Der Stolz ist gross im Zürcher Lager. Die Löwinnen bissen sich einzig am favorisierten Tornado Moskau die Zähne aus. Trotzdem haben die Hockeyanerinnen mit ihrem Erfolg eine neue Schweizer Bestmarke im Frauenhockey gesetzt. Mittendrin war auch Melanie Häfliger aus Aarau.

Melanie Häfliger, mit welchen Erwartungen reiste Ihr Team nach Finnland?

Melanie Häfliger: Schwer zu sagen. Ich denke, eher mit Träumen. Wir wollten schon eine Medaille holen, aber die Erwartungen waren in erster Linie, sich für dieses Turnier in Hämeenlinna zu qualifizieren. Mit der Silbermedaille ist für uns ein grosser Traum in Erfüllung gegangen.

Welche Unterschiede sahen Sie zu den anderen Mannschaften?

Die Teams sind auf einem extrem hohen physischen Level und spielen auch taktisch sehr stark. Das ist auch klar, denn in Moskau spielen nur Professionelle, die ihren Lebensunterhalt mit Eishockey verdienen. Die Bundesligisten aus Planegg geniessen professionelle Vorbereitungen und Voraussetzungen. Und die Frauen von Hämeenlinna trainieren neunmal pro Woche. So einen Trainingsaufwand können wir uns in der Schweiz neben Studium oder Arbeit nicht leisten.

Welchen Stellenwert messen Sie diesem Cup bei?

Das ist für mich und den Klub natürlich eine ganz grosse Auszeichnung mit einem sehr hohen Stellenwert.

Welche Erfahrungen konnten Sie sammeln?

Ich habe international an Weltmeisterschaften schon viele Erfahrungen gesammelt. Aber für junge Spielerinnen war dieser Ausland-Einsatz eine wichtige Erfahrung. Sie können sehen, wie hoch das physische Niveau auf internationaler Ebene ist. Es motiviert zusätzlich für das Training, um immer noch besser zu werden.

Kann man dieses Resultat noch toppen?

Ja, toppen heisst Gold. Theoretisch kann man also dieses Resultat noch toppen. Wir haben gegen Moskau, den Sieger des Turniers, nur mit 2:1 verloren. Manchmal herrscht ein schmaler Grat zwischen Sieg und Niederlage. Wenn alles stimmt, ist ein Lucky Punch für den Underdog durchaus möglich. Und träumen darf man immer.

In der Meisterschaft sind Sie mühelos auf Playoff-Final-Kurs. Fühlen Sie sich national überhaupt gefordert?

Auf jeden Fall. Vor allem im mentalen Bereich sind wir jetzt gefordert. Die Strapazen aus Finnland müssen wir physisch wegstecken.

Hat dieses Resultat Auswirkungen im nationalen Eishockey?

Es ist ein grösserer Ansporn. Wir wollen unbedingt Schweizermeister werden, damit wir nächstes Jahr wieder an dem Turnier teilnehmen können.

Was zeichnet die ZSC Frauen aus?

Teamgeist. Ich habe noch nie ein Team erlebt, dass so viel Teamgeist besitzt wie die Lions. Dies war in Hämeenlinna der Schlüssel zum Erfolg.