Challenge League

Ein Nuller zum Auftakt: Der FC Aarau verliert das erste Spiel der neuen Saison gegen Xamax

Der FC Aarau traf im Auftaktspiel der Challenge-League-Saison 2017/18 auswärts auf Neuchatel Xamax. Trotz ordentlicher Leistung ging die Partie 1:2 verloren.

Es laufen die letzten Sekunden. Gelingt dem FC Aarau doch noch der Schuss ins Glück? Zoran Josipovic fällt in der Nähe des Strafraums. Freistoss. Der Gefoulte nimmt Mass – doch der Ball landet über dem Tor. Es ist die letzte Aktion des Spiels. Es bleibt beim 1:2, Aarau verliert die Saison-Ouvertüre bei Xamax.

Draussen an der Seitenlinie steht Marinko Jurendic. Irgendwie scheint es, als wisse auch der neue FCA-Trainer noch nicht so genau, was er von diesem Abend halten soll. Verloren zwar, das schon. Aber die Leistung war ansprechend. «Sie stimmt mich zuversichtlich», wird er später in den Katakomben sagen. Doch zuerst möchte er noch auf dem Platz ein Gespräch führen.

Gemächlichen Schrittes läuft Jurendic in Richtung Pascal Erlachner. Das ist der Schiedsrichter dieser ersten Partie der Fussballsaison 2017/18. Jurendic schüttelt ihm die Hand. Und möchte dann seine Fragen stellen. Doch Erlachner reagiert unwirsch und schreitet davon. Was ist passiert?

«Der Schiedsrichter war leider nicht auf der Höhe»

Es sind gleich zwei Szenen innert acht Minuten, die das Spiel massgeblich beeinflussen. In der 14. Minute wehrt Xamax-Verteidiger Sejmenovic einen Abschluss von Leo Itapéruna im Strafraum mit der Hand ab. Erlachner pfeift den fälligen Penalty nicht. In der 22. Minute dann trifft Thibault Corbaz sehenswert zum 1:0 für die Gastgeber – doch dem Tor geht ein Foul an Pascal Thrier voran. Erlachner sieht es wieder nicht. «Diese beiden Szenen sind matchentscheidend», sagt Jurendic, «der Schiedsrichter war leider nicht auf der Höhe.»

Marinko Jurendic ist nicht zufrieden mit der Leistung des Schiedsrichters.

Marinko Jurendic ist nicht zufrieden mit der Leistung des Schiedsrichters.

Verteidiger Thrier spricht von einem kleinen «Steinschlag», der das Team in diesen Minuten ereilt. Die Niederlage ist auch darum im Rückblick «unglücklich und frustrierend». Das darf man so stehen lassen. Denn der FC Aarau zeigt bei seinem ersten Auftritt unter Jurendic eine ansprechende Leistung. Er tritt dominant auf. Ergewinnt viele Zweikämpfe. Und er zeigt auch das gepflegtere Spiel als Xamax.

Das ist doch eine einigermassen überraschende Erkenntnis. Rund um Xamax gibt es seit Wochen schon nur ein Thema: der Aufstieg. Kult-Trainer Bernard Challandes sagt auf der Tribüne: «Dieses Denken ist durchaus gefährlich. Manch ein Spieler denkt wohl, es laufe von selbst.»

Ganz schuldlos an der Niederlage sind die Aarauer natürlich nicht. Das 0:2 direkt nach der Pause ist die Folge einer Fehlerkette. Am Ende verliert Juan-Pablo Garat den entscheidenden Zweikampf. Max Veloso muss nur noch einschieben. Zumindest in Sachen Effizienz ist Xamax dem FC Aarau an diesem Abend überlegen.

Erfreulich: Auch nach dem 0:2 gibt Aarau nicht auf. Trainer Jurendic wechselt doppelt und stellt von einem 4-4-2 auf ein 3-4-3 um. Die Massnahme fruchtet unmittelbar. Der eingewechselte Josipovic flankt auf Patrick Rossini. Und dieser trifft zum 1:2. Für einen Moment wankt Xamax. Doch der FCA verpasst es, gleich nachzulegen. Und muss darum mit einer Niederlage nach Hause.

Jurendic bilanziert: «Wir waren energisch und konzentriert. Vieles lief so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Auch wenn die letzte Konsequenz im Angriff noch fehlt.» Auch sein Trainerkollege auf der Gegenseite, Michel Decastel, lobte die Aarauer: «Sie waren gut organisiert, diszipliniert und auf eine gute Art aggressiv. Dazu sind sie offenbar fähig, während des Spiels die Taktik zu ändern.» Er selbst sei nur mit dem Resultat zufrieden. «Im ersten Spiel ist das ok. Aber bald müssen wir besser spielen.»

Beim FC Aarau spielten mit Torhüter Steven Deana, Michael Siegfried, Arxhend Cani und Leo drei Neuzugänge. Dazu gibt Miguel Peralta gut zehn Monate nach seinem Kreuzbandriss sein Comeback. Deana hat einen frustrierenden Abend hinter sich. Nur einmal kann er sich auszeichnen – und kassiert trotzdem zwei Tore. Siegfried bringt Ruhe ins Team. Cani kann mit seinem guten Auge ein Gewinn werden. Und Leo wird, wenn er so weitermacht, seine Tore schiessen. Und auch Peralta hat einige gute Szenen.

Fürs Erste gilt also: Diese Niederlage ist trotzdem ein kleiner Sieg. Denn im Vergleich zur Rückrunde hat der FC Aarau ein anderes, schöneres Gesicht gezeigt. Erste Ansätze der Handschrift von Jurendic sind erkennbar. Und die Mannschaft scheint ihm zu folgen. Natürlich: Nun muss die Bestätigung folgen. Am nächsten Samstag kommt es gegen den FC Wil zur Heimpremiere. Dann sollte es auch mit den ersten Punkten klappen.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker von Patrick Haller:

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