3:6! Das klingt nach Blamage, nach Arbeitsverweigerung, nach Abschlachten. Doch siehe da: Spieler, Trainer und Betreuer des FC Aarau machen nach dem Schlusspfiff alles andere als einen geknickten Eindruck. Stattdessen Ruhe und Sachlichkeit. Und sogar ein bisschen Stolz: «Wir sind sehr mutig aufgetreten. Das unterscheidet uns von anderen Mannschaften», sagt Marco Schällibaum. Trainerkollege Uli Forte vom FCZ stimmt zu: «Was Aarau gemacht hat, traut sich im Letzigrund sonst keiner. Das zeigt, welche Qualität und welche Mentalität in diesem Team steckt.»

Man könnte auch sagen: Der FC Aarau hat im schwersten Auswärtsspiel der Saison das einzig richtige gemacht. Er hat sein Heil in der Flucht nach vorne gesucht. Nach dem Motto: Wir haben nichts zu verlieren! Gegen einen FC Zürich mit einer Offensive, die auch in der Super League für Spektakel und viele Tore sorgen würde. Gegen einen FC Zürich, der in der Tabelle weit entrückt ist.

FC Zürich - FC Aarau 6:3 (06.11.2016, Stimmen zum Spiel)

FC Zürich - FC Aarau 6:3 (06.11.2016, Stimmen zum Spiel)

Interview mit Captain Sandro Burki sowie die Pressekonferenz mit den Einschätzungen der beiden Cheftrainer Marco Schällibaum und Uli Forte

Und unter diesen Vorzeichen kann dann ein solches Resultat eintreffen. Aarau hat nach dem frühen 0:1 sogar noch einen Gang höher geschaltet und sich keineswegs erschrocken ins Schneckenhaus zurückgekrochen. Und ist belohnt worden: Mit dem zweimaligen Ausgleich und dem Anschlusstor zum 3:4 . Vor Konés 3:5 hatte Ciarrocchi die grosse Chance zum 4:4, vergab sie aber mit einem viel zu harmlosen Kopfball. Die Szene war unter dem Strich der Knackpunkt.

Dass das Schlussresultat ein, wenn nicht zwei Tore zu hoch ausfiel, störte die Aarauer nicht: «Lieber verliere ich so, statt hinten rein stehen und kurz vor Schluss das 0:1 zu kassieren.» Der Autor dieser Worte ist Marco Thaler, Innenverteidiger mit der primären Aufgabe bedacht, Tore des Gegners zu verhindern.

Aus der Lektion lernen

Das ist ihm und seinen Kollegen in der neu formierten Vierer-Abwehrkette gestern nicht gelungen. Trotzdem sagt Thaler: «Das war eine Lektion, in der ich sehr viel gelernt habe. Gegen andere Mannschaften bedeutet ein Fehler oder ein Zuspätkommen nicht immer ein Gegentor, gegen den FC Zürich schon. Ich nehme viel mit.»

Soll man die Aarauer nun geisseln dafür, wie sie mit der Kanterniederlage umgehen? Müsste man an ihren Berufsstolz appellieren? Nein. Der FCA hat gestern drei Tore erzielt gegen den FCZ, was in dieser Saison noch keiner Mannschaft gelungen ist, auch nicht in der Europa League. Und man muss den Aarauern nun die Chance geben, das (hoffentlich) Gelernte umzusetzen. In zwei Wochen im Auswärtsspiel beim Tabellenletzten Schaffhausen.

Dieses Spiel, das wissen Trainer Schällibaum und Innenverteidiger Thaler, wird zur Charakterprüfung. Dieses Spiel wird einiges aussagen über die Berufseinstellung der FCA-Profis, die in dieser Saison nur noch im Cup etwas erreichen können. Und dieses Spiel wird auch zeigen, ob Aarau den Blick sogar nach hinten richten muss: Bei einer Niederlage in Schaffhausen würde der Abstand zum Tabellenende nur noch sechs Punkte betragen. Der Abstand zum Tabellenführer FC Zürich hingegen ist gestern auf 17 Punkte angewachsen.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker:

FCZ - FCA