Eishockey
Topergebnis mit nur einem Sieg: Die unglaubliche Geschichte der Schweizer Eishockey-Frauen

Zum ersten Mal seit 12 Jahren sind die Schweizerinnen wieder im Halbfinal gestanden. Dabei feierte Lena Lutz aus Buchs ihre Premiere.

Nicolas Blust
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Lena Marie Lutz beim 3:2-Viertelfinalsieg gegen Russland.

Lena Marie Lutz beim 3:2-Viertelfinalsieg gegen Russland.

Freshfocus

Seit 2012 kamen die Schweizer Eishockey-Frauen nicht mehr im Halbfinal einer Weltmeisterschaft. Bis zu diesem Jahr. Mit lediglich einem Sieg in sieben Spielen sichern sich die Eidgenossinnen den vierten Schlussrang an der WM in Calgary.

Eishockey-Nationalspielerin Lena Marie Lutz aus Buchs.

Eishockey-Nationalspielerin Lena Marie Lutz aus Buchs.

zvg

Mittendrin war Lena Marie Lutz aus Buchs. Für die 20-Jährige war es die erste Teilnahme an einer WM-Endrunde. «Es war eine megacoole Erfahrung», sagt Lutz über ihre erste WM-Teilnahme. Die Situation rund um das Turnier war jedoch speziell. Strenge Covid-Vorschriften verhinderten, dass die Spiele vor Publikum ausgetragen werden durften. Und auch die Sportlerinnen mussten sich an ein genaues Protokoll halten.

Weltmeisterschaft im Zeichen des Coronavirus

«Es war eine sehr spezielle WM, da wir konstant in einer Bubble lebten. Wir durften keinen Kontakt zu externen Personen haben und waren oft alleine im Hotelzimmer», sagt Lena Marie Lutz. Nach der Ankunft in Kanada mussten die getesteten Spielerinnen für fünf Tage in die Isolation. Umso grösser war die Freude, als das Team das Eis betreten durfte:

«Die Freude auf das erste Eistraining mit dem Team war riesig.»

Trotz der vielen Aufenthalte im Hotelzimmer ging die Zeit wie im Flug vorbei. «Wir hatten eine gute Tagesstruktur und hatten mehrmals täglich Meetings via Zoom», so die Buchserin über die ungewohnte Vorbereitung. Daneben vertrieb sich die Buchserin die Zeit mit Yoga und Lesen.

Frauen-Hockey erfreut sich in Kanada grosser Beliebtheit

Auch ungewohnt war für Lutz das grosse Interesse am Fraueneishockey in Kanada:

«Das Interesse war tatsächlich sehr gross. Das Turnier wurde von den Medien gepusht und alle Spiele liefen live im Fernsehen. Es war deswegen sehr speziell, in Kanada zu spielen.»

Leider bekamen die Spielerinnen davon nur wenig mit, da die Stadien leer bleiben mussten.

Dass die Schweizerinnen die Gruppenphase ohne Sieg überstanden, lag am speziellen Modus des Turniers. Bereits vor der Gruppenphase war klar, dass alle Teams der Schweizer Gruppe A in die Viertelfinals einziehen. Dementsprechenden legten Lutz und Co. ihren Fokus auf das erste K.o.-Spiel. Mit den Russinnen als Gegner zogen die Schweizerinnen dabei aber ein schweres Los.

Overtime-Krimi gegen favorisierte Russinnen

Das Viertelfinale begann dann auch denkbar schlecht. Bereits nach dem ersten Drittel lag die Schweiz mit 0:2 im Hintertreffen. Danach drehte das Team von Trainer Colin Muller den Spiess aber um. Mit zwei Toren im Schlussdrittel retteten sich die Schweizerinnen in die Verlängerung, wo sie das goldene 3:2-Siegtor erzielten. «Es war ein unglaubliches Spiel, bei dem die Emotionen einzigartig waren. Wir sind zusammengestanden und haben alle an den Sieg geglaubt», sagt die Buchserin über den Viertelfinal-Krimi.

Der 3:2-Sieg gegen Russland sollte aber das einzige Schweizer Erfolgserlebnis bleiben. Nach der 0:4-Halbfinalniederlage gegen den späteren Sieger und Gastgeber Kanada folgte im Spiel um Platz drei ein 1:3 gegen Finnland. Trotzdem bleibt Lena Marie Lutz ihre erste WM-Teilnahme in bester Erinnerung:

«Es war eine einmalige Erfahrung für mich, an die ich mich noch lange erinnern werde. Als ich wieder zu Hause angekommen bin, wäre ich am liebsten wieder zurückgeflogen.»

Mit neuem Team in die Olympia-Saison

Nun steht aber die neue Saison in der Schweiz vor der Tür. Für die 20-jährige Angreiferin steht dabei bereits ihre nächste Premiere an. Auf diese Saison hin ist sie nämlich zu den Thurgau Indien Ladies gewechselt. Das ist nicht nur sportlich ein grosser Schritt. Lutz zieht erstmals von zu Hause weg.

Sportlich setzt sie sich dann auch grosse Ziele: «Die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2022 in Peking ist mein grosses Ziel. Deswegen suchte ich auch eine neue sportliche Herausforderung.» Lutz möchte sich mit guten Leistungen in einem Topteam für die Selektion empfehlen. Damit würde sie dann ihren zweiten internationalen Grossanlass innerhalb weniger Monate erleben.

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