Schwimmen
Ein Überraschungs-Ei und ein Final-Anwärter rüsten sich für die EM

David Karasek (26) und Yannick Käser (22) starten nächste Woche an der EM in Berlin. Aufgrund der letzten Wochen mit etwas unterschiedlichen Ambitionen.

Michael Schenk
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Yannick Käser.

Yannick Käser.

KEYSTONE

Nach den Olympischen Spielen 2012 in London, als er auf seiner Paradestrecke, den 200 m Brust, mit einer Zeit deutlich über seiner Bestmarke «nur» den 24. Rang erreichte, ist Yannick Käser in die USA disloziert. «Ich hatte damals die Wahl in Zürich an der ETH ein Studium zu beginnen oder den Schritt in die USA zu wagen.» Seit zwei Jahren studiert (Marketing/Management) und trainiert der Mumpfer derlei jetzt im US-Bundesstaat Virginia, in Charlottesville. «Ich habe da eine starke Trainingsgruppe und kann Sport und Studium ideal kombinieren», sagt der 22-Jährige. Einziger kleiner Nachteil sei das viele Training auf der Yard-Bahn (22,8 m).

Letzter Schliff in Tenero

Ein Top-Brustschwimmer wie Käser ist da praktisch ständig am Wenden. Zu mehr als drei, vier Zügen pro Bahn reicht es definitiv nicht. Aber: «Ich fühle mit gut», hält der Mann aus dem Bezirk Rheinfelden im Hinblick auf die nächste Woche anstehende EM in Berlin fest. Seit Mai weilt Käser jetzt in der Schweiz und holt sich da derzeit zusammen mit seinen Nati-Kolleginnen und -Kollegen in Tenero den letzten Schliff. Sein Ziel für Berlin ist ganz klar: «Ich möchte schon in einen Final schwimmen», sagt Käser. Zumal ihm dies vor zwei Jahren, an der EM in Debrecen, über 200 m Brust (7. Rang) schon einmal geglückt ist. Freilich wies das Teilnehmerfeld damals aufgrund der unmittelbar folgenden Olympischen Spiele einige Lücken auf. «Diesmal wird alles am Start sein, was Rang und Namen hat», so Käser.

Final in Reichweite

Nichtsdesto trotz braucht sich der 200 m-Rekordhalter vor Europas Elite nicht zu verstecken. Gelingt es ihm, seine Bestzeiten zu toppen (1:02,20/100 m und 2:12,09/200 m), was absolut Käsers Ansinnen entspricht, dann liegt der Final der Top-8 jederzeit drin. Merke: Der Schweizerrekord über 100 m Brust stammt nach wie vor von Remo Lütolf aus dem Jahre 2000. Also sogar noch von vor der Gummianzug-Ära, die ja bekanntlich eine Flutwelle an Rekorden zeitigte. Der St. Galler Rheintaler schwamm damals im Olympia-Final von Sydney 1:01,81 und erreichte damit Rang 8. «Es wäre schon langsam an der Zeit, diese Marke zu verbessern», räumt Käser zurecht ein.

Als Neo-Banker im Einsatz

«Eine Katastrophe wird es ganz bestimmt nicht» – so blickt David Karasek der EM in Berlin entgegen. Aber trotzdem: «Ein gewisses Überraschungspotenzial ist da.» Seit Juni arbeitet der 26-jährige Meisterschwandner 60 Prozent in der Bank Julius Bär in Zürich und kümmert sich da um gute Anlagevarianten für gut betuchte Kunden. «Ich habe einen super Boss und mir gefällt die Arbeit ausgezeichnet», sagt er. Wie sich freilich die Umstellung mit regelmässiger Arbeit auf seine unmittelbare Wettkampf-Leistung auswirkt, wird sich weisen. Karasak, Rekordhalter über 200 m Lagen, verzichtet darum an der EM in Deutschlands Hauptstadt auf seine eigentlich bevorzugten Lagen-Strecken und startet «nur» über die Crawl-Distanzen. Freilich hat er auch da sein Potenzial schon bewiesen – namentlich auf der Königsdistanz, den 200 m. «Ich habe auch während der RS bis Mitte März vor allem Crawl trainiert, darum macht das Sinn.» So gut wie möglich performen «und ein gutes Gefühl holen, wenn es dann nächstes Jahr an der WM um die Olympia-Tickets geht», lautet derle Davidi Karaseks EM-Motto.