Viel sprach nicht mehr für den FC Aarau, als der Schiedsrichter die erste Halbzeit in Kriens abpfiff. 0:2 stand es auf der Resultattafel, nur 0:2, die Gäste hätten sich über ein 0:4 oder 0:5 nicht beklagen können. 

Doch dann wechselten die Mannschaften die Seiten und damit auch die Stärkeverhältnisse. Die Kräfte der Krienser schwanden und Aarau rehabilitierte sich für die unterirdische erste Halbzeit. Zwar brauchte es wie schon vor der Pause das Können von Goalie Nikolic, doch am Ende durften sich die Aarauer über den Punkt freuen, der dank Moral und Leistungssteigerung nicht unverdient war.

Was bleibt aus dieser turbulenten Partie? Drei Erkenntnisse:

Erkenntnis Nummer 1: Ein Lehrer ist der beste Challenge-League-Spieler

Nicht die hochgelobten Stars und Grossverdiener Wüthrich (Servette), Kukuruzovic (Lausanne), Callà oder Schneuwly (Aarau): Nein, ein Amateur vom SC Kriens ist statistisch der beste Spieler der Challenge League: Nico Siegrist. Gegen Aarau erzielte er vom Penaltypunkt das zwischenzeitliche 2:0 - bereits sein 16. Saisontreffer. Das sind vier mehr als der zweitbeste Torjäger Aldin Turkes (Rapperswil). Dazu bereitete Siegrist schon zehn Tore vor - ebenfalls Bestwert in der Challenge League. 

Der ehemalige Luzern-Junior Siegrist war einst ein grosses Talent und versuchte unter anderem, beim FCA den Durchbruch zu schaffen - ohne Erfolg. Seit der mittlerweile 27-Jährige das Profitum aufgegeben hat und 70 Prozent als Lehrer arbeitet, ist er auf dem Fussballplatz so gut wie nie.

Zu erwarten ist, dass Siegrist im Sommer Anfragen von Profiklubs erhält. Dass er auf diese eingehen wird, ist unwahrscheinlich. Die Freiheit, direkt nach dem Match mit den Fans ein Bier zu trinken, die will sich Siegrist nicht mehr nehmen lassen.

Die Bilder vom Spiel:

Erkenntnis Nummer 2: Der Mut von Patrick Rahmen, der sich ausbezahlt

Nach der ersten Halbzeit hätte der FCA-Trainer bis auf Goalie Nikolic alle Spieler auswechseln können, es war ein durchs Band schwacher Auftritt seiner Mannschaft. Doch Rahmen setzte ein Zeichen, liess die Muskeln spielen und wechselte in der Person von Stefan Maierhofer und Varol Tasar seine besten Torschützen aus. Ein mutiger Schritt, der sich aber ausbezahlte: Die eingewechselten Petar Misic (Penalty und Tor zum 1:2 vorbereitet) und Goran Karanovic (beide FCA-Tore erzielt) erwiesen sich als goldrichtige Wahl.

Erkenntnis Nummer 3: Das Lebenszeichen von Goran Karanovic

Vor dem Kriens-Spiel hatte Goran Karanovic seinen letzten längeren Einsatz am 25. Februar in Vaduz: Im Ländle wurde er von FCA-Trainer Patrick Rahmen überraschend in die Startelf gestellt - und enttäuschte. Nach nicht einer gelungenen Aktion musste Karanovic nach 60 Minuten runter und spielte seither nur noch eine Statistenrolle.

Und nun in Kriens die Wiedergeburt: Rahmen hätte in der Pause auch Patrick Rossini einwechseln können, entschied sich wegen der guten Trainingsleistungen aber für Karanovic. Der sagte nach seinen zwei Toren: "Das ist keine Genugtuung, sondern mein Beitrag, der Mannschaft zu helfen. Vorher lief es dem Team ohne mich gut, da ist klar, dass der Trainer nicht gross rotiert."

Wie geht es mit Karanovic weiter? In Kriens hat er sich für weitere Einsätze empfohlen. Die braucht er, um im Sommer einen neuen Vertrag zu erhalten. Ob beim FC Aarau oder anderswo.