Eishockey

Eltern glaubten nicht an Erfolg und reisten schon vor Olympia-Triumph ab

Stefanie (l.) und Julia Marty (M.) während der Medaillenfeier.keystone

Stefanie (l.) und Julia Marty (M.) während der Medaillenfeier.keystone

Stefanie und Julia Marty haben Olympia-Bronze gewonnen. Dass die Eishockey-Frauen es so weit schaffen würden, daran haben selbst die Eltern nicht geglaubt. So kam es, dass sie noch vor dem kleinen Final zurück in die Schweiz geflogen sind.

Ob die Bronzemedaille der Schweizerinnen den Aargauer Sozialdemokraten Auftrieb verleihen wird? Die Mutter der 26-jährigen Zwillinge Julia und Stefanie Marty ist nämlich Marie-Louise Nussbaumer Marty, Gemeinderätin von Obersiggenthal, seit 15 Jahren Aargauer Grossrätin und Co-Präsidentin der SP-Fraktion. Den Abend des Bronze-Tages verbrachte sie nicht in Sotschi, sondern an einem Politanlass zum Aargauer Bildungssparen in der Mehrzweckhalle Untersiggenthal.

«Doch, doch, wir waren in Sotschi», sagt Vater Josef Marty, pensionierter Berufsschullehrer lachend, «aber wir waren wohl zu wenig optimistisch, wir haben nur bis zu den Spielen um Rang fünf bis acht gebucht.» Als dann die Qualifikation für die letzten vier feststand, war eine Verlängerung nicht möglich. Es fehlte eine Unterkunft – und in Russland lässt sich das Visum nicht so einfach verlängern. So haben die Eltern das Bronzespiel gegen Schweden vom heimischen Sofa aus im Beisein von Sohn Alexander mitverfolgt, der seine Arbeit als Architekt in Baden für die Dauer des Spiels niederlegte. «Ich konnte fast nicht hinschauen, ich war so nervös», schildert Mutter Marie-Louise, «doch am Schluss war die Freude riesig.» Alexander ergänzt: «Nach dem zweiten Gegentor hatte ich kurz Angst um das Team, doch nach dem Anschlusstreffer zum 1:2 war ich wieder im Fieber.»

Auf den Spuren des Bruders

Es war Alexander, der das Eishockey-Virus in die Familie Marty getragen hat. Er hat die Zwillinge quasi infiziert. Mit 8 Jahren standen sie zum ersten Mal wettkampfmässig auf dem Eis: für den EHC WettingenBaden. Im Alter von 13 spielten sie zum ersten Mal in einem Frauenteam, gleich in der obersten Schweizer Liga, in Langenthal. Mit 15 erlebten sie ihre erste Weltmeisterschaft, in Halifax (Ka). Sotschi war bereits ihre dritte Olympiade nach Turin 2006 und Vancouver 2010. «Damals war ein Medaillengewinn undenkbar», sagt Alexander Marty, der in der 3. Liga aktiv ist.

«Wir haben die Eishockey-Begeisterung stets mitgetragen, aber wir wollten auch, dass unsere Mädchen eine gute Ausbildung abschliessen», sagt Josef Marty. So haben die Zwillinge an der US-Ostküste, in Boston und an der Syracuse-University (New York) das College besucht, studiert – und Eishockey gespielt. Heute weist Stefanie einen Master in Wirtschaft vor, Julia einen solchen in Bewegungswissenschaft.

Abenteuer Schweden

Seit letztem Oktober spielen die beiden in Schweden für das Profiteam aus Linköping. Die Industrie- und Universitätsstadt ist hierzulande nicht ganz unbekannt: Es ist die Heimat von Saab und damit die Heimat des Gripen. «Das wäre dann sozusagen ein Kompensationsgeschäft: Linköping liefert uns den Gripen und wir liefern Linköping unsere Eishockey-Mädchen», sagt Marie-Louise Nussbaumer lachend.

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