Momentan verbindet man mit dem Schweizer Turnsport einen Namen: Giulia Steingruber. An der Team-Europameisterschaft der Elite von nächster Woche reicht ihr Talent alleine aber nicht aus, um erfolgreich zu sein. Dann ist sie auf die Mithilfe der anderen Schweizer Teammitglieder angewiesen.

Eine davon ist Laura Schulte aus Stein. Die Athletin des Kutu Stein-Fricktal, die im April ihren 17. Geburtstag feierte, darf zum zweiten Mal in ihrer jungen Karriere an einer Elite-Europameisterschaft teilnehmen. Aufkommende Nervosität verspürt sie allerdings noch keine. «Das kommt sicher kurz vor dem Wettkampf. Für diesen Fall habe ich Tipps von unserem Mentaltrainer erhalten», sagt Schulte.

Optimale Vorbereitung

Vorgestern ist die Fricktalerin gemeinsam mit dem Nationalteam in die bulgarische Hauptstadt Sofia gereist, um sich optimal auf den bevorstehenden Anlass vorzubereiten. Welche Geräte Schulte turnen wird, weiss sie derzeit noch nicht. «Das wird sich im Podiumstraining vom nächsten Dienstag, also im Training in der Wettkampfhalle, zeigen. Giulia wird sicher jedes Gerät turnen, bei den anderen kommt es darauf an, wer bei den Übungen stabil ist und wer nicht», erklärt die 17-Jährige.

Ab Donnerstag gilt es für die Schweizer Kaderathleten ernst. Dann nämlich finden die Qualifikation im Team-Wettkampf, sowie die Gerätefinalqualifikationen statt. «Mit dem Team wollen wir in den Final. Was die Einzelwertung betrifft, kann ich keine Vorhersagen treffen. Ich möchte unser Team so gut wie möglich unterstützen», so Schulte.

Steingruber als Vorbild

In diesem Jahr setzte die Schülerin am Challenge Cup in Doha (Quatar) bereits ein erstes Ausrufezeichen. «Der dritte Platz am Stufenbarren kam für mich überraschend. Das Niveau an der EM wird aber nochmals höher sein, deshalb ist das Resultat in Doha nicht sehr aussagekräftig», gibt sich Schulte bescheiden.

Die mehrfache Junioren-Schweizermeisterin trainiert von Montag bis Samstag im nationalen Leistungszentrum in Magglingen – insgesamt 25 Stunden. Gleichzeitig besucht die Aargauerin die Wirtschaftsmittelschule in Biel und wohnt bei einer Gastfamilie. «Die Schule dauert allerdings doppelt so lange, damit wir genügend Zeit zum Trainieren haben.»

Das Trainingspensum hat sich im Vorfeld der EM nicht verändert. Dies, obwohl die Fricktalerin an der EM zum ersten Mal eine neue Akro-Übung am Boden zeigen wird. Druck verspürt die junge Turnerin deshalb keinen. Auch nicht, wenn man bedenkt, dass ihr Idol, Giulia Steingruber, bereits mit 18 Jahren an der EM in Brüssel die Bronzemedaille gewonnen hat: «Sie hat ein höheres Niveau. Ich kann viel von ihr lernen und sie kann mir im Training Tipps geben. Ich nehme einfach alles, wie es kommt. Mein Ziel ist es, stabil zu turnen.»

Keine Wetten abschliessen

Vor einem Jahr konnte Schulte an der Einzel-EM zum ersten Mal internationale Erfahrungen bei der Elite sammeln. Resultatmässig konnte sie erwartungsgemäss nicht um die Spitzenplätze mitreden. Seither hat sie wichtige Fortschritte erzielt und neue Elemente in ihr Programm eingebaut.

Auf sich wetten, würde die 17-Jährige aber trotzdem nicht. «Ich weiss nicht, ob ich mithalten kann. Ich hoffe aber, dass wir mit dem Team unter die besten acht kommen und den Final erreichen. Ich will diese EM geniessen.»