Die Bilanz liest sich wahrlich nicht schlecht: 2015 steigt der FC Klingnau zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die 2. Liga Aargau auf. Als Aufsteiger beendet der Klub die Saison sogleich auf Rang drei und gewinnt den Aargauer Cup – auch das ist eine Premiere. In den folgenden Spielzeiten wird Klingnau in der Meisterschaft zweimal Zweiter und gewinnt 2018 noch einmal den Cup. Ende der vergangenen Saison wird der Aufstieg in die 2. Liga interregional dann Tatsache.

Einer der Baumeister er Erfolge ist Präsident Roger Meier. Er steckt wie die Mannschaft noch mitten in den Vorbereitungen für die Saison, als er uns in seiner Firma zum Gespräch empfängt. Hinter seinem Schreibtisch stehen drei Pokale. Die Cup-Trophäen von 2016 und 2018 sowie der Meisterpokal von 2019.

Warum aber stehen die Pokale nicht im Klubhaus, wie es üblich ist? Die Antwort ist einfach, aber traurig: Der FC Klingnau hat keine solche Einrichtung. Auf der Sportanlage Grie gibt es kein Klubhaus, sondern nur einen Fussballplatz, eine kleine Beiz und den Materialraum. Zurzeit prüft die Stadt, ob im Gebiet Grie neue Sportplätze – unter anderem auch für den Reitverein und die Bogenschützen – errichtet werden könnten. Roger Meier würde sich über einen neuen Platz freuen, denn er sagt: «Mit nur einem Spielfeld stossen wir an die Kapazitätsgrenzen. Es wird eine Herausforderung, den Spielbetrieb so durchzubringen.»

Sich verstecken, ist keine Option

Trotz aller Schwierigkeiten, die vor allem die Infrastruktur betreffen, blickt der Präsident der Saison zuversichtlich entgegen. Der FC Klingnau spielt zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in der 2. Liga interregional. Nach vier Saisons in der Aargauer 2. Liga hat es am Ende der vergangenen Saison für den Aufstieg gereicht. Fünf Punkte Vorsprung wies Klingnau auf Kölliken auf – und dies, obwohl der Klub einmal zehn Punkte Rückstand hatte. In der Rückrunde notabene!

Neuer Cheftrainer in Klingnau ist Gianluca Pasanisi, ein gebürtiger Berner. Dass Danijel Kovacevic, der ehemalige Stürmer des FC Baden, nach zweieinhalb Saisons nicht mehr an der Seitenlinie stehen würde, wurde bereits in der Rückrunde der vergangenen Sasion kommuniziert.

Pasanisi verfügt über grosses Fachwissen, war unter anderem auch schon Assistenztrainer in der NLA bei den Frauen des Grasshopper Club Zürich. Er will mit seiner Mannschaft nicht nur den Abstieg verhindern, sondern sogleich im vorderen Mittelfeld landen. Präsident Meier sagt: «Ich bin von der Qualität unserer Mannschaft überzeugt und glaube fest daran, dass wir uns an einem Mittelfeldplatz orientieren können.»

Die Eagles Aarau dienen als Vorbild, wie es gehen könnte

Ein Beispiel nimmt man sich im Zurzibiet unter anderem am FC Eagles Aarau, der in seiner ersten Saison in der überregionalen 2. Liga sogleich auf Platz drei gelandet ist. Und beim Rivalen traut man dem FC Klingnau zu, ähnlich erfolgreich als Aufsteiger zu agieren. Eagles-Aarau-Präsident Faton Gashi sagt: «Mit dem zweimaligen Gewinn des Cups und den starken vorherigen Saisons, hat der FC Klingnau deutlich gezeigt, dass er in die 2. Liga inter gehört.» Die Eagles werden die Klingnauer nicht unterschätzen. «Wir freuen uns auf die Derbys.»

Apropos Derby: Ein Spieler des FC Klingnau steht vor zwei besonderen Duellen mit einem Aargauer Ligakonkurrenten: Shqiprim Thaqaj. Der routinierte Stürmer spielte drei Saisons beim FC Muri , als dieser noch in der 1. Liga spielte. Thaqaj freut sich darum bereits auf die Duelle mit Muri, gerade weil er zu vielen Menschen im Verein noch gute Beziehungen pflegt. «Verteidiger Sandro Streuli kenne ich, seit ich 14 Jahre alt bin. Und auch den Hauptsponsor und die Leute im Beizli kenne ich gut. Ich werde wohl schon vor unserer offiziellen Besammlungszeit vor Ort sein und mich mit vielen unterhalten.»

Das besondere Spiel steht für Thaqaj und seine Klingnauer Teamkollegen bereits bald auf dem Programm. Schon am zweiten Spieltag, am 20. August treffen die Zurzibieter auswärts auf den Freiämter Verein.

Einen ersten Test der Konkurrenzfähigkeit absolvierte Klingnau gleich zum Auftakt. Gegen Freienbach aus dem Kanton Schwyz, in der Vorsaison auf Rang zwei klassiert, schlugen sich die Aargauer beachtlich, verloren aber mit 0:2.