Sie tauchte auf aus dem Nichts. Oder besser gesagt: unter. Michelle Heimberg war bis im Juni 2017 nur absoluten Experten ein Begriff. 17 Jahre war sie damals alt, die junge Frau aus Fislisbach. Und plötzlich stand sie im Rampenlicht. Was war geschehen? Die Aargauerin hatte ein Stück Schweizer Sportgeschichte geschrieben. Sie hatte als erste Athletin unseres Landes in der Sparte Wasserspringen auf Elite-Stufe eine EM-Medaille gewonnen.

Seither sind zwei Jahre vergangen. Und in dieser Zeitspanne ist es etwas ruhiger geworden um Michelle Heimberg. Die Resultate waren immer noch sehr gut. Unter anderem wurde sie fünffache Vize-Europameisterin bei den Juniorinnen. Aber für die ganz grossen Schlagzeilen reichte es nicht mehr.

Doch das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Fislisbacherin enorm viel in ihre Karriere investierte. Unter der Woche Trainings in Genf und Lausanne. Freitag und Samstag Maturitäts-Schule und Training in Zürich. Aufwand pro Woche: 25 Stunden. 25 Stunden Arbeit mit einem ganz grossen Ziel im Hinterkopf: die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen in Tokio im kommenden Sommer.

Die Triebfeder in den schwierigen Momenten

Den Spielen in der japanischen Hauptstadt ordnet Michelle Heimberg in ihrem Leben derzeit alles unter. Auf ihrer Homepage läuft ein riesiger Countdown. Olympia ist auch dann ihre grosse Triebfeder, wenn es mit der Motivation in seltenen Momenten mal hapert. «Natürlich betreibe ich einen enormen Aufwand. Aber Tokio ist ein riesiger Ansporn für mich», erzählt Michelle Heimberg.

Auf dem Weg Richtung Olympia jettet die mittlerweile 19-Jährige rund um den Globus. Eben erst war sie in Japan. Ab heute steht in Südkorea die Weltmeisterschaft auf dem Programm. Und somit die erste Chance, sich das begehrte Ticket für Tokio zu sichern. Gefragt wäre ein zwölfter Platz.

Das ist für Michelle Heimberg, die in diesem Jahr erstmals ausschliesslich in der Elite und nicht mehr auch noch bei den Juniorinnen an den Start geht, ein sehr hoch gestecktes Ziel. Das weiss sie selber auch und dämpft deshalb die Erwartungshaltung: «Im Training lief es mir sehr gut. Aber schwierig zu sagen, was realistisch ist. Es sind 50 Teilnehmerinnen am Start. Die besten der Welt. Es wird also ein langer Wettkampf.»

Sie will eine von 32 werden

Heute eröffnen die Wasserspringerinnen auf dem Einmeterbrett die Weltmeisterschafts-Wettkämpfe in Gwangju. Mit dabei Michelle Heimberg, die mit dem Bewusstsein an den Start geht, dass für sie «alles zusammenpassen» muss, damit sie sich an der Spitze der Weltelite klassieren kann. Unter Druck setzen mag sie sich deswegen nicht. «Selbst wenn ich es im ersten Anlauf nicht schaffe, habe ich noch meine Chancen, die Olympia-Quali zu realisieren.» Insgesamt 32 Athletinnen dürfen im Sommer 2020 in Tokio an den Start.

«Natürlich betreibe ich einen enormen Aufwand. Aber Tokio am Horizont ist eine grosse Motivation für mich.»

«Natürlich betreibe ich einen enormen Aufwand. Aber Tokio am Horizont ist eine grosse Motivation für mich.»

Nach ihrer Rückkehr aus Asien steht für Michelle Heimberg eine spezielle Herausforderung auf dem Programm. Sie wird an der Bundesfeier in ihrer Heimatgemeine Fislisbach die Festrede halten. Sie habe sich zwar schon inhaltliche Gedanken gemacht, wisse aber noch nicht genau, was sie ihren Zuhörerinnen und Zuhörern letztlich mit auf den Weg geben wolle. Man kann davon ausgehen, dass Heimberg ein paar interessante Anekdoten aus ihrem noch jungen Sportlerleben zu erzählen weiss. Zum Beispiel die, als sie im Rampenlicht auf-, pardon, untertauchte.