiert wird. Und ebendieser Rueda war einst auch Trainer bei Castromans Stammklub YB und eröffnete dem damals 16-Jährigen 2012 die Möglichkeit, erstmals mit der ersten Mannschaft zu trainieren. So wechselt Castroman zu einem Verein, von dem er bis dato kaum etwas wusste, aber den Trainer bereits kannte. Er habe sich die Akklimatisierung schwieriger vorgestellt. Wie man in Wohlen aufgenommen werde, sei wunderbar.

Von Beginn weg spielt Miguel Castroman dann auch regelmässig. Nicht immer so überzeugend, wie er sich das wünscht, aber er spielt. Im Sommer einigen sich YB und Wohlen auf die Verlängerung des Leihgeschäfts. Castroman begrüsst den Verbleib im Freiamt, weil er spürt, dass er endlich das übernehmen darf, was er seit je her anstrebt: Verantwortung.

Nicht selbstverständlich ist, dass ihm nun auch der neue Trainer Francesco Gabriele dieses Vertrauen schenkt. Der Trainerwechsel Anfang September von Rueda zu Gabriele beunruhigte Castroman nie. «Klar, jeder muss sich in solchen Momenten von Neuem beweisen, aber das habe ich in den Nachwuchsmannschaften von YB schon zigmal erlebt.» Mehr beschäftigte ihn die jüngste Niederlagenserie. «Sieben Niederlagen in Folge, das habe ich noch nie erlebt.» Unter Rueda spielte der gelernte Zehner oft auf dem Flügel. Gabriele aber betraut Castroman mit einer neuen Rolle: als Scheibenwischer zwischen Abwehr und Mittelfeld. «Ganz neu ist diese Position hingegen für mich nicht. Bei den Young Boys spielte ich hin und wieder auch auf der Sechs», erzählt Castroman.

Der Kontakt mit Spycher

Auch heute in Neuenburg wird sich der 21-Jährige auf der Sechs mit viel Arbeit konfrontiert sehen. Mutig und mit Offensivdrang wolle Wohlen auftreten. «Weil man gegen ein offensiv hervorragend besetztes Xamax sowieso scheitert, wenn man sich hinten einigelt.» Castroman muss derweil die Löcher zwischen Abwehr und Mittelfeld stopfen und das Umschaltspiel orchestrieren.

Einfach irgendein Junger ist der 21-Jährige in Wohlen eben längst nicht mehr. Darüber sind auch die Young Boys erfreut. Ihr Talent soll im Freiamt nämlich die Super-League-Tauglichkeit erlangen. Im stetigen Austausch befindet sich Castroman deshalb mit YB-Talentmanager Christoph Spycher. Dass dieser nun nach den YB-Chaostagen um Urs Siegentaler als Sportchef ernannt wurde, freut Castroman. «Es hilft immer, wenn die Verantwortlichen dich kennen. Spycher kennt mich, seit ich in der U18 spiele.» Nächsten Sommer soll der schweizerisch-spanische Doppelbürger zurück in die Hauptstadt.

Er hofft, dann nicht mehr mit dem Etikett des Perspektivspielers behaftet zu sein. Schliesslich will er bald jedes Jahr seinen Bruder mit dem neusten «Fifa»-Videospiel in seinem Zimmer stehen haben und den Satz hören: «Miguel, du bist drin.»

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