Analyse
Einsam und austauschbar: Was Weiler mit Yakin gemein hat

René Weiler geht. Er verlässt nach drei Jahren den FC Aarau. Die Analyse von Sportchef François Schmid-Bechtel über die Parallelen zwischen René Weilers Abgang in Aarau und Murat Yakins Entlassung in Basel.

François Schmid-Bechtel
Merken
Drucken
Teilen
Murat Yakin und René Weiler

Murat Yakin und René Weiler

Keystone

René Weiler war beim FC Aarau mehr als nur der beste Trainer seit Ottmar Hitzfeld (Cupsieg 1985) und dem jungen Rolf Fringer (Meister 1993).

Weiler war auch irgendwie Sportchef, Scout und Teammanager. Allein seines enormen Arbeitsethos und seiner vielseitigen Qualitäten wegen ist seine Kündigung ein fast monumentaler Verlust für Aarau. Ein neuer Trainer allein wird kaum reichen, um das Vakuum zu füllen, welches durch Weilers Abgang entsteht.

Weiler hat sich nicht aus Machtgier darum gerissen, Aufgaben jenseits seines Pflichtenhefts - er hat sich beispielsweise um die Finanzierung für ein Trainingslager gekümmert - zu übernehmen. Allein wegen der unprofessionellen Strukturen sah er sich dazu gezwungen, um sich, die Mannschaft, aber auch den Klub wieder in die Erfolgsspur zu führen.

Lange hat sich Weiler mit den bescheidenen Verhältnissen klaglos abgefunden. Zumindest so lange, wie der FC Aarau in der Challenge League spielte.

Mit dem Aufstieg in die Super League stiegen auch seine Erwartungen. Doch Weiler musste konstatieren, dass der FC Aarau die Rückkehr in die Top 10 des Schweizer Fussballs nicht dazu nutzte, eine Vorwärtsstrategie zu fahren.

Aarau blieb klein. In allen Belangen. Trotzdem blieb Weiler ein erfolgsbesessener Trainer. Er liess sich weder durch das tiefe Budget, die teils ungenügenden Transfers noch seinen kleinen Betreuerstab vollkommen desillusionieren. Gleichwohl führten die permanenten Reibungen mit seinen Vorgesetzten betreffend professionellerer Ausrichtung zu Abnützungserscheinungen.

Trotzdem wäre die Trennung vermeidbar gewesen. Weilers Forderungen nach mehr Unterstützung waren nicht utopisch. Ihm war klar, dass der FC Aarau um den Klassenerhalt wird kämpfen müssen.

Aber ein Teilzeit-Sportchef, ein Teilzeit-Konditionstrainer und ein Teilzeit-Physio ist zu viel Teilzeit für den Vollprofi.

Weiler war allein. Gefangen in der Kleinheit. Ein Vollzeit-Sportchef und ein, zwei Leute mehr im Betreuerstab - im Optimalfall Leute mit einem guten Draht zum Trainer - hätten gereicht, um Weilers Kündigung zu verhindern. Doch es scheint, als wollte man den Trainer bewusst kleinhalten, um seine Macht zu begrenzen.

Auch Murat Yakin war beim FC Basel einsam. Was zu einer absurden Trainerentlassung führte. Aus rationeller Sicht gibt es nichts, was gegen Yakin spräche.

Er hat für sportlichen (zweimal Meister) und wirtschaftlichen (Salah-Transfer, Einzug in die Champions League) Erfolg gesorgt.

Er hat die Spieler besser gemacht (selbst Valentin Stocker war selten so effizient wie unter Yakin). Er hat Juwelen (Fabian Schär) entdeckt. Und er hat den eigenen Nachwuchs (Embolo, die Ajeti-Brüder und Aliji) gefördert.

Dass man Yakin alleine für die Indiskretionen und atmosphärischen Störungen verantwortlich macht, ist abenteuerlich. Ebenso, wie man sich an seinem Umfeld stört. Schliesslich wusste man beim FCB, auf was man sich bei Yakin einlässt: auf einen Non-Konformisten und Freigeist, der konsequent seinen Weg geht. In der Retrospektive wirkt es nun, als hätte man beim FCB gar nie langfristig mit Yakin geplant.

Schon bei seiner Anstellung war es Yakin nicht erlaubt, auch nur einen Assistenten seiner Wahl anzustellen. Und später, als im Herbst 2013 atmosphärische Störungen grassierten und Yakin medial unter Beschuss kam, stellten sich weder Präsident Bernhard Heusler noch Sportchef Georg Heitz schützend vor den Trainer.

Schlimmer noch: Heusler sagte am Montag, dass die Zeit gefehlt habe, um bei einem Glas Wein die Dinge auszudiskutieren.

Weiler und Yakin. Unterschiedliche Typen. Einst Hoffnungsträger, unterdessen etablierte Top-Trainer, sind nicht mehr im Amt, weil man sie in Aarau und in Basel als beliebig austauschbare Arbeitskraft gesehen hat.