Challenge League
«Eine Unverschämtheit»: Schweizer Fussballliga droht dem FC Wohlen mit Disziplinarverfahren

Der FC Wohlen hat ein Schreiben von der Swiss Football League (SFL) erhalten mit der Forderung, noch einmal den Nachweis zu erbringen, dass die Beleuchtungsanlage bis zum Saisonbeginn verbessert wird. Sonst droht ein Disziplinarverfahren. Der Klub meint: Ein Ding der Unmöglichkeit.

Sebastian Wendel
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Der FC Wohlen soll die Beleuchtungsanlage bis zum Saisonstart verbessern.

Der FC Wohlen soll die Beleuchtungsanlage bis zum Saisonstart verbessern.

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Und irgendwann stellt man sich die Frage: Warum hat der FC Wohlen die Lizenz überhaupt erhalten?

Am Freitag ist im Posteingang von Präsident Lucien Tschachtli eine Mail gelandet. Absender: die Swiss Football League (SFL). Im Anhang: ein Schreiben mit dem Titel «Lizenz III für die Teilnahme an der Challenge League 2017/18 – Auflage zur Verbesserung der Beleuchtung». Der zusammengefasste Inhalt: Gemäss dem positiven Lizenzentscheid in zweiter Instanz müsste die Erfüllung der Auflagen bis zum Saisonbeginn am 22. Juli 2017 erfolgen. Heisst für den FC Wohlen: Am 22. Juli 2017 muss die neue und 500 Lux starke Flutlichtanlage im Stadion Niedermatten stehen und funktionieren. Ansonsten drohe eine Anzeige und die Eröffnung eines Verfahrens durch die Disziplinarkommission. Signiert ist der Brief von Marc Juillerat, Licensing Manager der SFL.

In Wohlen sind Tschachtli und Ehrenpräsident René Meier fassungslos, sie wissen nicht, ob sie lachen oder weinen sollen. Ihren Unmut äussern sie mit einer gepfefferten Medienmitteilung. Zitat Meier: «Was da seitens der SFL abgeht, ist eine nicht akzeptable Unverschämtheit. Offensichtlich regiert an den Schreibtischen der SFL nur noch menschliche Unvernunft und absolutistischer Bürokratismus!»

Wohlen wartet ab

Rückblick: Am 1. Mai wird bekannt, dass Wohlen die Lizenz für die kommende Saison unter anderem wegen der mangelhaften Beleuchtungsanlage nicht erhält. Im ab diesem Sommer gültigen TV-Vertrag zwischen der SFL und Teleclub sind 500 Lux ein Muss. Statt zu resignieren, wehren sich die Wohler Verantwortlichen und legen Rekurs ein. Tschachtli und Meier unternehmen alles, um die geforderte Lichtanlage zu bekommen.

Lucien Tschachtli «Das Ganze ist einfach realitätsfremd»

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Um den Prozess zu beschleunigen, tritt der FC bei der Eingabe des Baugesuchs als Bauherr auf – und nicht die Gemeinde, die Besitzerin des Stadions. Das Okay des Gemeinderats leitet der FCW an die SFL weiter. Und sie verweisen darauf, dass trotzdem die Fristen für die Auflage des Baugesuchs gelten. Kommunal und kantonal. Und dass es aufgrund dessen unmöglich sei, dass die neue Lichtanlage am 22. Juli stehe – auch wenn es keine Einsprachen gegen das Baugesuch geben sollte. Als spätestmöglichen Zeitpunkt der Inbetriebnahme nannte der FCW den Beginn der Rückrunde der Saison 2017/18.

Die SFL wusste gemäss dem FC Wohlen Bescheid, dass in drei Wochen von Gesetzes wegen auf der Niedermatten keine neue Lichtanlage stehen kann. Und hat den Freiämtern am 1. Juni dennoch in zweiter Instanz die Lizenz erteilt. Eben weil so grosse Bemühungen laufen würden, die neue Lichtanlage zu realisieren.

Und dann das Schreiben vom Freitag. Die Androhung eines Disziplinarverfahrens, sollte am 22. Juli die Niedermatten nicht mit 500 Lux bestrahlt werden. «Was das auslöst?», erwidert Präsident Tschachtli die entsprechende Frage, «Frust pur! René (Meier; d. Red.) und ich arbeiten tagtäglich ehrenamtlich für den FC Wohlen und rennen uns gerade die Lunge aus dem Leib, um neue Spieler und neue Sponsoren zu finden und eine geeignete Lichtanlage zu realisieren. Mit der konkreten Planung aber können wir erst beginnen, wenn wir eine Baubewilligung haben.»

Den Brief aus Bern nimmt Tschachtli zur Kenntnis, mehr nicht. «Was sollen wir auch tun? Es ist eine Androhung, mehr nicht. Die Lichtanlage kommt deswegen nicht schneller. Der FC Wohlen kann doch nicht das Gesetz brechen. Das Ganze tut weh, macht wütend und ist einfach realitätsfremd.» Die SFL war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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