Berufsfussballer sind Luxusmännchen. Während Trainingslagern oder vor Auswärtsspielen logieren sie in der Regel in Nobelhotels. Francesco Gabriele wählte einen anderen Weg. Während der zweiwöchigen Meisterschaftspause verliess der Trainer von Lausanne die Komfortzone und organisierte einen Teamevent in den Bergen: Der Staff und die 25 Spieler strampelten mit Velos von der Stadt in Richtung Vallée de Joux. Das Ziel: Ein Bauernhof in idyllischer Atmosphäre. Dort verbrachte die Mannschaft zwei Tage und übernachtete in einem umgebauten Stall. Für einmal standen nicht Fussball und Krafttrainings, sondern Wasseraktivitäten und Plausch-Wettkämpfe mitten in der Natur im Mittelpunkt.

Frischer Wind dank Gabriele

Nach dem Abstieg in die Challenge League Ende letzter Meisterschaft hat Gabriele frischen Wind in die Reihen von Lausanne gebracht. Der Nachfolger von Marco Simone will die Waadtländer zurück in die höchste Spielklasse führen. «Lausanne ist ein Traditionsverein, der in der Vergangenheit grosse Erfolge feiern konnte», sagt Gabriele. «Die Bevölkerung der Stadt und die Fans des Fussballklubs wollen nationalen Spitzenfussball sehen.» Das Ziel, die Top Ten im Schweizer Fussball zu erreichen, ist keine einfache Sache: Im vergangenen Sommer gab es bei den Waadtländern den grossen Umbruch. 15 Zuzügen standen 20 Abgänge gegenüber. Beim Start zur Vorbereitung am 10. Juni konnte Gabriele gerade mal auf 16 Spieler zählen. Dank einem Budget von 4,5 Millionen Franken lässt sich der aktuelle Kader mit 27 Spielern sehen. Spieler wie Aaraus Leihgabe Daniele Romano, Chris Malonga, Xavier Hochstrasser, Cristian Ianu, David Marazzi und Freddy Mveng haben Super-League-Erfahrung.

Von Biberist nach Lausanne

Um sich voll und ganz auf den Fussball konzentrieren zu können, hat Gabriele seinen Wohnsitz von Biberist nach Lausanne verlegt. Er wohnt in einem Studio mitten in der Stadt. Vor dem Engagement in der welschen Schweiz war der Solothurner der Reihe nach Trainer im Team Aargau, beim FC Baden, bei der AC Bellinzona, bei Thun und Lausanne. Bei den Berner Oberländern arbeitete Gabriele als Assistent von Urs Fischer. In Lausanne ist er der Chef. Beim Aufstiegsanwärter Nummer eins der Challenge League bietet sich ihm die Möglichkeit, den Grundstein für einen Chefposten in der höchsten Spielklasse zu legen. Gabrieles Markenzeichen sind Fleiss, Hartnäckigkeit und eine seriöse Arbeitsweise. Zudem legt er Wert auf eine minutiöse Vorbereitung beim Studium der jeweiligen Gegner. «Glaubt ein Trainer, dass er rund um den Fussball zu einem gewissen Zeitpunkt alles weiss, dann liegt er falsch», sagt Gabriele. «Der Lernprozess ist sowohl auf als auch neben dem Spielfeld nie zu Ende. Es geht immer weiter, immer weiter.»