Rad
Ein Sulzer fährt an die EM und träumt von der Champs-Élysées

Der 19-jährige Reto Stäuble aus Sulz hat sich erstmals für die U23-EM im Zeitfahren qualifiziert. Für den Nachwuchsfahrer wäre es das Grösste, irgendwann einmal an der Tour de France teilnehmen zu können.

Fabio Baranzini
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15 bis 20 Stunden sitzt Reto Stäuble pro Woche im Sattel. fba

15 bis 20 Stunden sitzt Reto Stäuble pro Woche im Sattel. fba

Zurzeit treten die Topcracks der Radsportszene bei der Tour de France in die Pedalen. Sie kämpfen um Bergpreispunkte und Etappensiege und sind vermutlich heilfroh, wenn sie nach der dreiwöchigen Tortur die Champs-Élysées erreichen.

Für Nachwuchsfahrer Reto Stäuble wäre es das Grösste, irgendwann einmal an dieser Rundfahrt teilnehmen zu können. Davon ist er aber noch weit entfernt. Vorerst verfolgt er das wichtigste Rad-Etappenrennen der Welt vor dem Fernseher zu Hause im beschaulichen Dörfchen Sulz.

Hier hat der 19-jährige Fricktaler vor rund zehn Jahren mit dem Radsport begonnen. «In Sulz gibt es nicht viele Möglichkeiten. Entweder man geht in den Turnverein oder man fährt Velo», meint Stäuble schmunzelnd. Er entschied sich fürs Rad, durchlief alle Juniorenabteilungen und steigerte sein Trainingspensum kontinuierlich.

«Wenn man etwas erreichen will, muss man schon früh viel investieren», ist sich der Aargauer bewusst. Deswegen hat er sich in diesem Frühjahr entschieden, beruflich kürzerzutreten.

Der gelernte Produktionsmechaniker arbeitet nur noch 70 Prozent. Dafür kann er nun mehr trainieren. 15 bis 20 Stunden sitzt er pro Woche im Sattel und spult seine Kilometer ab.

Dass er dabei mehrheitlich allein unterwegs ist, stört ihn nicht. Für ihn überwiegen die positiven Aspekte. «Ich kann bis zu fünf Stunden am Stück fahren und habe erst noch mehr Zeit, um mich zu erholen», erklärt er.

Die Intensivierung des Trainings trägt bereits Früchte. Von den Amateuren ist er ins Elite-Team von EKZ Racing aufgestiegen. Nun darf er an Mehretappenrennen im In- und Ausland teilnehmen und ist fixer Bestandteil der Mannschaft.

«Das ist eine grosse Umstellung. Bisher bin ich alleine gefahren und konnte machen, was ich wollte. Nun bin ich im Team und habe eine ganz bestimmte Aufgabe zu erfüllen», sagt Stäuble.

Der Zeitfahrspezialist scheint seine Sache aber gut zu machen. An der U23-Schweizer-Meisterschaft fuhr er im Rennen gegen die Uhr den sechsten Platz heraus und löste damit das Ticket für die U23-Europameisterschaft in Tschechien.

«Eigentlich war die Schweizer Meisterschaft mein Saisonhöhepunkt. Dass es jetzt sogar zur ersten EM-Teilnahme gereicht hat, ist die Krönung», freut sich der Sulzer.

Am Freitag, wenn an der Tour de France die Positionen endgültig bezogen werden, wird auch Reto Stäuble zu seinem bis jetzt wichtigsten Rennen antreten.

Erstmals wird er sich mit der internationalen Konkurrenz in seinem Alter messen. «Das ist für mich eine wichtige Standortbestimmung. Ein genaues Ziel habe ich nicht, aber eine Klassierung in der ersten Hälfte wäre super», blickt er voraus.