Analyse
Eine Frage der Verantwortung – wieso der FC Aarau gegen Winterthur verlor

Der FC Aarau hat gestern das Spiel in Winterthur nicht verloren, weil er fussballerisch schlechter war als der Gegner. Es drängt sich die Frage auf, weshalb die Aarauer gegen den Zweitletzten der Challenge League verloren haben? Eine Erkenntnis des gestrigen Fussballabends könnte sein, dass im Vergleich zum FC Winterthur zu viele Spieler des FC Aarau zu wenig Verantwortung übernehmen wollten oder konnten. Nachfolgend einige Beispiele, wie sich das im Spiel gezeigt hatte:

Stefan Salzmann
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Marc Schumacher/freshfocus

Beispiel 1

Wenn Aarau-Goalie Deana einen Rückpass von seinen Verteidigern erhielt und das Spiel nicht mit einem langen Ball in Richtung offensive Mittelfeldspieler oder Sturmspitze lancieren wollte, versuchte er mit einem kurzen Pass den gepflegten Spielaufbau. Nganga war der einzige Verteidiger, welcher sich jeweils als Passoption anbot. Die restlichen Verteidiger – Giger und Lujic wohl wegen ihres Alters und ihrer Unerfahrenheit, Thrier aus nicht bekannten Gründen – boten sich ihrem Torhüter selten als Anspielstation an.

So war die kurze Spielauslösung der Aarauer durchschaubar und diese für Winterthur einfach zu lesen. Und da Nganga mit seiner nicht geliebten Rolle als Innenverteidiger und Ballverteiler weiterhin mehr schlecht als recht zurechtkommt, war ein Ballverlust oder ein ungenaues Zuspiel ins Mittelfeld meistens die direkte Folge. Die Frage drängt sich auf, ob diese eine Variante über Nganga vom Trainerstaff taktisch so vorgegeben war, weil die restlichen Verteidiger (noch) nicht geeignet sind, um passable Ballverteiler zu sein und für Spielauslösungen sorgen zu können.

Beispiel 2

Die beiden Flügelspieler Tasar auf der rechten und Gjorgjev auf der linken Seite verfügen beide über eine ausserordentliche Grundschnelligkeit und eine stupende Technik. Dass die beiden mit ihren Rushes und Dribblings den Aussenverteidigern Knoten in die Beine spielen können, lassen sie immer wieder aufblitzen. Warum tauchen die beiden nach ein paar guten Aktionen aber immer wieder ab?

Enttäuschung bei Arxhend Cani, Igor Nganga, Torhüter Steven Deana und Michael Perrier (Aarau)
12 Bilder
Miguel Peralta, Norman Peyretti, Torhüter Lars Hunn und Torhüter Steven Deana (Aarau) sind nach dem Spiel enttäuscht.
FC Winterthur - FC Aarau (18.05.18)
Varol Tasar (am Boden, Aarau) gegen Nikola Milosavljevic (Winterthur)
Manuel Sutter und Carlos Silvio (Winterthur) gegen Raoul Giger, Pascal Thrier und Torhüter Steven Deana (Aarau)
Der Torschütze zum 1:0 Karim Gazzetta (Winterthur) und das Team jubeln nach dem Tor.
Karim Gazzetta (Winterthur) schiesst gegen Torhüter Steven Deana und Stevan Lujic (Aarau) das Tor zum 1:0.
Pascal Thrier (Aarau) gegen Manuel Sutter (Winterthur)
Manuel Sutter (Winterthur) gegen Raoul Giger und Pascal Thrier (Aarau)
Raoul Giger (Aarau) gegen Kofi Schulz (Winterthur)
Ousmane Doumbia (Winterthur) gegen Raoul Giger (Aarau)
Mats Hammerich (Aarau) gegen Manuel Sutter (Winterthur)

Enttäuschung bei Arxhend Cani, Igor Nganga, Torhüter Steven Deana und Michael Perrier (Aarau)

Marc Schumacher/freshfocus

Warum fordern sie nicht öfters den Ball und bieten sich nicht permanent auf den Flügeln an, um auch den beiden jungen Aarauer Aussenverteidigern (Giger und Lujic) Passoptionen zu bieten und auch Sicherheit zu geben? Eine Erklärung könnte sein, dass die zweifellos ebenfalls noch junge Aarauer Flügelzange noch nicht soweit ist, um ständig Verantwortung auf dem Feld übernehmen zu können. Keine Lust den Ball am Fuss zu haben, wird bei diesen technisch versierten Spielern nicht der Grund sein.

Beispiel 3

Mitte der zweiten Hälfte agierten die beiden jungen Aussenverteidiger, Giger und Lujic, etwas gar offensiv und ungestüm. So entstanden auf beiden Seite immer wieder viele Räume für gegnerische Konter. Dass weder die altersmässig routinierte Aarauer Innenverteidigung, noch Mittelfeldstratege Perrier nach mehreren solcher Aktionen lautstark eingriff und die Jungspunde an die Leine nahm, war überraschend. Und dennoch vielleicht damit zu erklären, dass diese Spieler in diesem Moment auch zu sehr mit ihrem eigenen Spiel beschäftigt waren.

Im Hinblick auf die Zusammenstellung der neuen Mannschaft sind Sportchef Sandro Burki und Trainer Patrick Rahmen gut beraten nicht nur gutes fussballerisches Potenzial ins Brügglifeld zu holen, sondern vor allem auch Spieler, welche trotz der eigenen Leistung genug Souveränität auf dem Feld ausstrahlen. Und damit auch junge, unerfahrene Spieler unterstützen und mitziehen können.

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