Gut gesagt, André Richner! Mehr noch. Der 51-jährige Unternehmer trifft den Nagel auf den Kopf. Meier ist tatsächlich ein Fussballverrückter. Ohne ihn lief beim FC Wohlen lange Zeit nichts. Ob Trainersuche, Spielerzuzüge und -abgänge, Finanzen und Infrastruktur: Meier hatte in den vergangenen 33 Jahren immer das letzte Wort. Und so gab es zwischen 1985 und 2018 zwei Gesetze. Gesetz Nummer eins: René Meier hat recht. Gesetz Nummer zwei: Hat René Meier einmal nicht recht, tritt Gesetz Nummer eins in Kraft.

René Meier hatte in den letzten Jahren das letzte Wort

René Meier hatte in den letzten Jahren das letzte Wort

Mit Richner als Teil der neuen Maschineriewird das anders. Richner ist zwar von Amteswegen der Chef der AG, aber er scheut sich nicht davor zu delegieren. «Der Vorstand und der designierte Verwaltungsrat sind künftig verantwortlich, dass der Karren läuft», erklärt er. «Die Trainerfrage und die Zusammenstellung des Kaders überlasse ich allerdings der Sport-Kommission mit dem früheren Spieler Adrian Meyer an der Spitze. Aber es geht nicht nur um den sportlichen, sondern auch um den finanziellen Bereich. Dank unseren Beziehungen und unserem Netzwerk werden wir versuchen, die bestehenden Sponsoren zu halten und neue zu generieren.»

Richner geht nach grober Schätzung davon aus, dass das Budget der Saison 2018/19für die Mannschaft in der Promotion League und die Juniorenabteilung im höheren sechsstelligen Bereich liegt. Zahlen hin, Zahlen her; viel interessanter ist: Wer ist dieser André Richner, der im letzten Moment mithilfe seiner Kollegen den sportlichen Absturz des FC Wohlen in die 2. Liga verhindert? Wer ist der Mann, der nach 35 Jahren die Hierarchie des Klubs auf den Kopf stellt, obwohl er vor wenigen Wochen nicht mal im Traum daran gedacht hat, das Präsidium des neuen Verwaltungsrats zu übernehmen?

Die wichtigste Voraussetzung für das Amt des Verwaltungsratspräsidenten bringtRichner mit. Er ist ein waschechter Wohler.Er kennt die Leute. Und die Leute kennen ihn. Der kleine André wuchs mit zwei Brüdern und einer Schwester in einer Viereinhalb-Zimmer-Wohnung an der Friedhofstrasse 19 auf. Vater Kurt, heute 79 Jahre alt, war Betriebsleiter der Firma Blachotex in Hägglingen und gründete 1988 die Firma Richner Blachen, Buchs/Aarau.

André absolvierte nach der Primar- und Bezirksschule eine dreijährige KV-Lehre. Anschliessend liess er sich zum Buchhalter ausbilden. Im zarten Alter von 19 Jahren war Richner als Steueramtsvorsteher in Stetten tätig. 1996 übernahm er das Geschäft seines Vaters in eigener Regie. Heute ist Richner Mitbesitzer und VR-Präsident der Richnerstutz AG. Zudem betreibt er eine Zelt-Vermietung in Rothenburg. Seit kurzer Zeit ist er mit seiner Firma an einem innovativen Unternehmen für Software-Entwicklung in Stuttgart beteiligt.

Fussball statt Radsport

Richner ist verheiratet mit Barbara und Vater der drei Söhne Joël (19), Fabian (18) und Olivier (16). Die drei sind Fussball-Fans. Obwohl André Richners Leidenschaft von Kindsbeinen dem Radsport gehörte, er ein erfolgreicher Amateur war und zudem seit Jahren Vorstandsmitglied und Kassier des Veloclubs Wohlen ist, musste er sich wegen seiner Familie in den vergangenen Jahren je länger, je mehr mit Fussball beschäftigen.

Dass er sich im Mai zum Verwaltungsratspräsidenten des FC Wohlen wählen lässt, hat vor allem einen Grund. «Der FC Wohlen hat eine gut funktionierende Nachwuchsabteilung», sagt er. «Ich möchtenicht, dass diese Einrichtung mit 350 Junioren den Bach runter geht.» Um dieses Ziel zu erreichen, ist Richner bereit, Verantwortung zu übernehmen und einen Teil seiner Freizeit zu opfern. Er freut sich auf die Herausforderung und ist mit Sicherheit der richtige Mann an der Spitze. «Dass ich in den vergangenen Jahren ein unternehmerisches Gespür entwickelt habe, ist für das Amt des Präsidenten sicher von Vorteil», sagt er. «Ich möchte aber eines festhalten: Ich will beim FC Wohlen keine One-Man-Show.»