Wie war es, dein langersehntes, erstes Heimspiel vergangenen Mittwoch mit dem HSC Suhr Aarau gegen Pfadi Winterthur im Hexenkessel Schachenhalle?

Dario Ferrante: «Es war der Hammer. Eine super Stimmung, und ein super Gefühl, bei jedem Torerfolg und jeder Parade so bejubelt zu werden. Die Halle bebt in diesen Momenten förmlich und wir nehmen den gestrigen Punkt gerne mit. Das Spiel hat alles geboten, schade konnten wir nicht beide Punkte gewinnen, aber ich bin sehr zufrieden mit dem Einstand. Wenn wir diesen Kampf und diese gemeinsame Leidenschaft mit in den weiteren Verlauf der Saison nehmen, haben wir mehr gewonnen als diesen einen Punkt.»

Wie gross war die Vorfreude darauf und hat das Spiel bzw. die Schachenhalle deine Erwartungen erfüllt?

«Sehr gross natürlich. Dazu kam eine gehörige Portion Nervosität, ein gesundes Kribbeln – gar etwas mehr als sonst. Es war ein tolles erstes Spiel für meinen neuen Verein, vielleicht mit dem kleinen Makel, nur einen Punkt geholt zu haben. Wie wir dabei als Team funktioniert haben hat uns alle wohl am meisten geprägt.»

Nach zehn gespielten Minuten wurdest du eingewechselt und hast Marvin Lier sogleich den ersten Siebenmeter der Partie abgekauft – wie wertvoll war diese Parade für dich im Hinblick auf den weiteren Verlauf der Partie?

«Es war eine der Schlüsselszenen des Spiels mit Signalwirkung ans ganze Team, dass auch wir von der Bank bereit sind. Mir gab es natürlich zudem Sicherheit, der Tipp von Goalietrainer Mani Aebi hat sich dabei bewahrheitet und ich durfte so früh und erfolgreich Anteil am Spiel nehmen.»

Der Auftakt war ohnehin furios, sieben Minuten seid ihr zu Beginn ohne Gegentor geblieben, habt 5:1 und 6:2 nach einem Viertel der Partie geführt…

«Die Startphase verlief sicherlich genau nach unseren Vorstellungen. Wir haben das Topteam Pfadi Winterthur damit gezwungen, umzustellen. Sie fanden schlicht keine Lösungen gegen unsere Defensive. Dahinter hielt Mihailo Radovanovic zudem stark. Vorne waren sicherlich auch Einzelaktionen dabei, diese wären so über die gesamte Spielzeit sicherlich nicht umsetzbar gewesen, aber es wäre spannend gewesen, was passiert wäre, wenn Pfadi nicht hätte zum Mittel des siebten Feldspielers greifen können.»

Dann kam Pfadi auf, glich innert neun Minuten zum 6:6 aus, führte zur Pause knapp mit 8:9 und erwischte leider auch noch den besseren Start in den zweiten Durchgang…

«das war eine schwierige Phase für uns – wir liegen zur Pause unglücklich mit einem Tor zurück, anstatt dass wir mit einem führen. Vielleicht waren dies zu Beginn der zweiten Hälfte noch die Nachwehen dieses Schocks, die wir da zu verkraften hatten. Wir wussten aber auch, dass wir dran sind und waren uns gefühlt wohl auch etwas zu sicher dadurch.»

Die Gäste agierten früh und viel mit dem Mittel des siebten Feldspielers – ein Zeichen für eure starke Abwehrarbeit?

«Das realisierst du als Team meist erst im Nachhinein so richtig – aber klar ist es eine Bestätigung für unsere Defensivarbeit, in die wir viel investieren. Das dürfen wir auch gerne mitnehmen, aber wie Misha Kaufmann immer sagt, ist die Zufriedenheit unser grösster Feind. Unser Anspruch muss vielmehr sein, wie wir es nun entsprechend gemeinsam schaffen, im Spiel 7 gegen 6 noch besser zu werden.»

Das Risiko, das Pfadi damit nahm, ermöglichte es euch gar zwei Mal ins leere Tor einzunetzen. Du hast nach dem 16:20-Rückstand 5 Minuten vor Schluss mit deinem Treffer die Aufholjagd lanciert, war dies dein erstes Tor als Torhüter?

«Ich hab schon ein paar Mal probiert und auch schon getroffen, aber noch nie in der Nationalliga A. Ich bin sicherlich nicht der beste Schütze und denke nicht, dass ich nun regelmässig treffen werde.» (lacht)

Feldspieler die erstmals treffen zahlen danach einen sogenannten «Einstand» - blüht dir dies als Torhüter nun ebenfalls?

«Ich nehme an hier herrscht absolute Gleichberechtigung und ich bringe entsprechend gerne einen doppelten Einstand für meinen ersten Einsatz und für meinen ersten Treffer im HSC-Dress. Andere trifft es aber auch – Timothy Reichmuth beispielsweise hat zusätzlich auch noch sein allererstes Spiel in der Nationalliga A bestritten. Wir werden also in nächster Zeit in der Kabine sicherlich nicht verdursten oder verhungern!»

 Wie wird dein «Einstand» also aussehen?

«Da nehme ich mir gerne die Vorgaben des Spielerrats bzw. des Captains und Vizecaptains zu Herzen oder lasse mir etwas Schönes einfallen.»

Ihr habt in den letzten fünf Spielminuten keinen Gegentreffer mehr zugelassen und konntet noch zum 20:20 ausgleichen – eure Moral war beeindruckend…

«absolut, auch das nimmst du immer erst im Nachhinein so richtig wahr. Während dem Spiel bist du im Tunnel, aber wir haben natürlich immer daran geglaubt und dafür gekämpft. Wir waren gemeinsam davon besessen und überzeugt, hier nicht als Verlierer vom Platz zu gehen. Misha lebt uns dies jeden Tag vor und fordert dies von uns immerzu ein – es ist ein gemeinsamer Prozess, den wir da beschreiten und damit auch eindrücklich lanciert haben. Die nötige Demut spielt hierbei für uns ebenfalls eine wichtige Rolle.»

 Ihr Neuzugänge habt wertvolles dazu beigetragen, Paraden, Tore, Blocks, Anspiele – freut dich dies besonders, auch das beispielsweise euer Youngster Timothy Reichmuth am Ende die beiden entscheidenden Tore wirft? 

«Das ist natürlich von grosser Bedeutung – da fällt Druck ab, weil wir uns schon auch zu beweisen haben, uns zeigen wollen. Schlussendlich freut es mich einfach fürs ganze Team, weil jeder seinen Teil beiträgt und wir gemeinsam tagtäglich hart dafür arbeiten.»

Wie viel Selbstvertrauen gibt euch dieser Punktgewinn vor allem auch aufgrund der Art und Weise, wie ihr ihn euch gemeinsam erkämpft habt?

«Enorm viel, eben genau wegen der Art und Weise. Dieser Spirit und Glaube, darauf gilt es aufzubauen – dies kann unsere Waffe werden, wenn wir uns immer wieder darauf besinnen und es immer wieder abrufen können. Für den weiteren Verlauf der Saison haben wir dann mehr als nur einen Punkt gewonnen.»

Nun steht für uns alle am Samstag ein besonderes Spiel gegen den Kantonsrivalen TV Endingen an – wie speziell wird es aber für dich durch den Wechsel in diesem Sommer werden?

«Sehr speziell natürlich – nicht im GoEasy zu spielen, sondern dort als Gast aufzulaufen und auf meine alten Teamkollegen zu treffen. Ich freue mich sehr darauf, erwarte eine volle Halle, viele Emotionen und damit ein tolles Spiel für den gesamten Aargauer Handball.»

Letzte Saison hat Ferrante noch das Tor von Endingen gehütet

Letzte Saison hat Ferrante noch das Tor von Endingen gehütet

Beschäftigt dich in diesem Zusammenhang die Vorgeschichte des damaligen Aufstiegsdramas?

«Eigentlich überhaupt nicht, obwohl ich merke, dass dies beim HSC schon noch immer ein Thema ist. Ich habe nach der damaligen Niederlage im Wiederholungsspiel schnell damit abgeschlossen – unser Fokus galt auch sogleich der Barrage gegen Gossau. Meinen ehemaligen Teamkollegen geht und ging es dabei wohl ähnlich. Erstmals überhaupt aber wieder aufeinanderzutreffen ist für beide Vereine wohl dennoch speziell, besonders weil es in der GoEasy-Arena sein wird, wo auch die beiden Aufstiegsfinalissimas damals stattfanden.»

Was erwartest du für ein Spiel gegen dein ehemaliges Team?

«Ein typisches Derby das über Kampf und Emotionen entschieden wird. Wer es mehr möchte, gewinnt das Spiel. Klar sind wir taktisch super eingestellt, aber es wird wohl vor allem kampfbetont werden und ich hoffe, dass es dennoch fair bleibt.»

Nur sechs Tage nach dem Duell in der GoEasy-Arena steht im Cup-Achtelfinal das Derby gegen den STV Baden an – bist du zufrieden mit dem Los und was erwartest du dort für ein Spiel?

«Mit dem Los bin ich sehr zufrieden – schon rein wegtechnisch nach der langen Auswärtsreise im Sechzehntelfinal nach Genf. Ich kann mit dem Velo dahinfahren (lacht). Viele Spieler des STV Baden haben dabei eine HSC-Vergangenheit, das macht die Partie noch spezieller. Wenn wir unsere Leistung abrufen, haben wir gute Chancen, eine Runde weiter zu kommen.»

Wie hast du dich beim HSC Suhr Aarau bereits eingelebt und was sind deine Ziele?

«Ich habe mich super eingelebt, wurde top aufgenommen und bin sehr glücklich hier. Mit dem von Misha Kaufmann formulierten Ziel, jedes Spiel gewinnen zu wollen, kann ich mich sehr gut identifizieren. Im Videointerview vor der Saison habe ich unvorbereitet darauf geantwortet, dass ich in die Finalrunde möchte. Das würde ich so gerne mitnehmen. Zudem wollen wir im Cup soweit wie möglich kommen!»

Was wünschst du dir für die Saison 2017/18?

«Wer wie ich bereits einmal eine schwere Verletzung erlitten hat, wünscht sich vor allem eines: Gesundheit – ich wünsche mir diese besonders auch für meine Teamkollegen und Gegner. Ich hoffe zudem wir können diese Saison als HSC Suhr Aarau grosse Erfolge feiern, grosse Emotionen erleben und auch aus Fehlern und Niederlagen lernen – daran wachsen. Wir wollen gemeinsam begeisternde Spiele zeigen und erleben, das Maximum herausholen und stets an uns und unseren Weg glauben.»