Basketball
Eine warme Jacke für den Serienjunkie aus Miami

Am Sonntag starten die Basketballerinnen der Alten Kanti in ihre erste Nationalliga-A-Saison. Mit Jassany Williams ist erstmals auch eine Profispielerin dabei.

Fabio Baranzini (Text und Foto)
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Jassany Williams gefällt die Aarauer Altstadt:«Das sieht fast aus, wie im Disneyland – wirklich sehr schön.»

Jassany Williams gefällt die Aarauer Altstadt:«Das sieht fast aus, wie im Disneyland – wirklich sehr schön.»

Fabio Baranzini

Jassany Williams zu übersehen, ist unmöglich. Nicht nur überragt sie mit ihren beinahe 1,90 Metern alle, die an diesem Nachmittag vor dem McDonald’s in Aarau warten, sondern sie ist auch die Einzige, die trotz des leichten Nieselregens und den bloss knapp über zehn Grad keine Jacke trägt. Und so kommt ihre erste Aussage direkt nach der Begrüssung wenig überraschend. «Hier ist es echt unglaublich kalt», sagt die 23-Jährige aus Miami und fügt lachend hinzu: «Eine warme Jacke zu kaufen, muss ich mir echt ganz zuoberst auf meine To-do-Liste schreiben.»

Seit einem Monat lebt Jassany Williams in der Schweiz. Sie ist die erste Profispielerin in der Vereinsgeschichte des Basketballclubs Alte Kanti Aarau, dessen Frauenteam in der vergangenen Saison den Aufstieg in die Nationalliga A geschafft hat. Für Williams ist Aarau die erste Station als Profi. Doch wie um alles in der Welt hat es sie nach Aarau verschlagen, also in die – für amerikanische Verhältnisse – tiefste Basketballprovinz? «Mein Agent holte mehrere Angebote ein und am Ende musste ich mich zwischen Italien, Griechenland und der Schweiz entscheiden», erzählt Williams. Die Wahl fiel ihr leicht. «Die Gespräche mit Coach Milenko Tomic und Captain Karen Twehues haben mir gezeigt, dass in Aarau neben dem sportlichen Aspekt auch viel Wert auf einen familiären Umgang gelegt wird.»

Mehr als ein Produkt

Dies hat Jassany Williams beruhigt, denn ihre grösste Sorge war es, dass sie beim Wechsel in den Profibetrieb auf ihre Leistung reduziert wird. Dass sie also bloss an Punkten und Rebounds gemessen wird. «Oftmals werden Profibasketballer nur als Produkt wahrgenommen und nicht als Mensch. In Aarau habe ich sofort gemerkt, dass dies nicht der Fall ist», freut sich Williams. Entsprechend schnell hat sie sich ins Team integriert. Dass ihr dabei als einzige Profispielerin eine besondere Rolle zuteilwird, ist sie sich bewusst. Trotzdem betont sie: «Ich bin nicht Lebron James. Ich bin eine Spielerin wie jede andere im Team. Meinen Mitspielerinnen wollte ich unbedingt zeigen, dass sie keine Angst haben müssen vor mir, sondern dass ich ihnen helfen will.»

Obwohl Williams zweimal täglich trainiert – neben dem Basketballtraining absolviert sie Kraft- und Yogaeinheiten –, hat sie viel Freizeit. Ein Luxus, denn in Amerika stiess sie mit der Kombination aus College und Basketball an ihre Grenzen. Jetzt hat sie mehr Zeit, ihrer zweiten Leidenschaft nachzugehen, dem Kochen.

Das erste Mal Skifahren

Die wichtigsten Einkaufsmöglichkeiten in Aarau kennt Williams bereits. Und sie ist begeistert. «Der Besuch im Lebensmittelgeschäft ist für mich jedes Mal ein Abenteuer. Die Auswahl ist riesig, und es hat viele Produkte, die ich überhaupt nicht kenne», sagt Williams. Neben den höheren Preisen und den kleineren Portionen hat sie vor allem mit den Öffnungszeiten zu kämpfen. «Dass um 21 Uhr kein Laden mehr offen ist, war für mich völlig ungewohnt. In Miami hat alles 24 Stunden geöffnet.»

Neben Basketball und Kochen schaut Jassany Williams gerne TV-Serien. Momentan ist «The Mentalist» hoch im Kurs. «Ich bin ein absoluter Serienjunkie», sagt sie über sich selbst. Und auch ihr Smartphone hat sie stets griffbereit. Schliesslich will sie ihre Familie und Freunde stets auf dem Laufenden halten. Auf eine Nachricht, die sie in ihre Heimat schicken wird, freut sie sich schon jetzt: «Im Winter will ich unbedingt zum ersten Mal Ski fahren gehen.» Spätestens dann wird Jassany Williams eine warme Jacke brauchen.

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