3.Liga
Eine Schlammschlacht mit Folgen: Domagoj Karadza als Trainer von Neuenhof entlassen

Das 3.-Liga-Spitzenteam FC Neuenhof trennt sich trotz sportlichen Erfolg von seinem kroatischen Trainer Domagoj Karadza – was ist los beim Wintermeister und ist damit nun der Aufstieg in die 2. Liga gefährdet?

Ruedi Kuhn
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Domagoj Karadza neben der Bank, die während dreieinhalb Jahren seine Heimat war.

Domagoj Karadza neben der Bank, die während dreieinhalb Jahren seine Heimat war.

Fabio Baranzini

Der 3.-Ligist FC Neuenhof ist Wintermeister, hat fünf Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger, ist also auf Aufstiegskurs. Trotzdem trennen sich die Vereinsverantwortlichen gemäss Communiqué per sofort und in gegenseitigem Einvernehmen von Trainer Domagoj Karadza.

Gleichzeitig danken sie ihm für die erfolgreiche Tätigkeit in den vergangenen zweieinhalb Jahren. Erfolg auf dem Spielfeld auf der einen Seite, Trainerentlassung auf der anderen Seite. Das passt nicht zusammen: Was ist los beim FC Neuenhof?

Es ist eine leidige Geschichte, die in den Reihen der Neuenhofer in den vergangenen Wochen für Wirbel gesorgt hat. Eine leidige Geschichte mit einem Verlierer: Domagoj Karadza. Die Fakten: Eine Woche vor der Generalversammlung des FC Neuenhof am 30. Oktober überschlugen sich die Ereignisse. Mit Stipo Karadza zeigte ausgerechnet der Vater des Trainers Interesse an der Übernahme des Vereins.

Stipo Karadza wollte Präsident werden und machte im Vorfeld der GV kein Geheimnis aus seinen hohen Zielen mit dem FC Neuenhof. Er hatte Machtansprüche und wollte zum Wohl des Klubs mit der grossen Kelle anrichten.

Wie der «Putschversuch» scheiterte

So kam es während der turbulenten Versammlung am 30. Oktober zu einer Kampfwahl ums Präsidium. Einerseits stellte sich mit Domenico Raosa der Mann zur Wiederwahl, der seit fünf Jahren an der Spitze des Vereins steht. Anderseits machte sich Herausforderer Stipo Karadza Hoffnungen auf den Präsidentenjob.

Letzterer schien gute Karten zu haben. Sein Wunsch: Den FC Neuenhof neben dem Spielfeld salonfähig machen und sportlich mittelfristig mindestens in die 2. Liga interregional aufsteigen. Die Familie Karadza hatte also Grosses vor mit dem FC Neuenhof. Die Weichen für die Übernahme waren bereits gestellt: Schliesslich war rund die Hälfte der 20 Kaderspieler in der SD Fiber AG mit Sitz in Dietikon angestellt.

Dieses Unternehmen wurde im April 2012 von Stipo Karadza gegründet. Er baute es zusammen mit seinen drei Söhnen Domagoj, Kristian und Jure auf. Das Kerngeschäft der florierenden Firma mit rund 80 Angestellten ist der zeitgemässe Ausbau der Telekommunikations-Infrastruktur für den Schweizer Mittelstand.

Das Resultat der Abstimmung war zwar nicht eindeutig, liess aber keine Zweifel offen: Von den 104 Stimmberechtigten waren 62 für Raosa und 32 für Karadza. Zehn Mitglieder enthielten sich der Stimme. Raosa wurde also in seinem Amt bestätigt. Stipo Karadzas «Putschversuch» scheiterte.

Der grosse Verlierer der Geschichte sein Sohn Domagoj

Pikant: Kurz vor der Abstimmung unterrichtete die Familie Karadza die Versammlungs-
Teilnehmer dahingehend, dass sie im Besitz eines Schreibens von einem Anwalt seien. Es ging darum, dass Eltern gemäss Statuten bei der Wahl des Präsidenten nicht stimmberechtigt seien.

Damit wollten die Karadzas die Chancen auf die Übernahme des Klubs erhöhen. Für die Mehrheit der Mitglieder gingen die Machtansprüche aber entschieden zu weit. Interessant: Neuenhof-Gemeinderat Marco Hürsch meldete sich während der GV zu Wort, lobte die jahrelang hervorragende Arbeit von Präsident Raosa und seinen Vorstandskollegen und fügte hinzu, dass ein Projekt «Marke Karadza» nicht den Vorstellungen des Gemeinderats entspricht.

Mag sein, dass Hürschs klare Worte entscheidend für die Wiederwahl Raosas war. Der grosse Verlierer war aber nicht etwa Stipo Karadza, sondern sein Sohn Domagoj, der innerhalb des Vereins zu einer unerwünschten Person wurde.

Fehlende Wertschätzung im Verein

Etwas salopp ausgedrückt: Der Erfolgstrainer, der viel Zeit und viel Kraft in den FC Neuenhof investierte, fiel von einem Moment auf den andern vom hohen Ross. Sein Trainervertrag, der bis Ende Saison dauerte, wurde aufgelöst. Karadza unterschrieb eine entsprechende Vereinbarung und verzichtete damit auch auf 4000 Franken, die ihm für seine Tätigkeit während der Rückrunde dieser Saison bezahlt worden wären.

«Es ist mir in meinem Trainerjob nie ums Geld gegangen», sagt der 32-jährige Kroate. «Im Gegenteil. Ich habe sogar Geld ausgegeben. Der FC Neuenhof ist seit vielen Jahren mein Verein. Ich bin enttäuscht und frustriert, dass es so weit kommen musste. Von Respekt gegenüber meiner Person kann keine Rede sein. Dass mir die Vereinsverantwortlichen in einer Mitteilung für die erfolgreiche Tätigkeit in den vergangenen zweieinhalb Jahren danken, sagt alles über die Wertschätzung aus. Ich war nämlich nicht nur zweieinhalb, sondern dreieinhalb Jahre Trainer des FC Neuenhof und habe den Klub schon in der ersten Saison von der 4. Liga in die 3. Liga geführt. Das scheinen die Klubverantwortlichen bereits vergessen zu haben.»

«Tuch zerschnitten, Vertrauen kaputt»

Klar ist: Domagoj Karadzas Zeit als Trainer des FC Neuenhof ist abgelaufen. Präsident Raosa spricht Klartext und sagt: «Es tut mir leid für Domagoj. Er war ein Toptrainer, aber jetzt ist das Tuch zerschnitten. Das Vertrauen ist kaputt.»

Wie aber geht es in der Rückrunde dieser Saison weiter? Karadza ist weg. Nach seinem Abgang kommt es zum Totalumbruch. Kein Stein bleibt auf dem andern. Die Spieler der zweiten Mannschaft bilden ab sofort das Kader der ersten Mannschaft.

Labinot Avdyli übernimmt das Traineramt des 3.-Ligisten. Die A-Junioren werden aufgelöst, bilden neu die zweite Mannschaft. «Die ganze Geschichte ist unschön, aber ein Neuanfang war in dieser Situation die beste Lösung», blickt Raosa zurück. «Der Aufstieg in die 2. Liga wird jetzt zwar schwierig, aber unmöglich ist er nicht.»