Geht es in der Rückrunde also um nichts mehr? Einer, der diese Frage definitiv mit «Nein» beantwortet, ist Marinko Jurendic. Für ihn geht es in den verbleibenden 19 Spielen nicht weniger als um seinen Job.

Kurz vor Weihnachten wurde der Trainer des FC Aarau vom Verwaltungsrat und von Sportchef Sandro Burki im Amt bestätigt. Nach zweiwöchigen Gesprächen, zu deren Beginn es stark nach Trainerwechsel roch. Doch Jurendic bekam die Chance, das sportlich schwache erste Halbjahr beim FCA zu korrigieren.

Im Einjahres-Vertrag, den Marinko Jurendic im Sommer unterschrieb, gibt es eine Erfolgsklausel, die besagt: Belegt der FCA Ende Saison in der Tabelle mindestens Rang vier, verlängert sich der Vertrag um eine weitere Spielzeit. Momentan liegt Aarau auf PLatz sieben, acht Punkte hinter dem viertplatzierten Vaduz.

Eine Garantie für Jurendic, in der nächsten Saison tatsächlich weiterhin beim FCA an der Seitenlinie zu stehen, wäre das Erreichen von Rang vier zwar nicht. Doch ein weiterer Jahreslohn wäre ihm sicher. Ein guter Grund für Marinko Jurendic, den Resultaten in der Rückrunde einen hohen Stellenwert zu geben.

Eine einmalige Chance

Demgegenüber steht die Devise des FC Aarau, die Rückrunde als Casting für nächste Saison zu nutzen. Die Konstellation, dass man sowohl mit dem Auf- als auch mit dem Abstieg nichts mehr zu tun hat, ist die einmalige Chance, ein Fundament für die Zukunft zu bauen.

Anders als in den letzten Jahren, als nur von der einen Transferperiode zur nächsten gedacht wurde. Die Rückrunde bietet auch die Möglichkeit, den im Spätherbst angedeuteten Weg, auf junge und einheimische Spieler zu setzen, konsequent zu verfolgen. Die Resultate sind zweitrangig.

Aarau-Trainer Marinko Jurendic.

Aarau-Trainer Marinko Jurendic.

Der Gedanke also, dass Marinko Jurendic ein Trainer in der Zwickmühle ist, liegt nah. Umso mehr, weil Trainer bei Resultatdruck erfahrungsgemäss lieber auf ältere, routinierte Kräfte zurückgreifen statt auf junge und labile Spieler. Doch Jurendic widerspricht.

Der eingeschlagene Weg für die Rückrunde sei in seinem Sinne, das jetzige Kader ausgewogener und näher an seinem Idealbild als jenes im Sommer. «Der FC Aarau soll auch in Zukunft ein Sprungbrett für junge Spieler sein. Gleichzeitig darf man gerade ihnen nicht die ganze Verantwortung übertragen. Es braucht eine gesunde Mischung, ein Gerüst an erfahrenen Profis ist zwingend.»

Junge Spieler fördern

Der 40-Jährige dreht den Spiess punkto Zwickmühle gar um: «Wenn es überhaupt eine solche gibt, dann diese: Junge Spieler zu fördern, bedeutet, ihnen einerseits das nötige Vertrauen zu geben, andererseits den einen oder anderen Fehler mehr einzugestehen. Wir müssen aber sicherstellen, dass wir bei allen Spielern gleichermassen das Leistungsprinzip anwenden. Auch die Jungen müssen sich ihre Einsätze primär mit guten Leistungen in Training und Spiel verdienen.»

Daran, dass ihm das Erreichen von Rang 4 den Verbleib in Aarau und viel Geld sichern könne, verschwende er keinen Gedanken: «Ich schaue nicht zu weit in die Zukunft, sondern konzentriere mich darauf, was ich beeinflussen kann. Natürlich will ich als ambitionierter Trainer jedes Spiel gewinnen. Ich verfolge mit Überzeugung unseren Weg und will jeden Spieler und das Team besser machen. Den Erfolg müssen wir uns mit guter Arbeit verdienen. Daran will ich gemessen werden.»