Karate

Elena Quirici droht Quarantäne – warum die Aargauer Sportlerin des Jahres trotzdem in die Schweiz reist

Elena Quirici hat seit sieben Monaten keinen Wettkampf mehr bestritten.

Elena Quirici hat seit sieben Monaten keinen Wettkampf mehr bestritten.

Karatekämpferin Elena Quirici beginnt eine neue Ausbildung und muss dafür aus dem Risikoland Spanien in die Schweiz reisen. Trotz drohender Quarantäne sagt sie: «Es ist es wert.»

Ein bisschen fies wäre es ja schon. Nur ungefähr zehn Tage im Jahr gönnt sich Elena Quirici ohne Training. Und jetzt kann es sein, dass sie diese seltene Auszeit ausgerechnet in Quarantäne verbringen muss. «Das wäre natürlich schon bitter», sagt die Aargauer Karatekämpferin, die derzeit in Spanien und somit in einem Land trainiert, das vom Bund auf die Corona-Risikoliste gesetzt wurde. «Als ich in das Trainingslager und zu meinem Freund reiste, war dies noch nicht der Fall», sagt die 26-Jährige. «Ich hoffe nun, dass die Massnahmen bald etwas gelockert werden.»

Mitte Oktober beginnt Elena Quirici eine neue Ausbildung. Dafür will und muss sie in die Schweiz reisen und – genau: zehn Tage in Quarantäne, sollte sich die Situation bis dahin nicht ändern. «Es ist es aber wert, weil ich die Ausbildung machen will, wenn ich schon Mal Zeit dafür habe.» Zeit hat sie, weil nach wie vor keine Karatewettkämpfe stattfinden. «In einer normalen Saison könnte ich niemals etwas neben dem Sport tun», sagt sie. Zu intensiv ist das Leben als Karatekämpferin, zu hoch die Anforderung, um Weltspitze zu sein.

Ein zweites Standbein für die Zeit nach der Karriere

Quirici hat eine KV-Lehre und eine Weiterbildung im HR-Bereich abgeschlossen, sagt aber: «Ich kann mir zur Zeit nicht vorstellen, dass ich irgendwann 100 Prozent im Büro arbeite.» Darum will sich die Sportlerin nun im Fitnessbereich weiter­bilden, um nach der Karriere auch als Instruktorin arbeiten zu
können. «Das Thema interessiert mich sehr. Ich befasse mich als Athletin intensiv mit meinem Körper. Es ist spannend, auch die Hintergründe, also die Theorie hinter der Praxis, zu lernen. Und ein zweites Standbein kann nie schaden.»

Noch hat die 26-Jährige die Hoffnung, dass sich die Ein­reisekriterien aus Spanien bis im Oktober ändern. «Aber ich muss es nehmen, wie es kommt.» Und darin ist sie geübt. Unfreiwillig zwar – dafür aber umso brutaler. Elena Quirici war bereits für die Olympischen Spiele 2020 qualifiziert. Doch dann wurden diese um ein Jahr verschoben und der Internationale Karateverband definierte zwei Wettkämpfe in der Saison 2021, die nun ebenfalls für das Olympiaranking zählen.

Quirici wurde der Erfüllung ihres Traums beraubt und muss nun von neuem beginnen, zu träumen. «Ich habe mir Zeit genommen, die Enttäuschung zu verarbeiten. Jetzt habe ich ein neues Ziel: Die Olympischen Spiele 2021.» Im Dezember soll endlich wieder ein Turnier stattfinden, seit das Coronavirus ab März Karatewettkämpfe verunmöglichte.

Sie lebt und trainiert in Spanien in einer Art Blase

Dass sie bei der Rückreise in die Schweiz gemäss aktuellem Stand in Quarantäne muss, ist für Quirici umso bitterer, weil sie in Spanien in einer Art Blase lebt. «Ich trainiere nur mit meinem Freund und unserem Trainer mit striktem Schutzkonzept. Das Haus verlassen wir nur, um mit dem Auto ins Training zu fahren. Wir essen nie auswärts und gehen nie in Bars oder ins Nachtleben. Die Chance, dass ich mich hier anstecke ist fast kleiner als in der Schweiz.» Doch beklagen will sich die Aargauer Sportlerin des Jahres nicht. Schliesslich ist ihr Ge­rechtigkeit wichtig und die ist nur gegeben, wenn die Kriterien für alle gleich sind. Aber bitter wäre es trotzdem.

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