FC Aarau
Ein Mitspieler war der Grund für Wüthrichs Wechsel

Dass Sébastien Wüthrich beim FC Aarau einen Zweijahresvertrag unterschrieben hat, verdankt der Klub in erster Linie Abwehrchef Stéphane Besle.

Ruedi Kuhn
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Sébastien Wüthrich.

Sébastien Wüthrich.

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Ein knallharter, schlitzohriger, mit allen Wassern gewaschener Typ auf dem Spielfeld. Ein lammfrommer, netter, freundlicher, ja charmanter Kerl neben dem Spielfeld: Stéphane Besle hat zwei Gesichter. Für den FC Aarau ist der 32-jährige Franzose Gold wert. In doppelter Hinsicht: Einerseits räumt der kompromisslose, manchmal sogar böse Abwehrchef alles weg, was sich ihm in den Weg stellt. Anderseits stellte er im Vorfeld dieser Saison die Weichen für den spektakulärsten Transfer des Klubs vom Brügglifeld.

Und das kam so: Anfang Juni trafen sich Besle und Sébastien Wüthrich bei einem Aufstiegsspiel der Erstligisten FC La Chaux-de-Fonds und United Zürich. Die zwei kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei Xamax. Das war vor knapp zehn Jahren. Heute sind sie Freunde, gute Freunde sogar. Natürlich kamen die beiden beim zufälligen Wiedersehen in der Uhrenstadt im Hochjura ins Gespräch. Man unterhielt sich über Gott und die Welt. Und man sprach über Fussball. Wüthrich hatte zwar einen laufenden Vertrag beim französischen Ligue-1-Verein HSC Montpellier, suchte mangels sportlicher Perspektiven aber eine neue Herausforderung. Interesse an einer Verpflichtung des gebürtigen Neuenburgers zeigte der FC Zürich, aber ein konkretes Angebot von FCZ-Präsident Ancillo Canepa hatte Wüthrich nicht in der Tasche.

Der Weg zum FC Aarau

Was tun? Besle packte die Gelegenheit beim Schopf. Er fragte seinen Kumpel, ob er nicht Lust habe, für den FC Aarau zu spielen. Und siehe da: Wüthrich hatte Lust. Nach anderthalb schwierigen Jahren in Montpellier mit nur gerade zwei kurzen Auftritten in der ersten und vielen Einsätzen in der zweiten Mannschaft wollte er seine Karriere neu lancieren. Warum nicht beim FC Aarau? Da hätte er die weitaus besseren Karten als beim Klub in Südfrankreich. FCA-Sportchef Raimondo Ponte jedenfalls hält grosse Stücke auf den Mittelfeldspieler mit dem starken linken Fuss. «Sébastien ist unsere neue Nummer zehn», erklärte Ponte im Vorfeld der Saison. Wenn das keine Vorschusslorbeeren sind.

Vor der Unterschrift unter einen Zweijahresvertrag musste Wüthrichallerdings seinen bis 2018 dauernden Kontrakt bei Montpellier auflösen. Gesagt, getan: Wüthrich traf sich mit Montpelliers Klubverantwortlichen Luis und Laurent Nicollin. Mit Erfolg. Die beiden Parteien fanden eine beidseits zufriedenstellende Lösung. Mehr noch. Die Bosse von Montpellier erklärten sich bereit, den Lohn des abwanderungswilligen Spielers bis Ende Saison 2016/17 zu bezahlen. «Eine tolle Geste, für die ich sehr dankbar bin», sagt der Neo-Aarauer. «Und weil mir Luis und Laurent Nicollin in dieser heiklen Phasegeholfen haben, möchte ich über meine Zeit in Montpellier nichts Negatives sagen. Was zählt, ist die Gegenwart. Und die heisst FC Aarau.»

Mal schauen, ob Wüthrich den hohen Erwartungen des FC Aarau im Allgemeinen und von Ponte im Speziellen gerecht wird. Wer die Karriere des Technikers unter die Lupe nimmt, hat gemischte Gefühle: Der frühere Junior von Le Locle galt als Talent, spielte von 2007 bis 2012 bei Xamax und kam in den Schweizer U18-, U19-, U20- und U21-Auswahlen zu insgesamt 26 Einsätzen. Zwischen 2012 und 2015 spielte er für Sion, St. Gallen und erneut Sion. Im Februar 2015 verkauften ihn die Walliser für eine Ablösesumme von 500 000 Franken an Montpellier. Der Durchbruch schien geschafft. Der Weg nach oben schien vorgezeichnet. Schien.