FC Wohlen
Ein Souffleur auf dem Rasen: Das ist Neo-Wohler Sandro Foschini

Sandro Foschini ist einer der Wohler Neuzugänge. Im Freiamt soll er seine Ruhe auf die Mannschaft übertragen. Auch heute im Spiel gegen seinen alten Arbeitgeber Winterthur.

Calvin Stettler
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Seit diesem Sommer im Dress des FC Wohlen: Sandro Foschini.

Seit diesem Sommer im Dress des FC Wohlen: Sandro Foschini.

Zur Verfügung gestellt

Es ist eine der dezidiertesten Aussagen, die Sandro Foschini beim Treffen im Niedermatten-Stadion macht: «Als Fussballer in der Schweiz kann man überall in Ruhe arbeiten.» Die Frage, ob er, der Introvertierte, auch wegen des unaufgeregten Klubumfelds ins Freiamt kam, wird sogleich überflüssig. Egal, ob man in Zürich, Winterthur oder Wohlen spiele, der viel zitierte Druck werde überbewertet, sagt Foschini. «Vor allem, wenn man das Ganze mit Deutschland oder England vergleicht.»

Der eigentliche Grund, warum der 28-Jährige in diesem Sommer ins Freiamt dislozierte, sind die Verantwortlichen des FC Wohlen. Sie bezirzten ihn heftig. Trotz laufendem Vertrag beim FC Winterthur. Foschini reizte die neue, in Aussicht gestellte Herausforderung.

Dass Winterthurs Präsident im Sommer 2017 abtritt und es nicht absehbar ist, was dann mit dem Verein passieren wird, bekräftigte Foschinis Wechselabsichten zusätzlich. Bald teilte er diese mit der Klubführung Winterthurs. Er könne gehen, wenn ein Ersatz gefunden ist. Bald darauf verkündeten die Winterthurer den Transfer von Luca Radice – Foschinis Weg wurde frei.

Foschini, der Polyvalente

Der 28-Jährige ist einer dieser polyvalenten Fussballer. Ob im zentralen Mittelfeld, auf der Zehn, den Aussenbahnen oder als Aussenverteidiger, Foschini hat schon alles gespielt. Er aber sieht sich auf der Sechs. Auch, weil die Attribute, die auf dieser Position gefragt sind, seinem Naturell entsprechen.

Der schweizerisch-italienische Doppelbürger ist vor allem eines: ruhig. Das italienische Temperament unterdrückt er, nur auf dem Rasen ist es vereinzelt spürbar. Oberhand hat aber stets diese Ruhe, von der auch seine Mitspieler profitieren. Um Foschinis Rolle auf dem Platz zu verstehen, hilft der Blick ins Theater. Protagonist war Foschini nie. Kein Knipser, kein Lautsprecher, keiner, über den man regelmässig liest.

Foschinis Rolle gleicht vielmehr jener des Souffleurs. Er sorgt mit seinen Beiträgen dafür, dass jene im Rampenlicht überzeugen, unterstützt sie, damit deren Fehler nicht augenscheinlich werden. Statt ihnen aber zuzuflüstern, gewinnt Foschini für sie Zweikämpfe oder setzt sie mit seinen Zuspielen in Szene. Keine Aufgabe, die Ruhm verspricht, aber eine von grosser Wichtigkeit.

Der Nachteil unter René Weiler

Seinen Job macht Foschini immerhin so gut, dass er als einer dieser gestandenen Challenge-League-Spielern gilt. 211 Spiele hat er in dieser Liga schon gemacht. Chancen, seinen grossen Traum zu verwirklichen, die Super League, waren da. Im Spätsommer 2013, als Foschini beim Super-Ligisten aus Aarau unter Vertrag stand, erhielt er Auftritte auf der höchsten Schweizer Fussballbühne.

Trainer René Weiler aber nominierte Foschini nie in die Startformation. Foschini ist kein Haderer, das nicht, aber dass er nie eine richtige Chance erhielt, stört ihn heute noch. Unter Weiler, so sagt er, sei sein unaufgeregtes Wesen erstmals eine Benachteiligung gewesen. «Weiler forderte Kommunikation.» Foschini begann auf dem Platz lauter zu werden, wohl fühlte er sich dabei nie. Dann verliess Weiler das Brügglifeld, der unerfahrene Sven Christ kam – und sortierte Foschini sogleich aus. So kam der Mittelfeldspieler 2014 nach Winterthur.

Zuletzt spielte er dort gar wieder unter Christ. Ressentiments gab es aber keine. «Wir haben uns bei seiner Ankunft ausgesprochen, dann war die Sache vom Tisch», erinnert sich Foschini. Heute nun trifft der Neo-Wohler erstmals auf seinen alten Arbeitgeber. Wenn Spieler an ehemalige Wirkungsstätten zurückkehren, ereignet sich meist Besonderes.

Eine Prognose wagt Foschini nicht, aber er hoffe seinerseits auf ein gutes Spiel, ja eine Reaktion. Denn auch der Mittelfeldspieler weiss, dass diese jüngste Niederlage in der Meisterschaft gegen Chiasso aus einem ansprechenden Saisonstart einen durchzogenen machte. Dann ist das Treffen vorüber, der Blick geht aufs Handy. Soeben wurde Wohlens nächster Gegner im Schweizer Cup gezogen. «Chiasso», sagt Foschini sichtlich bewegt. «Es hätte angenehmere Lose gegeben.» Da war es kurz, dieses italienische Temperament.