Handball-Aufstiegsdrama

Endingen gegen Suhr Aarau: Die Vorzeichen haben sich geändert

Jubelt am Ende wieder Suhr Aarau (rechts mit Stevan Kurbalija) oder doch Karlo Ladan mit Endingen?

Jubelt am Ende wieder Suhr Aarau (rechts mit Stevan Kurbalija) oder doch Karlo Ladan mit Endingen?

Die Vorzeichen beim Aufstiegsknüller zwischen dem TV Endingen und dem HSC Suhr Aarau haben sich nach dem Zuspruch des Protests massiv geändert.

Welch eine Diskrepanz – zweimal dieselbe Partie, nur drei Wochen dazwischen und dennoch stark veränderte Vorzeichen. Blenden wir zurück. Am letzten Apriltag trafen der TV Endingen und der HSC Suhr Aarau im 26. und letzten Meisterschaftsdurchgang der zweithöchsten Liga aufeinander.

Um die wichtigste Partie der ganzen Saison handelte es sich. Um den direkten Aufstieg in die Nationalliga A ging es. Und die Partie wurde zur hoch spannenden emotionsgeladenen Finalissima. 29:29 endete sie. Und es gab mit dem HSC Suhr Aarau einen Sieger. Die Krux an der Geschichte: Den Endingern wurden unmittelbar vor Schluss vier Sekunden Spielzeit mit drei Mann mehr «gestohlen», weil die Uhr nach einem Unterbruch zu früh wieder gestartet wurde.

Aufstiegsdrama: Hier wird die Zeit zurückgestellt

Aufstiegsdrama: Hier wird die Zeit zurückgestellt

Nach dem 29:29 bei Endingen stieg Suhr Aarau in die NLA auf. Doch noch ist ein Endinger Protest hängig: Diese bemängeln, vor der letzten Szene sei die Spieluhr fälschlicherweise nicht um vier Sekunden zurückgestellt worden. Im Gegensatz zu dieser Szene, als die Uhr kurz vor Ende der ersten Hälfte um drei Sekunden zurückgestellt wurde und Patrick Romann für Suhr Aarau noch einen Treffer erzielte. 

Die Kantonshauptstädter feierten. Der Pokal wurde ihnen übergeben. Endingen hingegen sah sich mit der Zusatzrunde Barrage konfrontiert. Es folgte das Nachspiel am grünen Tisch – mit: dem (aus formellen Gründen) abgewiesenen Protest Endingens bei der Nationalen Disziplinarkommission (NDK), dem Weiterziehen ans Verbandssportgericht, dem teilweisen Zuspruch und der zweiten NDK-Runde, welche das Begehren Endingens (nach inhaltlicher Prüfung) guthiess. Am Donnerstag fiel dieser Entscheid. «Das kanns nicht sein», heisst es vonseiten Suhr Aaraus.

Auftauchen aus dem Ferienmodus

Die Vorgaben für die beiden Vereine scheinen für die nun auf diesen Samstag angesetzte Partie in der Tat völlig unterschiedlich. Die sportliche Vorbereitung ist das eine. Endingen führte den Trainingsalltag weiter – nicht wegen des Protests, sondern der anstehenden Barrage-Spiele gegen Gossau wegen. Dem gegenüber hatte Suhr Aarau die Saison beendet. Die Spieler sind in die Ferien verreist. Erst mit dem ersten gutgeheissenen Protest Endingens beorderte die Vereinsleitung die Spieler zurück. Während Endingen in den drei Wochen gut ein Dutzend Trainingseinheiten abhielt, waren es bei Suhr Aarau deren drei in Vollbesetzung.

Zu diesem Unterschied in der physischen Bereitschaft kommt das psychische Moment hinzu. «Unsere Spieler waren nicht nur physisch in den Ferien, sondern auch psychisch», sagt Sportchef und Coach Guido Frei. Heruntergefahren hätten sie, den Handball zur Seite geschoben, die Spannung verloren. «Wir begaben uns in den Erholungsmodus», sagt der erfahrene Handball-Fachmann und gibt zu bedenken: «Auch wenn die Möglichkeit eines Wiederholungsspiels immer irgendwo in den Hinterköpfen herumgeisterte, in ein bis zwei Tagen lässt sich normalerweise das notwendige Level an Bereitschaft nicht herbeizaubern.» Daraus schliesst er, dass «es für uns brutal schwierig wird». Während er vor drei Wochen seinen Verein «leicht im Vorteil» gesehen hat, spricht er nun von «einer um 180 Grad gedrehten Situation» und bezeichnet den HSC als Aussenseiter. Dass Suhr Aarau den Erfolg aber auch unter den neuen Vorzeichen sucht, ist klar: «Wir wollen volle Bereitschaft erarbeiten, sonst könnten wir auch unsere U17 schicken.»

Den Fokus aufrechterhalten

Völlig gegensätzlich tönt es bei Endingen. «Wir bekommen die verdiente Chance, dieses Aufstiegsduell sportlich zu entscheiden», sagt Co-Trainer Fabian Ammann. Verbunden damit ist «grosse Freude, Motivation und die Erwartung auf ein Handballfest».

Mit Ausnahme einiger Freitage über Auffahrt hat sich die Mannschaft zielgerichtet vorbereitet – ebenfalls verbunden mit: «Wer wird unser Gegner, Gossau oder Suhr Aarau?», hiess die Frage. Nicht einfach sei es gewesen, den Fokus zu halten, und: «Zuerst galt es, die Riesenenttäuschung zu verarbeiten, die Ausgangslage zu akzeptieren und Schritt für Schritt vorwärtszuschauen.»

Der Ansicht, dass die Situation bei Widersacher Suhr Aarau diffiziler sein soll, widerspricht Ammann und argumentiert: «Ich bin überzeugt, dass Ferien und erholte Spieler einen Vorteil sein können, zumal sie mit Hochgefühlen in die handballlosen Tage gegangen sind.» Für Ammann wie generell für alle Handball-Interessierten wird sich heute Abend in der GoEasy-Halle (19 Uhr) zeigen, wer wie mit dieser ungewohnten Ausgangslage umzugehen wusste. Spannung scheint garantiert.

Livestream TV Endingen - HSC Suhr Aarau – 21.5.2016, ab 18.30 Uhr

Meistgesehen

Artboard 1