FC Aarau

Ein Präsident zeigt Krallen: Warum Alfred Schmid vor sieben Jahren die Barrage-Spiele gegen Sion verhindern wollte

«Als Präsident des FC Aarau fühlte ich mich um eine grosse Chance geprellt, ja sogar verschaukelt.» - Alfred Schmid, Präsident FC Aarau.

Hinter Aarau-Präsident Alfred Schmid liegen turbulente Jahre. Als grösstes Ärgernis dürften Schmid dabei vor allem die Aufstiegsspiele gegen den FC Sion in Erinnerung bleiben. Auf die Spiele angesprochen, spricht der FCA-Präsident noch heute von Wettbewerbsverzerrung.

Seit seinem Amtsantritt 2007 hat sich Aarau-Präsident Alfred Schmid eine Frage oft gestellt: Soll ich zurücktreten oder soll ich weitermachen? Aufgepasst: Man sollte diese Frage nicht falsch interpretieren. Schmid ist gerne Präsident. Er liebt seinen Job.

Aber das Amt des Klubverantwortlichen ist einerseits zeitintensiv, andererseits kostet es Kraft, Energie und vor allem Nerven. Und irgendwann hat selbst der nervenstärkste Präsident die Nase voll. Schmid verliert weder in guten noch in schlechten Zeiten den Sinn für die Realität.

Er bleibt meistens ruhig und sachlich. Und er kann einstecken. Zuletzt wurde man allerdings das Gefühl nicht los, dass er sich gerne zurückziehen möchte. «Als Präsident eines Fussballklubs sollte man aufhören, wenn es am schönsten ist», sagte Schmid unlängst.

Nimmt man den 63-jährigen Unternehmer aus Gränichen beim Wort und blickt auf die vergangenen Jahre zurück, hätte es einen optimalen Zeitpunkt für einen Rücktritt gegeben. Nach dem Wiederaufstieg des FC Aarau 2013 hing der Himmel voller Geigen.

Eine grosse Erleichterung

Hätte Schmid sein Wohl vor das Wohl des Klubs gestellt, wäre der Frühling 2013 ein guter Zeitpunkt für seinen Abgang gewesen. Hätte, wäre, wenn und aber: Schmid ist nach zwölf Jahren immer noch Präsident des FC Aarau.

Wer ihn kennt, weiss allerdings genau: Es ist für ihn eine grosse Erleichterung, dass er das Präsidentenamt spätestens im Frühling 2020 an den 38-jährigen Philipp Bonorand übergeben darf. Der Montag, 24. Juni 2019, wird für ihn zu einem wegweisenden Tag.

Es ist der Tag, an dem er während der Generalversammlung der FCA-Aktiengesellschaft ein letztes Mal zum Präsidenten gewählt wird. Obwohl er vor der Barrage gegen Xamax noch nicht weiss, ob er im 13. Jahr als Präsident einen Klub in der Super League oder einen Klub in der Challenge League führen wird, bleibt er gelassen.

Turbulente Zeiten

«Natürlich ist die Herausforderung in der Super League grösser als in der zweithöchsten Spielklasse», sagt er. «Aber ich kenne beide Szenarien, habe vieles erlebt und bin deshalb auf alles gefasst.»

Schmid hat seit seiner Wahl zum Präsidenten 2007 turbulente Zeiten hinter sich. Mit der Barrage gegen die Neuenburger vor Augen kommen bei ihm Erinnerungen an die Barrage im Frühling 2012 hoch. Es sind emotionale und alles andere als schöne Erinnerungen.

Bildergalerie der Partie in Sion:

Damals erlebte Schmid nämlich eine seiner grössten Enttäuschungen. Der FC Aarau schaffte nach einer an Spannung kaum zu überbietenden Schlussphase Rang 2 in der Challenge League. In der Barrage hiess der Gegner Sion.

«So etwas hatte es vorher noch nie gegeben»

Der FC Aarau war im Hoch und hatte zwei Fussballfeste im Blickfeld – eines im Stade de Tourbillon im Wallis und eines im Brügglifeld in Aarau. Aber einer wollte nicht mitmachen, einer wurde beinahe zum Spielverderber: Alfred Schmid!

Das kam so: Eine knappe Woche vor der ersten Partie in Sion entschloss sich Schmid, die Barrage-Spiele platzen zu lassen, und startete zu einem Alleingang. «Ich war damals nicht einverstanden, dass der FC Aarau gegen Sion spielen muss», erklärt Schmid rückblickend.

Bildergalerie der Partie in Aarau:

«Den Wallisern wurden mitten in der Saison wegen eines Verstosses gegen das Transferreglement 36 Punkte abgezogen. Dieser Verstoss hatte den Ursprung in einem Transfer aus dem Jahr 2008. So etwas hatte es vorher noch nie gegeben. Ohne diesen unverhältnismässig grossen Punkteabzug hätte Sion die Saison auf Rang drei beendet und der FC Aarau wäre in der Barrage auf GC getroffen.»

Bis ans Äusserste

Schmid spricht heute noch von Wettbewerbsverzerrung. «Gegen GC wären unsere Chance auf den Aufstieg weitaus grösser gewesen als gegen die Walliser», sagt er. «Als Präsident des FC Aarau fühlte ich mich um eine grosse Chance geprellt, ja sogar verschaukelt. Ich nahm damals Kontakt mit der Swiss Football League auf und teilte CEO Claudius Schaefer mit, dass wir die Barrage nicht bestreiten werden.»

Schmid war enttäuscht, verärgert und frustriert zugleich. Der für seine Besonnenheit bekannte Präsident liess seinen Emotionen freien Lauf und zeigte seine Krallen. Um seinen Willen durchzusetzen, war er kurzzeitig bereit, ans Äusserste zu gehen.

Kurz bevor die brisante Geschichte an die Öffentlichkeit ging, siegte schliesslich die Vernunft. Schmid kam auf seinen Entscheid zurück und musste mitansehen, wie sich sein Traum vom Aufstieg mit dem FC Aarau schon nach dem 0:3 im Hinspiel im Wallis in Luft auflöste.

Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

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