Leichtathletik

Ein Rennen gegen die Zeit für die Aargauer EM-Hoffnungen

Wiil auf den EM-Zug noch aufspringen: Jan Hochstrasser (links).

Wiil auf den EM-Zug noch aufspringen: Jan Hochstrasser (links).

Jan Hochstrasser und Pascal Müller vom BTV Aarau versuchen, die EM-Limite zu knacken. Nach Verletzungssorgen bleibt nicht mehr viel Zeit, doch die Zuversicht ist ungebrochen.

Damit hatte niemand gerechnet: Als Jan Hochstrasser vor zwei Wochen bei einem Meeting in Frankreich die Ziellinie überquerte, blieb die Zeit bei 3:41,10 stehen. Deutliche persönliche Bestzeit. Nur sechs Zehntelsekunden fehlten dem 25-jährigen Safenwiler zur EM-Limite. Die Überraschung: Hochstrasser gilt als 800-m-Spezialist. Den EM-Start strebte er bis zu diesem Tag über die zwei Bahnrunden an.

Bis zum 3. August Zeit

«Wenn ich pro 100 m nur 4 Hundertstel schneller gerannt wäre, hatte es gereicht», rechnet der Student der Betriebsökonomie vor. 2010 und 2012 hätte er sich mit seiner Zeit für die Europameisterschaften qualifiziert. Doch an der Heim-EM in Zürich liegt die Hürde etwas höher. Bis zum 3. August hat Hochstrasser noch Zeit, die geforderte Limite zu knacken. Seit dem Rennen in Frankreich ist für ihn und seinen Trainer klar: «Wir versuchen es über 1500 m, nicht wie bis anhin über 800 m.»

Weshalb haben sich Hochstrassers Präferenzen derart verschoben? «Darüber habe ich mir auch viele Gedanken gemacht», sagt der Swiss-Starters-Athlet. Der Ursprung der Ursache liegt wohl in einer Verletzung. Zu Beginn des Jahres plagten ihn Knieprobleme. Zuerst hoffte der Aargauer, die entzündete Sehne schnell in den Griff zu bekommen. Doch er musste zehn Wochen aussetzen.

Erst im März konnte er mit dem Lauftraining beginnen. Stattdessen verbrachte er zahlreiche Stunden auf dem Hometrainer. Die führten dazu, dass Hochstrassers Werte der maximalen Sauerstoffaufnahme stiegen. Zwar fehlt ihm nun etwas die Schnelligkeit, dafür fühlt er sich auf längeren Distanzen umso wohler. Deshalb startete er in Frankreich ausnahmeweise nicht über 800, sondern über 1500 m.

Einmalige Chance packen

Dass er auch in Zürich an den Start gehen will, daran lässt Hochstrasser keinen Zweifel aufkommen. «Diese Heim-EM ist ein Riesending für mich, für die ganze Schweizer Leichtathletik.» Die letzte EM in der Schweiz liegt 60 Jahre zurück. «Jetzt bin ich im besten Alter», ist sich Hochstrasser bewusst, «eine solche Chance werde ich nie wieder bekommen.»

Um seine Chance kämpft auch Sprinter Pascal Müller. Genau wie Hochstrasser plagten auch den 25-Jährigen aus Erlinsbach Verletzungssorgen. Seit einem Trainingslager im April litt er an starken, unerklärbaren Rückenschmerzen. «Ich konsultierte den Sportarzt, einen Chiropraktiker, den Physiotherapeuten, doch niemand wusste weiter», sagt der 200-m-Spezialist. Erst ein weiterer Chiropraktiker fand eine Blockade der Lendenwirbelsäule und konnte diese lösen.

Warten auf den Tag, wo alles passt

Nun wartet der Industriemonteur auf die Chance, seine Trainingszeiten einmal bei regulären Bedingungen bestätigen zu können. Bei zu starkem Wind lief er in Freiburg 21,42. Gefordert sind 20,95. Müllers persönliche Bestzeit liegt bei 21,05. Seine Chancen auf eine EM-Teilnahme schätzt er auf 80 bis 85 Prozent. «Eigentlich bin ich gut in Form», sagt Müller, «ich warte auf den Tag, an dem alles zusammenpasst.» Seine nächsten Versuche unternimmt er in La Chaux-de-Fonds und Bulle. «Das sind schnelle Bahnen», weiss Müller, und fügt an: «Bei der Heim-EM dabei zu sein wäre eine extreme Genugtuung.»

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