Orientierungslauf
Eine Reise ans andere Ende der Welt, die hoffen lässt

Der Fricktaler Matthias Kyburz kehrt zurück vom erfolgreichsten Ausflug seiner Karriere. Auf Tasmanien stand er in drei Weltcup-Prüfungen dreimal zuoberst auf dem Podest. Vor der WM im August bleiben dem 24-Jährigen aber noch einige Monate Zeit.

Rainer Sommerhalder
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Matthias Kyburz konnte auf Tasmanien den erfolgreichsten Saisonstart seiner Karriere bejubeln.

Matthias Kyburz konnte auf Tasmanien den erfolgreichsten Saisonstart seiner Karriere bejubeln.

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Fünf Wochen lang war Matthias Kyburz am anderen Ende der Welt. Der 24-jährige Orientierungsläufer aus Möhlin erlebte auf Tasmanien den erfolgreichsten Saisonstart seines Lebens. In drei Weltcup-Prüfungen stand er dreimal auf dem Podest, zweimal zuoberst.

Zum Auftakt gab es ein Jubiläum zu feiern – seinen zehnten Erfolg im Rahmen des Weltcups. Dass dies in einem Sprint-Wettkampf geschah, war alles andere denn Zufall. Bereits achtmal biss sich die internationale Konkurrenz gegen den Weltmeister von 2012 in dieser Disziplin die Zähne aus. Die Dominanz des Biologie-Studenten ging so weit, dass man ihn zum Sprint-Spezialisten abstempelte. Etwas, das Kyburz zunehmend missfiel. Denn der Ritterschlag für einen Orientierungsläufer bleibt ein WM-Titel auf der Langdistanz, jenem traditionellen, beinahe zweistündigen Rennen im Wald.

Seit einiger Zeit darauf hingearbeitet

Und in dieser Disziplin wartete der Fricktaler bis zur Reise nach Tasmanien auf einen Sieg gegen die Weltelite, obwohl ihm alle Experten seit Jahren auch einen solchen Exploit zugetraut hatten. Aber Kyburz scheiterte auf der Langdistanz bisweilen grandios. Erst im Land der Kängurus flitzte der dreifache Gesamtweltcupsieger im Stile eines Tasmanischen Teufels durch den kartentechnisch anspruchsvollen Busch und liess der gesamten Weltelite keinen Stich. «Es ist sicher der wertvollste Sieg, denn ich habe doch seit einiger Zeit darauf hingearbeitet», sagt Kyburz.

Welche Faktoren aber waren verantwortlich, dass der zweifache Weltmeister zu einer solch beneidenswerten Frühform fand? Er habe schon mehrmals gemerkt, dass ihm eine relativ kurze Vorbereitung genüge, um auf ein gutes Niveau zu kommen. Für die Wettkampfhärte sorgten die drei Topleistungen an den Weihnachtsläufen in Bulle, Basel und Zürich. Matthias Kyburz relativiert: «Man kann läuferisch in noch so guter Form sein und dann einen Posten suchen. OL ist halt etwas ganz anderes als ein Strassenlauf.»

WM-Simulation im Berner Oberland

Inzwischen ist Kyburz wieder zurück im wettkampftechnischen Winterschlaf. Der nächste Weltcup folgt erst im Juni, vorerst geht es im Training um den Aufbau der Grundlagen. Auch die WM im August ist zeitlich in weiter Ferne, in Gedanken dennoch bereits präsent. Schliesslich weckt der Premierensieg in Tasmanien Begierden. So möchte sich der Sprint-Spezialist wider Willen an den Titelkämpfen in Schottland auf die Walddisziplinen Mittel, Staffel und Lang fokussieren.

In den Highlands wartet auf die Läufer ein speziell tiefer, physisch äusserst anspruchsvoller Boden. Deshalb braucht es auch unorthodoxe Formen in der Vorbereitung. Kyburz simuliert die WM im Berner Oberland: «Dauerläufe quer durch Gebiete mit Heidelbeersträuchern stehen auf dem Programm.» Kyburz hat recht: OL ist tatsächlich anders.