Bob

Ein spezielles Ende für den Perfektionisten

Stefan Riniker hört Ende Saison als Chef Leistungssport auf.

Stefan Riniker hört Ende Saison als Chef Leistungssport auf.

Der Erfolg stimmt und seine Arbeit wird gelobt – trotzdem hört der Aargauer Stefan Riniker als Chef Leistungssport bei Swiss Sliding auf.

Das vergangene Wochenende war ein spezielles für Stefan ­Riniker. Eines, das zeigte, dass er kein Träumer war, als er vor einem halben Jahr sagte: «Unser Ziel ist es, an den Olympischen Spielen 2022 um die Medaillen zu fahren.» Der Aargauer hatte damals gerade den Posten des Chef Leistungssport bei Swiss Sliding, dem Schweizer Bob-, Schlitten- und Skeleton-Sportverband, übernommen. Mit ­Respekt vor der Aufgabe – aber vor allem mit ambitionierten Zielen.

Die EM-Silbermedaillen am vergangenen Sonntag im Zweierbob durch Simon Friedli und Gregory Jones und im Skeleton durch Marina Gilardoni waren da eigentlich der beste Beweis, dass der Fahrplan stimmt. Doch das Wochenende war nicht nur deswegen speziell für Riniker. Zwei Tage zuvor hatte er mit­geteilt, dass er seinen Posten am Ende dieser Saison abgeben werde.

Eine Trennung ohne Unstimmigkeiten

Die Rücktrittsankündigung kurz vor dem Etappenziel auf der Reise an die Winterspiele 2022 überraschte – und hinterlässt ­Fragen. Riniker selbst möchte sich nicht dazu äussern und verweist auf die offizielle Stellungnahme des Verbandes: «Swiss Sliding und Stefan Riniker, Chef Leistungssport, sind übereingekommen, ihre Zusammenarbeit per Ende der Saison 2019/20 einvernehmlich zu beenden. Swiss Sliding kommt damit dem Wunsch von Stefan Riniker entgegen, sich fortan wieder voll und ganz seiner angestammten Tätigkeit als Lehrperson sowie seiner Familie zu widmen.»

Was ist passiert? Recherchen zeigen, dass Rinikers Rücktritt – anders als bei solchen offiziellen Formulierungen oft üblich – nicht auf Unstimmigkeiten beruht. Im Gegenteil: Seine Arbeit wird gelobt. Nach unruhigen Jahren mit diversen Wechseln auf diesem Posten hat er An­gestautes abgearbeitet. Und das war – nach den Turbulenzen in der Vergangenheit – sehr viel. Und manchmal eine fast un­mögliche Mission. Zumindest für einen Perfektionisten wie Stefan Riniker, der aber trotzdem nur 24 Stunden pro Tag zur Verfügung hat.

Und das war wohl die Ur­sache dafür, warum der Verband nun erneut einen neuen Chef Leistungssport suchen muss. Einen, so erfährt man, der die Aufgabe etwas pragmatischer angehen soll, um nicht in der Arbeit unterzugehen. Besonders, weil die finanziellen Rahmen­bedingungen im Verband nicht alles zulassen. Swiss-Sliding-­Präsident Sepp Kubli sagt: «Es ist richtig, wir müssen gut haus­halten. Mich nervt es aber, wenn es heisst, wir haben finanzielle Probleme. Das stimmt nämlich nicht.»

Der sportliche Erfolg stimmt zuversichtlich

Fakt ist: Die Herausforderungen für Rinikers Nachfolger, der bereits gefunden wurde, aber noch nicht unterschrieben hat, werden nicht weniger. Kubli sagt: «Wir sind daran, unsere Strukturen zu überdenken.» Der Betrieb soll günstiger werden, gleichzeitig soll die Arbeitsbelastung für die Schlüsselpersonen im Verband nicht weiter wachsen, sondern eher sinken.

Und eines stimmt besonders zuversichtlich: die jüngsten ­Erfolge. Das vergangene EM-­Wochenende läutete zwar das Ende von Rinikers Amtszeit ein. Es war aber der Beweis, dass die eingeschlagenen Bahnen richtig sind. Und vielleicht gibt es an der WM an diesem Wochenende in Altenberg schon die nächsten Erfolge zu feiern. Das würde es für Stefan Riniker, der den Verband auch nach dem Ende der Saison beratend unterstützen wird, noch spezieller machen.

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