«2014 findet die Leichtathletik-EM in Zürich statt, da will ich unbedingt mit dabei sein. Und natürlich ist da noch der Traum von der Olympia-Teilnahme», sagte Christopher Ullmann selbstbewusst vor drei Jahren. Heute resümiert der 21-jährige Weitspringer von den Old Boys Basel, dass zumindest die vergangenen zwei Jahre nicht optimal gelaufen seien.

«Ich konnte meine gute Form vom Hallentraining im Sommer jeweils nicht abrufen», sagt Ullmann. Probleme bereitete ihm vor allem die höhere Anlaufgeschwindigkeit, die er im Winter stetig verbessert hat. «Wir haben viel an der Beschleunigung und dem richtigen Absprungtiming gefeilt», sagt der in Stein wohnhafte Ullmann.

Erfolgreicher Trainer

Zur Seite steht Ullmann der Russe Anatoly Gordienko. Dieser gilt als erfolgreichster Sprungtrainer in der Schweiz und trainiert unter anderem auch den Arlesheimer Stabhochspringer Marquis Richards. «Die richtige Einstellung, den nötigen Durchhaltewillen und das Talent hat Christopher allemal.

Nun gilt es, die wichtigen anatomischen und physiologischen Attribute gezielt zu fördern. Das beste Alter für Weitspringer ist zwischen 26 und 28 Jahren», sagt der russische Spitzentrainer, der Ullmann seit nunmehr fünf Jahren trainiert. In dieser Zeit hat er sich von unter 6 auf 7,69 Meter verbessert.

U23-Rekord am Heimmeeting

7,69 Meter sprang Ullmann vor zwei Wochen am Meeting in Basel. Er verbesserte damit den über zwanzig Jahre alten U23-Hallenrekord um zehn Zentimeter. Die Limite für die Hallen-EM der Elite verpasste er um einen einzigen Zentimeter. Zum Vergleich: Der 27-jährige Rheintaler Yves Zellweger scheiterte an der EM in Zürich in der Qualifikation als 18. mit 7,64 Metern. Ullmanns Bestweite im Freien liegt bei 7,59 Metern.

Euphorisch werden Trainer und Schützling durch diesen Erfolg dennoch nicht. «Für mich ist der Rekord keine Überraschung. Er ist die logische Konsequenz einer normalen Entwicklung», sagt der erfahrene Gordienko. Ullmanns kurzfristiges Ziel ist es, erstmals die Limite für einen internationalen Grossanlass zu überbieten. An der Hallen-EM in Prag (6. bis 8. März) will Ullmann unbedingt mit dabei sein. In den kommenden Wochen wird er jedes Wochenende im Einsatz stehen, um sich um den geforderten Zentimeter zu verbessern.

Gestiegene Zuversicht

Nach den Rückschlägen der letzten zwei Jahre ist nun auch die Zuversicht gestiegen, dass er seine Form endlich auch im Sommer abrufen kann. «Die technischen Sprungdisziplinen sind wie ein Raum, in den vieles hineinfliesst», sagt Gordienko. Damit dieser Raum bei Ullmann bald mit Erfolgen an internationalen Grossanlässen gefüllt wird, trainiert er im Winter vier bis fünf und im Sommer acht bis zehn Mal pro Woche. Der Schwerpunkt wird dabei auf die Schnellkraft und die Reaktion gelegt, denn «den Start und den Absprung verschlafe ich manchmal».

Verschlafen sollte Ullmann den möglichen Zwischenhalt in Prag nicht, denn dann könnten im nächsten Sommer die Olympischen Spiele in Rio warten. «Soweit denke ich noch nicht», sagt Ullmann, auch wenn sein Trainer die Qualifikation nicht als unmöglich einschätzt. «Wichtig ist, dass ich in naher Zukunft konstant über 8 Meter springen kann», sagt Ullmann, wobei er die Konstanz sehr betont. «Es bringt nichts, wenn man sich mit einem ‹Ausrutscher› für einen Grossanlass qualifiziert, diese Leistung dann aber nie wieder abrufen kann.»