NLA-Handball

Endinger Heldengeschichte: Wer nach neun Treffern Rückstand noch gewinnt, erfüllt die Heldendefinition des Duden

Torhüter Yves Imhof hatte mit seinen sieben Paraden massgeblichen Anteil am ersten Saisonsieg des TV Endingen.

Torhüter Yves Imhof hatte mit seinen sieben Paraden massgeblichen Anteil am ersten Saisonsieg des TV Endingen.

Die Handballer des TV Endingen besiegen GC Amicitia im NLA-Kellerduell trotz zwischenzeitlich neun Treffern Rückstand mit 25:23. Die AZ pickt im Nachgang dieser irren Wende stellvertretend für die gesamte Mannschaft drei ganz besondere Helden heraus.

Der Begriff des Helden, er ist allgegenwärtig. Gerade im Sport und der entsprechenden Berichterstattung wird er oftmals überstrapaziert. Aber, manchmal lässt er sich nicht vermeiden. So wie nach dem 25:23-Sieg des TV Endingen im NLA-Kellerduell gegen GC Amicitia.

Der Duden definiert «Held» unter anderem so: «Jemand, der sich mit Unerschrockenheit und Mut einer schweren Aufgabe stellt, eine ungewöhnliche Tat vollbringt, die ihm Bewunderung einträgt.»

Insofern dürfen sich Spieler und Staff des TVE nach dem ersten Vollerfolg der Saison in corpore als Helden fühlen. Denn, wer erfüllt diese Heldendefinition, wenn nicht sie, die sich beim Stand von 2:11 in der 17. und 5:13 in der 23. Spielminute nicht aufgegeben haben? Die AZ pickt stellvertretend drei Helden heraus.

Held Yves Imhof

Da ist erst einmal Yves Imhof. Der 24-jährige Torhüter, der auf diese Saison hin zu den Surbtalern gestossen ist, ersetzt nach dem zweiten Team-Timeout (14.) den glücklosen Vit Schams im Kasten der Endinger. Vorerst verfehlt der Wechsel seine Wirkung, der Rückstand des TVE wächst von 2:9 auf 2:11 an.

Dann aber kommt der Muotathaler immer besser ins Spiel, verzeichnet schliesslich eine Bilanz von sieben Paraden bei 20 Würfen auf sein Tor und damit eine gute Abwehrquote von 35 Prozent. Viel entscheidender als die Anzahl seiner Paraden sind aber deren Zeitpunkte.

Imhof ermöglicht damit die irre Wende der Partie erst und wird nach dem Ende als bester Spieler seiner Mannschaft ausgezeichnet. «Das ist schon ein geiles Gefühl», sagt Imhof. «Als ich reinkomme, liegen wir weit zurück. Ich bin einfach locker geblieben und habe gemacht, was ich mit Unterstützung meiner Abwehr beitragen kann.»

Held Zoltan Majeri

Dann ist da auch Zoltan Majeri. Der Trainer des TV Endingen hatte nach der Schlusssirene erneut feuchte Augen. Im Gegensatz zu den Tränen im Nachgang der bitteren 27:34-Pleite gegen den BSV Bern vor Wochenfrist handelte es sich dieses Mal aber um Freudentränen.

TVE-Trainer Zoltan Majeri coachte seine Mannschaft zum Sieg.

TVE-Trainer Zoltan Majeri coachte seine Mannschaft zum Sieg.

«Die Situation ist dieses Mal eine ganz andere», sagt der 47-Jährige und fügt mit Stolz an: «Das war die Arbeit der Mannschaft. Nach der verpatzten Startphase war es nur noch eine Frage des Kopfes, des Herzens und des Willens.» Majeri hat es geschafft, seine Mannschaft nach dem miserablen Auftakt in die Partie wieder aufzurichten.

Held Joel Huesmann

Und auch Joel Huesmann ist einer der Helden dieses TVE-Sieges. Der 30-jährige Deutsche, der sich im Vorfeld der Partie gewünscht hatte, den Sieg von der Bank sitzend bejubeln zu können, musste doch noch selber ran. Nach 13 Monaten ohne Ernstkampf gab er kurz vor Beginn der Schlussviertelstunde sein Comeback auf der Platte und steuerte einen Treffer zum Sieg bei.

Joel Huesmann gab nach 13 Monaten ohne Ernstkampf sein Comeback.

Joel Huesmann gab nach 13 Monaten ohne Ernstkampf sein Comeback.

«Wir haben zwei Punkte, das ist alles was zählt und verdammt wichtig», sagt der Rückraum-Shooter und fügt an: «Die Jungs haben das überragend gemacht.» Bei der Schlusssirene stand er nicht mehr auf der Platte und konnte den Sieg wunschgemäss von der Bank aus bejubeln.

Teammanager Arak Kin, das Orakel von Endingen

Helden waren sie alle, einer allerdings betätigte sich ganz nebenbei auch noch als Orakel. TVE-Teammanager Arak Kin liess gegenüber der AZ schon wenige Minuten vor Spielbeginn verlauten: «Heute gewinnen wir! Das weiss ich genau!» Und liess dieser Vorsehung nach der Schlusssirene ein zufriedenes «ich habe es doch gesagt» folgen.

TVE-Teammanager Arak Kin (l.) betätigte sich vor dem Sieg seiner Mannschaft als Orakel.

TVE-Teammanager Arak Kin (l.) betätigte sich vor dem Sieg seiner Mannschaft als Orakel.

323 Tage hatte man beim TVE vor diesem Sieg gegen GC Amicitia auf einen Vollerfolg in der Meisterschaft warten müssen. Zuletzt hatten die Endinger im November 2019 auswärts beim RTV Basel dank eines 23:21 zwei Punkte geholt. Nach so langer Wartezeit belohnten sich die Surbtaler am Samstag endlich für eine unglaublich starke Willensleistung.

Der Erfolg dürfte bei den Surbtalern die Lust auf mehr wecken. Mit dem anstehenden Cup-Achtelfinal auswärts bei NLB-Klub Handball Stäfa am kommenden Mittwoch (Anpfiff: 19.15 Uhr) und dem nächsten Meisterschaftsspiel am Sonntag (Anpfiff: 17 Uhr) auswärts bei St. Otmar St. Gallen gibt es bereits in den kommenden Tagen Raum genug für weitere Endinger Heldengeschichten.

Einen ausführlichen Matchbericht finden Sie hier.

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