«Raimondo, ich habe einen Spieler, der zum FC Aarau passen könnte.» So hat es geklungen, als Shabani Nonda dieser Tage Kontakt mit dem Aarauer Sportchef Raimondo Ponte aufgenommen hat. Natürlich, so oder ähnlich beginnen viele Anrufe, die ein Sportchef erhält – zumal, wenn wie jetzt, Saisonpause ist.

Es braucht dann schon noch etwas mehr, bis sich Ponte dazu entschliesst, sich ein Angebot überhaupt etwas genauer anzusehen, und – wenn es passt – den angebotenen Fussballer XY als Testspieler ins Training zu integrieren. «Wenn ich einen interessanten Vorschlag von einem Spielerberater erhalte, dann schaue ich mir das einmal in aller Ruhe an», sagt Ponte. Eine der wichtigsten Abklärungen erfolgt gleich in der Anfangsphase des Kontakts: die Finanzierbarkeit des Spielers. «Wenn einer 20 000 Franken monatlich fordert, muss ich mir den gar nicht weiter ansehen. Das bringt niemandem etwas.»

Noch bevor das Finanzielle aber überhaupt eine Rolle spielen kann, muss etwas ganz anderes stimmen: das Vertrauen zum Spielerberater. «In diesem Geschäft hat fast alles mit Beziehungen zu tun. Wenn das Vertrauen nicht stimmt, dann wird es schwierig», sagt Ponte. Den Grund dafür liefert er auch gleich selber nach: «Ich habe noch nie einen Spielerberater erlebt, der nicht von seinem Schützling geschwärmt hätte. Sonst wäre er ein schlechter Spielervermittler.»

Zurück zum Anruf Nondas bei Ponte. Beim «Spieler, der zum FC Aarau passen könnte» handelt es sich um Rashid Empota. Der 18-jährige Australier ist ein zentraler, defensiver Mittelfeldspieler. Ganz offensichtlich hat Nonda, der seine Karriere Mitte der 1990er-Jahre unter den Fittichen Pontes lanciert hat, das Interesse seines damaligen Trainers geweckt. Die Basis, also das Vertrauen zum vermittelnden Spielerberater, stand nie infrage, hatte Ponte den damals 18-Jährigen doch sogar bei sich zu Hause aufgenommen.

Kommt hinzu, dass sich Nonda nach seiner Aktivkarriere mit Stationen beim FC Zürich, der AS Monaco und Galatasaray Istanbul einen Namen als Fussballförderer gemacht hat. Der mittlerweile 39-Jährige betreibt in seiner Heimat in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, eine erfolgreiche Fussballschule.

«Shabani hat mir bezüglich Rashid weder viel versprochen, noch irgendwelche Garantien verlangt», sagt Ponte. Ganz offensichtlich wurden sich Nonda und Ponte über ein Engagement Empotas als Testspieler einig. Am späten Mittwochabend reiste dieser aus Australien an, zusammen mit Nonda, mit dem er sich unterwegs in Belgien getroffen hatte.

Die Anreise mussten der Testspieler beziehungsweise sein Berater selber berappen, die Unterbringung im FCA-Mannschaftshotel übernimmt der Klub. «So regeln wir das im Normalfall», sagt Klubpräsident Alfred Schmid. «Wir beteiligen uns erst an den Reisekosten, wenn der Transfer zustande kommt.» Diese Handhabung hat ihre Gründe: Ist ein Berater tatsächlich von seinem Angebot überzeugt, ist er auch bereit, im Vorfeld etwas zu investieren.

Ein Tag reicht nicht für ein Urteil

Empota dürfte von all dem wenig mitbekommen haben. Dafür hat er schliesslich seinen Berater. Der 18-Jährige trainierte während der beiden gestrigen Trainingseinheiten des FCA in Marbella mit der Mannschaft – unter strenger Beobachtung von der Klubführung um Präsident Schmid, Vizepräsident Roger Geissberger und Sportchef Ponte.

Für ein Fazit ist es nach diesem ersten Tag noch zu früh: «Wir beobachten ihn nun genau. Ein einziger Tag reicht nicht, um ihn zu beurteilen. Da müssen wir noch etwas mehr sehen», sagt Ponte.

Deshalb ist auch noch nicht klar, wie lange Empota mit dem FCA im Trainingslager an der spanischen Costa del Sol bleiben wird. Eine konkrete Dauer des Testtrainings haben Ponte und Nonda nicht ausgemacht. «Ich hoffe schon, dass er ein paar Tage bleibt. Nur so können wir uns ein möglichst genaues Bild von ihm machen», sagt Ponte.

Haben sich alle in die Entscheidung beteiligten Personen – also Trainer und sportliche Leitung – ein Bild gemacht, wird gemeinsam über eine allfällige Verpflichtung entschieden. «Wenn wir zum Schluss kommen, dass er uns helfen kann, gehen wir das konkret an.» Dass Empota den FCA kurzfristig weiterbringen kann, darf bezweifelt werden. Dafür fehlt ihm für die Position des Sechsers derzeit wohl noch die Wasserverdrängung. Aber als Perspektivspieler dürfte er durchaus von Interesse sein – schliesslich wird Captain Sandro Burki im kommenden Herbst 32 Jahre alt.

Mehrere Schritte weiter ist der FCA im Fall Damir Mehidic. Der 25-jährige Bosnier trainiert seit dem Auftakt ins Jahr 2017 mit der Mannschaft. Einen Vertrag hat man ihm aber noch nicht angeboten: «Wir haben mit ihm ausgemacht, dass wir uns nach dem Trainingslager entscheiden», sagt Ponte. Nach dem verletzungsbedingten Saisonende für Marco Thaler sind die Chancen Mehidics aber sicher nicht gesunken.
Und was, wenn sich der FCA am Ende gegen einen Testspieler entscheidet? Dann wird dieser dem nächsten Klub angeboten.