Snowboard
Ein verlorenes Jahr mit positivem Effekt - und ein grosser Traum am Horizont

Die Ennetbadenerin Berenice Wicki musste fast ein Jahr auf einen Wettkampfeinsatz warten. Am Weltcup in Laax stürzte die Freestyle-Snowboarderin zweimal. Doch die Perspektive, Chancen auf eine Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Peking zu haben, beflügelt ihre Moral - trotz schwierigen Umständen.

Marcel Kuchta
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In Laax lief es Berenice Wicki nicht wie gewünscht: Sie stürzte zweimal.

In Laax lief es Berenice Wicki nicht wie gewünscht: Sie stürzte zweimal.

Claudio De Capitani/freshfocus

Es gibt für Sportler kaum etwas Schlimmeres, als sich während längerer Zeit nicht mit der Konkurrenz messen zu dürfen. In Coronazeiten wird die Geduld der Athleten mitunter arg strapaziert. Zum Beispiel auch jene von Berenice Wicki, Freestyle-Snowboarderin aus Ennetbaden. Vom 26. Januar 2020 bis am 23. Januar 2021 dauerte die Wettkampfpause der 18-Jährigen. Also fast exakt ein Jahr lang war mehr oder weniger Training, Training und nochmals Training angesagt - ohne die geliebte Wettkampf-Luft schnuppern zu dürfen.

Für die Aargauerin war die Pause aber auf eine Art auch Gold wert. In ihrer noch jungen Karriere musste sich die Junioren-Weltmeisterin von 2017 bereits mit zwei schwerwiegenden Lendenwirbel-Verletzungen auseinandersetzen. Nun konnte sie ihren Körper mal über einen längeren Zeitraum richtig heilen lassen, aber auch stärken für die zukünftigen Aufgaben. Wicki verbrachte viel Zeit in ihrer Heimat und profitierte gleichzeitig von der Behandlung durch ihre Mutter, die Physiotherapeutin ist. «Ich konnte die Rumpfmuskulatur im Bereich der Lendenwirbel stärken», erzählt Berenice Wicki, die sich entsprechend wieder deutlich wohler fühlt auf ihrem Snowboard.

Am 21. Januar 2020 gewann Berenice Wicki an der Jugend-Olympiade in Lausanne die Bronze-Medaille.

Am 21. Januar 2020 gewann Berenice Wicki an der Jugend-Olympiade in Lausanne die Bronze-Medaille.

Gabriel Monnet / KEYSTONE

Rückkehr mit gemischten Gefühlen

Ende der vergangenen Woche war es nach der langen Geduldsprobe dann endlich soweit: Berenice Wicki stand wieder mal, mit einer Startnummer versehen, oben an der Halfpipe - wenn auch mit gemischten Gefühlen: «Einerseits freute ich mich riesig darauf, mal wieder einen Wettkampf bestreiten zu dürfen. Auf der anderen Seite vermisst man nach einer so langen Pause schon ein wenig die Routine», erzählt die Aargauerin, die seit ein paar Jahren in Davos lebt und trainiert, aber bei Gelegenheit gerne jeweils wieder zurück ins Unterland zu den Eltern heimkehrt.

Zwei Läufe, zwei Stürze

Kam erschwerend dazu: In den Tagen vor dem Weltcup in Laax plagte Berenice Wicki eine Erkältung, die natürlich auch noch mehrere Corona-Tests provozierte, welche aber glücklicherweise alle negativ ausfielen. Immerhin blieb ihr so der Super-GAU erspart, dass sie gar nicht hätte am Wettkampf teilnehmen dürfen. Die beiden Halbfinal-Läufe selbst liefen dann allerdings nicht so, wie sie sich Wicki aufgrund ihrer positiven Trainingseindrücke erhofft hatte. Sie stürzte zweimal und landete in der Rangliste auf dem vorletzten Platz.

Was, also, nimmt man mit aus so einem Wettkampf? «Ich versuche immer, die positiven Aspekte zu sehen», erzählt Wicki. «Ich habe in den Tagen in Laax gesehen, dass ich mich punkto fahrerischem Können schon sehr verbessert habe im Vergleich zum Vorjahr. Und ich denke, dass der Finaleinzug bei so einem Anlass in naher Zukunft realistisch sein kann.»

Berenice Wicki hat schliesslich ein grosses Ziel vor Augen: Die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Peking, welche in etwas mehr als einem Jahr bereits über die Bühne gehen werden. Der Weg dorthin ist noch ein weiter. Zumal derzeit überhaupt niemand weiss, ob und wie die laufende Saison weitergeht. «Es ist sehr schwierig einzuschätzen, was noch stattfindet. Es wurden quasi alle Wettkämpfe abgesagt, auch die WM», erklärt die Snowboarderin.

Die Olympia-Teilnahme soll nicht nur ein Traum bleiben

Ebenso im Dunklen tappen die Athleten entsprechend punkto Qualifikationskriterien. «Es ist hart, wenn man keine Gelegenheiten hat, sich für Olympia zu qualifizieren», sagt Berenice Wicki und fügt an: «Normalerweise hat man als Sportler konkrete Ziele, die man erreichen muss und will. Das fehlt bei uns momentan komplett.»

Es bleibt also nichts anderes übrig, als wieder zu trainieren, trainieren und nochmal zu trainieren. «Ich werden versuchen, einige neue Tricks zu erlernen, damit ich den Sprung an die Weltspitze schaffen kann», erzählt Wicki. Peking soll schliesslich nicht nur ein Traum bleiben, sondern zur Realität werden.