Gegen den FC Wil lanciert der FC Aarau am 26. Oktober 2018 mit einem 2:0-Heimsieg eine beispiellose Siegesserie, die nach 19 Punkten aus sieben Partien erst von der Winterpause unterbrochen wird.

Gut drei Monate später ist der FC Wil der erste Gegner in der Rückrunde. Ein gutes Omen? Ja. Der FC Aarau beginnt das neue Jahr, wie er das alte beendet hat: mit einem Sieg. Nachtrag: Mit was für einem Sieg!

Demonstration der eigenen Stärke

Die Gäste aus der Ostschweiz, mit sechs Punkten Vorsprung auf den FCA ins Brügglifeld gereist, haben nicht den Hauch einer Chance. Am Ende müssen sie froh sein, «nur» 1:3 verloren zu haben. Das Heimteam hat genügend Chancen, das Skore zu verdoppeln.

Aber auch so ist der Auftritt eine Demonstration der eigenen Stärke. Mehr noch: Die Konkurrenz in Genf, Lausanne, Winterthur und Wil weiss nun, dass Aarau in der Winterpause nichts von seiner Stärke eingebüsst hat.

Wobei, es gibt sie, die Dinge, die sich verändert haben. Zum einen die Chancenverwertung von Marco Schneuwly. Wir erinnern uns: In der Vorrunde vergibt er beste Möglichkeiten am Laufmeter und muss bis zum 17. Spieltag warten, ehe er gegen Vaduz sein erstes Saisontor erzielt.

Interviews mit Debütant Markus Neumayr und mit Cheftrainer Patrick Rahmen.

Beim Rückrundenauftakt aber trifft der 33-Jährige bei der ersten Gelegenheit: Es läuft die 3. Minute, als der überragende Linksverteidiger Linus Obexer den vor dem Tor lauernden Schneuwly anspielt und dieser souverän zum 1:0 einnetzt.

Ein Traumstart in die Rückrunde

Der Traumstart pumpt das Selbstvertrauen in die Adern der FCA-Spieler. Ein Leistungsabfall wie der Mitte der ersten Halbzeit hätte in der Vergangenheit noch fatale Folgen gehabt.

Nicht an diesem Freitagabend. Womit wir bei der zweiten kleinen, aber feinen Veränderung im Vergleich zur Vorrunde wären: Markus Neumayr. Mit ihm hat der FC Aarau nun einen Spieler in seinen Reihen, der mit seiner individuellen Klasse aus dem Nichts Partien entscheiden kann.

In der 28. Minute entzückt Neumayr das Aarauer Publikum ein erstes Mal: Ein normaler Spieler hätte den Ball von der Cornerlinie in die Mitte geflankt. Nicht Neumayr. Er geht vor dem Freistoss einige Schritte zurück, sieht, dass kein Wiler am hinteren Pfosten steht, nimmt Mass und schlenzt den Ball dann gefühlvoll ins Kreuzeck.

Das Brügglifeld steht Kopf! Was für ein Tor! Und Neumayr? Der bleibt cool und sagt nach dem Schlusspfiff: «Ich habe es einfach mal probiert und hatte Glück, dieses Mal ist er reingegangen. Natürlich freue ich mich speziell über so ein Tor. Aber in erster Linie freue ich mich über den gelungenen Start in die Rückrunde.»

Nach Neumayrs Traumkiste sind die Ketten beim FC Aarau endgültig gesprengt. Die Wiler wissen nicht, wie ihnen geschieht und müssen in der 56. Minute das dritte Gegentor hinnehmen: Varol Tasar, auch er in überragender Form, provoziert mit einem Dribbling einen Penalty, den Olivier Jäckle souverän verwertet.

Die Akte Stefan Maierhofer

Penaltyschütze Jäckle – auch das ist neu. Vorgesehen war dafür eigentlich Stefan Maierhofer. Doch der Österreicher steht gegen Wil nicht im Aufgebot. Er hat, wie die «AZ» am Freitagmorgen publik macht, ein Angebot aus dem arabischen Raum vorliegen. Gemeinsam entscheiden er und Trainer Patrick Rahmen, dass Maierhofer gegen Wil nicht wie vorgesehen in der Startformation steht.

Aus Sicht des Spielers war das Risiko, mit einer Verletzung den hoch dotierten Vertrag zu gefährden, zu hoch. Und Rahmen hatte verständlicherweise Bedenken, dass Maierhofer mit dem Kopf voll beim Wil-Spiel ist.

Erschienen ist Maierhofer trotzdem im Brügglifeld. Als wir ihn nach dem Spiel antreffen, wirkt er nervös und sagt leicht genervt: «Ich habe ein Angebot, aber entschieden ist noch nichts.» Dann verschwindet er im Stadionbauch, wo ihn ein Gespräch mit den Vereinsverantwortlichen erwartet.

Maierhofer hat mit sieben Toren in zwölf Spielen den FC Aarau im Herbst aus der Krise geschossen. Der ewige Dank der Fans ist ihm gewiss. Trotzdem: Angesichts des Überangebots im Sturm und der Tatsache, dass der FCA für ihn eine Ablösesumme im wohl mittleren fünfstelligen Bereich erhalten würde, wäre ein Abgang trotz des grossen Unterhaltungswerts des «Majors» zu verschmerzen.