Analyse

FC Aarau vor der Woche der Wahrheit: Endlich – die Fesseln fallen ab

Zum Abschluss der Woche der Wahrheit treffen die Aarauer im Letzigrund auf GC.

Zum Abschluss der Woche der Wahrheit treffen die Aarauer im Letzigrund auf GC.

Der FC Aarau und die Woche der Wahrheit: Zuerst wird am kommenden Freitag über die Aufstockung der Super League von zehn auf zwölf Teams entschieden. Zwei Tage später wird die Stadionfrage vom Volk geklärt.

«Wie weiter?» Die Frage hindert den FC Aarau seit Jahren am Progress. Pflästerli-Politik statt Vision. Doch nicht mehr lange: Die nächsten Tage liefern eine Antwort. Bleibt die Türe zur höchsten Spielklasse, zur Super League, offen? Oder geht sie bis auf weiteres, vielleicht für immer, zu? Egal wie die Antwort ausfällt, die Fesseln fallen ab – endlich.

Es beginnt am Freitag. In Bern treffen sich die 20 Schweizer Profiklubs (je zehn in Super und Challenge League) zur Generalversammlung, dem obersten Organ der Swiss Football League (SFL). Wichtigstes Traktandum ist die Aufstockung der Super League von zehn auf zwölf Teams, einhergehend mit einer Modusänderung.

Ab der Saison 2021/22 sollen nach einer sogenannten Qualifikationsrunde (Hin- und Rückspiel gegen jeden Gegner) die zwölf Teams in eine Finalrunde (Rang 1 bis 6) und in eine Platzierungsrunde (Rang 7 bis 12) aufgeteilt werden, in denen nochmals je zehn Spieltage stattfinden (Hin- und Rückspiel gegen jeden Gegner).

Der Letzte der Platzierungsrunde steigt in die Challenge League ab, der Zweitletzte geht in die Barrage gegen den Zweiten der Challenge League. Weitere Modifikationen (Punkteteilung nach der Qualifikationsrunde, Playoff um einen Europacup-Startplatz) sind optional. Die Challenge League wird nicht verändert.

Verbleib in der Zehnerliga ungleich schwieriger 

Warum ist der Beschluss der SFL-Generalversammlung für den FC Aarau so bedeutend?Gemessen an Budget, Zuschauerzahlen und sportlicher Güte liegt der FCA in der Rangliste der grössten Schweizer Fussballklubs irgendwo um Rang 10. Zum Beispiel hat er in dieser Saison mit durchschnittlich 3614 Zuschauern an den Heimspielen den elfthöchsten Wert der 20 Profiklubs, vor dem Superligisten Lugano. Eine Liga höher darf man mit einem Zuschauerschnitt zwischen 5000 und 6000 rechnen.

Zusammengefasst: Bei einer Super League mit zwölf Teams darf der FC Aarau berechtigte Ambitionen auf einen Aufstieg und – vor allem – auf die Etablierung im Oberhaus haben, verbunden mit höheren finanziellen Einnahmen. Der Aufstieg in eine Zehnerliga wäre ebenfalls ein realistisches Ziel, der Verbleib aber ungleich schwieriger, der FCA wäre ein Liftklub zwischen den Ligen.

Wenn am Freitag die Super League vergrössert wird, gäbe es am Ende der nächsten Saison zwei Direktaufsteiger aus der Challenge League sowie eine Barrage zwischen dem Dritten der Challenge und dem Zehnten der Super League. Der designierte FCA-Präsident Philipp Bonorand will in diesem Fall den Aufstieg 2021 zum Ziel ausrufen.

Das eigene Schicksal liegt nicht in der Macht des FCA

Damit Bonorand das tatsächlich kann, sind er und der FC Aarau auf einen weiteren, aus ihrer Sicht positiven Entscheid angewiesen. Zwei Tage später, am Sonntag 24. November, stimmt das Aarauer Volk über die «Teiländerung Torfeld Süd, Stadion 2017» und den 17-Millionen-Kredit der Einwohnergemeinde für das Stadion ab.

Nur bei einem doppelten «Ja» bleibt für den FC Aarau die Tür zur Super League offen. Mehr noch: Der Profifussball am Standort Aarau wäre grundsätzlich in Frage gestellt. Für ein Weiterleben in der glanzlosen Challenge League müsste das Stadion Brügglifeld für mehrere Millionen Franken saniert werden – lohnt sich das?

Den Schlusspunkt dieser wegweisenden Woche bildet das Spiel gegen GC, Anpfiff ist wenige Stunden nach Bekanntwerden der Antwort auf die Stadionfrage. Ein Sieg beim Rekordmeister wäre ein starkes Signal – ob er sich darüber freuen könnte, liegt nicht in der Macht des FC Aarau.

Die unendliche Geschichte des Aarauer Stadions:

Update: Am Montagabend wurde bekannt, dass die Abstimmung über eine Reform der Super League vorerst verschoben wird. Mehr dazu lesen Sie hier

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