Handball-Cup

Ein Wiedersehen ohne Geschenke: Trainer Zoltan Cordas vermöbelt mit St. Otmar St. Gallen seinen Ex-Klub Möhlin

Von 2015 bis 2018 war Zoltan Cordas Trainer beim TV Möhlin. Mittlerweile coacht der Österreicher den NLA-Klub St. Otmar St. Gallen. Im Achtelfinale des Schweizer Cups trafen die beiden Vereine aufeinander. Der TV Möhlin verlor deutlich mit 19:34.

Sie nennen ihn Trainer, obwohl er schon lange nicht mehr ihr Trainer ist. Sie frotzeln, klopfen sich auf die Schultern und er­zählen Geschichten von früher, die jeder schon kennt, die aber jeder gerne wieder und wieder hört. Sie schiessen Erinnerungsfotos für Facebook und Instagram. Am Mittwochabend spielte der TV Möhlin im Achtelfinal des Schweizer Cups gegen den TSV St. Otmar St. Gallen. National­liga B gegen A, der berühmte David gegen den Goliath. Es wurde klar und deutlich: 19:34. Die eigentliche Attraktion war ohnehin Rückkehrer Zoltan Cordas.

Drei Jahre trainierte er hier die Mannschaft von Möhlin. Der Österreicher kam an – mit seiner frechen Art und mit dem Handball, den er auf der Platte spielen liess. Das ist zwei Jahre her. Seither ist einiges passiert, jetzt steht Cordas in St. Gallen an der Seitenlinie.

Zu Beginn war der Favorit nervöser, als er sein müsste

Bei aller Liebe: Man merkte, dass Cordas gegen den alten Klub keine Geschenke verteilen wollte. Die Besten, die er zur Verfügung hat, die spielten auch. Und trotzdem waren die St. Galler zu Beginn nervöser, als sie es sein müssten. Doch im Cup, das wissen auch die Möhliner, ist immer etwas zu holen. Der Aussenseiter begann forsch, er spielte vif und warf scharf, wenn auch nicht immer ganz präzise. Nach zwölf Minuten hiess es 7:7. Zoltan Cordas kratzte sich genervt am Kopf.

Danach schien es, als würden die St. Galler ihrem Status gerecht werden. Beim Team mit den vielen Hünen im Kader überzeugte in der ersten Hälfte vor allem einer, der gar nicht mal so hünenhaft daher kommt: Severin Kaiser, der linke Flügel, zog ein ums andere Mal davon. Sein Bruder Sebastian spielte auf der Gegenseite bei Möhlin. Er hatte im Angriff weitaus weniger Glück.

Und so nahm das Spiel in der zweiten Halbzeit eben jenen Verlauf, den so viele dieser Partien nehmen, wenn die Voraussetzungen ungleich verteilt sind. Beim Favoriten klappte zwar nicht alles, aber doch sehr viel. Beim Unterlegenen schwanden die Kräfte.

Klar, der TV Möhlin liess es ein paar Mal herrlich scheppern, die Tore waren schön, die 320 Zuschauer hatten ihre Freude. Doch 15 Minuten vor dem Ende, es stand 15:26, musste Samir Sarac aufpassen, dass man sich hier nicht unter Wert verkaufte. Möhlins Coach, seit dieser Saison im Amt, ahnte schon vor dem Spiel, dass es kompliziert werden würde. Nicht sehr viel Zeit zum Trainieren hätten sie gehabt, sagte er, bei der Qualität des Gegners nicht gerade angenehm. Die 60 Minuten bestätigten Saracs Vorahnung.

Die Tribüne bedachte den Rückkehrer mit Applaus

Zufriedener wirkte da schon Zoltan Cordas. Das Spiel verbrachte er noch weitgehend mit verschränkten Armen und angestrengtem Blick. Erst nach Spielschluss wurden die Augen freundlicher und das Lächeln milder. «Es war schön, zurückzukommen», sagte Cordas. Die Tribüne bedachte ihn mit warmem Applaus, Cordas bedankte sich, winkte nach oben und übte sich später in Bescheidenheit: «Das zeigt, dass ich halbwegs gute Arbeit geleistet habe.»

Der Mann für emotionale Reden war Cordas noch nie, auch dieses Mal hielt er sich knapp. Und doch liess er durchblicken, dass der Cup-Abend im Steinli für ihn kein Abend wie jeder andere war. «Die drei Jahre hier», sagte er und legte eine kleine Kunstpause ein: «Die kannst du nicht einfach ausradieren. Das ist etwas, das bleibt.»

Sie haben die Partie verpasst? Schauen Sie sie sich hier in der Aufzeichnung des Livestreams an:

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