Handball
Endingen-Chefcoach Seite an Seite mit Nationaltrainern

Endingens Trainer Zoltan Cordas ist der einzige Schweizer Coach, der das höchste europäische Handball-Diplom besitzt. Als Abschlussarbeit hat er ein neues Verteidigungssystem erarbeitet, mit welchem Endingen die Gegner zur Verzweiflung bringen will.

Alexander Wagner
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Endingens Trainer Zoltan Cordas lässt seine Mannschaft bereits mit dem von ihm erfundenen Verteidigungssystem spielen. Foto: Wagner

Endingens Trainer Zoltan Cordas lässt seine Mannschaft bereits mit dem von ihm erfundenen Verteidigungssystem spielen. Foto: Wagner

Der Ausbildungs-Kurs der European Handball Federation (EHF) bestand aus drei Teilen. Der Auftakt war im Januar bei der EM der Männer, der zweite Teil folgte bei der U18-EM in Hard und der Abschluss war in diesen Tagen bei der Frauen-EM in Serbien. Jeweils während einer Woche wurden die Trainer, welche in ihrem Land bereits das höchste Diplom besitzen mussten, intensiv geschult.

Neues Verteidigungs-System

Als Abschlussarbeit präsentierte Zoltan Cordas eine neue Abwehr-Formation. «Wir Trainer versuchen ja immer etwas Neues zu machen», erklärt Endingens Chefcoach. Er kombinierte die offensive 3-2-1-Verteidigung mit der Variante 5-1, bei der nur ein Verteidiger deutlich vorgezogen agiert. Aus der Vogelperspektive sieht die Abwehr wie ein T aus, wenn der Ball im zentralen Rückraum ist, aber eher wie ein L, wenn der Ball auf den Aussenpositionen zirkuliert. Deshalb nannte er seine Abwehr auch LT.

Effektivität soll gesteigert werden

Der Hintergrund ist die mangelnde Zeit, welche die Trainer heutzutage für ihre Aufbauarbeit haben: «Eine offensive Variante einzustudieren dauert lange. So viel Zeit hat man heute bei den Vereinen nicht mehr. Deshalb wollte ich die Effektivität steigern», erklärt der Österreicher mit serbisch-ungarischen Wurzeln.

Arbeit wurde ausgezeichnet

Wenn ein Team offensiv im 3-2-1 deckt, reagieren viele Mannschaften und gehen im Übergang mit zwei Kreisläufern vor. «Doch wenn man in der LT-Abwehr deckt, muss man viel weniger umstellen und dadurch ist es viel weniger aufwendig», erklärt Cordas einer der Vorzüge seines neu ausgetüftelten Systems. Das sahen auch die Verantwortlichen bei der EHF so und zeichneten seine Arbeit speziell aus.

Prominente Nationaltrainer dabei

Zusammen mit Cordas absolvierten zahlreiche namhafte Trainer den Lehrgang wie der Isländer Patrekur Johannesson, der das österreichische Nationalteam trainiert oder die Nationaltrainer aus Slowenien und Montenegro. Cordas ist der einzige im Männerbereich tätige Trainer der Schweiz, der die EHF Pro License erworben hat. Der Slowake Pavol Streicher trainiert die U20-Nationalmannschaft der Schweizer Frauen und hat die höchste Trainerlizenz ebenfalls in der Tasche.

Trotzdem bei Endingen

Mit dem höchsten Diplom könnte man denken, dass Cordas auch nach höheren Aufgaben als der NLB in der Schweiz strebt. «Das ändert meine Ambitionen nicht», versichert er. «Die Arbeit muss einen befriedigen. Und man hat die gleichen Probleme, einfach auf einer anderen Ebene», betont er. Deshalb will er auch weiter im Surbtal bleiben. «Denn ich fühle mich sehr wohl hier.»

Dass sein Team manchmal bereits in der neuen LT-Formation die Verteidigungsarbeit verrichtet, hat zwar vielleicht den einen oder anderen Angreifer etwas verwirrt, aber er konnte es noch nicht richtig einordnen. Jetzt weiss man in ganz Handball-Europa, mit was man es bei Endingen zu tun hat.

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