Rumms! – Einer der Judokas wird auf die Matte geknallt. Ein leises «Alles gut, kein Problem!» ertönt, dann wird wieder aufgestanden, die Anfangsposition eingenommen und weitergekämpft. Die Trainingseinheit im Nationalen Leistungszentrum (NLZ) in Brugg verläuft reibungslos und ohne viele Worte, nur ab und zu sind Anweisungen und Korrekturen des Nationaltrainers zu hören, während die Judokas auf den gelb-blauen Matten ihre Kampftechniken trainieren.

Für Nils Stump und Fabienne Kocher ist es eine alltägliche Szene, die sich da abspielt. Als Mitglieder des Schweizer Nationalkaders und des Grand Slam Kaders – der höchsten Kaderstufe in der Schweiz – trainieren sie sechs Tage die Woche im NLZ – nur am Sonntag haben sie Pause.

Für ihre Sportlerkarriere haben die beiden ihr ganzes Leben umgekrempelt. Als Kocher vor drei Jahren das Sportgymnasium abschliesst, entscheidet sie sich kurzerhand dazu, ihre Heimatstadt Zürich zu verlassen und nach Brugg zu ziehen. «Das NLZ befindet sich in Brugg, da geht es besser mit den Trainings, wenn man nicht ständig pendeln muss», lautet die einfache Erklärung.

«Der Umzug war die richtige Entscheidung»

Und auch Stump entschliesst sich umzuziehen, als er vergangenes Jahr sein Sport-KV beendet. «Die Trainings hier im NLZ sind optimal, man hat zwei Trainingseinheiten pro Tag und das zum Teil sogar mit zwei Trainern gleichzeitig. Und wenn man mal Probleme hat, dann gibt es die Möglichkeit für Einzeltrainings», erklärt er.

Die zwei sind sich einig, dass der Umzug die richtige Entscheidung war. «Klar war es zunächst eine Umstellung», sagt Kocher. Man müsse sich zuerst daran gewöhnen, plötzlich alleine zu wohnen. «Mittlerweile gefällt es mir aber sehr gut», erzählt sie.

Vom Judo fasziniert

Kocher und Stump machen schon Judo, seit sie klein sind. «Meine Eltern haben mich mit sieben Jahren einfach mal angemeldet», erzählt Stump. «Dann hat es mir gefallen und es ist beim Judo geblieben.» Kochers Karriere fing an, als sie acht war: «Meine Eltern haben mir gesagt, dass ich einen Sport wählen soll. Und da sich meine ältere Schwester damals für Judo entschieden hat, musste ich ihr das natürlich nachmachen», lacht sie.

Schnell sind Stump und Kocher vom Judo fasziniert: «Was ich so liebe, ist die Vielseitigkeit», meint die 25-Jährige. «Es ist eine Mischung zwischen Technik, Kraft und Ausdauer und es lassen sich immer wieder neue Wege finden, den Gegner zu besiegen.» Stump stimmt ihr zu: «Dieser Kampfsport ist einfach super!»

Noch lange nicht am Ende

Dass Judo auch heute noch ihre grosse Leidenschaft ist, das lässt sich unschwer erkennen. «Judo ist einfach mein Leben», meint Stump. «Wir haben hier im NLZ eine zweite Familie gefunden.» Und Kocher ergänzt: «Ich finde es wichtig, dass man im Leben das macht, woran man Freude hat. Bei uns ist das im Moment das Judo.» Da sei es auch egal, dass ihr Soziologie-Studium nebenbei ein wenig langsamer vorangehe und man nicht so viel Freizeit habe, denn: «Das Judo gibt uns so viel zurück», ist sie überzeugt.

Für Kocher und Stump ist klar: Man ist noch lange nicht am Ende der Judo-Karriere angelangt. Auch für die nächste Saison haben die beiden grosse Ziele: «Medaillen an der EM und der WM wären schön», meinen sie. Ausserdem konzentriere man sich auf die Qualifikation für die Olympiade 2020 in Tokyo. «Dort Olympiasieger zu werden – das ist mein Traum», schwärmt Stump.

Und was ist der Plan nach der Judo-Karriere? «Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht», grinst Stump. Im Moment stehe einfach das Judo im Vordergrund. «Wir machen Judo, bis es nicht mehr geht – dann gucken wir weiter», lachen die beiden.