Die Schweiz und Basketball. Das passt doch wie die Faust aufs Auge, oder nicht? Wie um alles in der Welt kam Velko Evgenievski auf die Idee, als Basketball-Coach von Wien nach Aarau zu kommen?

Diese Frage stellt sich Velko auch gerade. Er steht vor der Sporthalle Telli in Aarau. Der Bau aus den 70er-Jahren wirkt marode. Irgendwie passt er nicht ins Bild der Schweiz, wie er es im Kopf hat. Sein erstes Training beginnt in knapp zwanzig Minuten. Er ist wie immer zu früh dran. Eine Eigenschaft, die er von seinen Eltern lernte. Pünktlichkeit hat mit Respekt zu tun. Das hat er verinnerlicht.

Velko schlendert um die Halle, schaut sich die Umgebung an. Sein Leben hat sich im letzten Monat um 180 Grad gedreht. Der Umzug in die Schweiz ging so schnell vonstatten, dass er gedanklich noch nicht richtig angekommen ist. Er hat auch einiges in Österreich gelassen: seine Eltern, seine Schwester, seinen Bruder, seine Freunde und seine Freundin. Dass er als Basketball-Coach nach Aarau kommen würde, hätte er nie gedacht.

Sein Leben hat er voll und ganz dem Basketball verschrieben. Für ihn ist dieser Sport wie ein Virus. Ein Virus, den keine Medizin der Welt bekämpfen kann. Auch nach einem schweren Sportunfall im Alter von 20 Jahren kehrte er dem Basketball nicht den Rücken. Im Gegenteil. Neben seinem Studium im Bereich Marketing und Kommunikation bildete er sich zum Coach weiter.

Marketing-Job aufgegeben

Schon bald konnte er sein eigenes Basketball-Team trainieren und weiterbringen. Immer mehr Zeit verbrachte er am Rand des Spielfelds, als wäre er ein Teil von ihm. So kam es, wie es kommen musste: Er gab seinen sicheren Marketing-Job auf und machte sich als professioneller Coach selbstständig.

Ein Schritt in eine ungewisse Zukunft – und doch ging für Velko ein Traum in Erfüllung. Das Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen mochte er damals am liebsten. Die jungen Menschen in ihrer Entwicklung zu unterstützen, sie wie eine Pflanze unter einer Glashaube gedeihen zu lassen, um dann im entscheidenden Moment die Haube wegzunehmen, damit sie weiterwachsen können. Das begeistert ihn. Die Faszination, mit einer Gruppe eine Reise anzutreten, macht für ihn Basketball aus. Er will nicht unbedingt der Erste sein, der mit seiner Gruppe ans Ziel kommt. Für ihn zählt die bestmögliche Reise.

An verschiedenen Schulen gab er seine Begeisterung für Basketball weiter. Daneben arbeitete er mit dem Nachwuchsteam der österreichischen Nationalmannschaft. Er kann auch auf einige beachtliche Erfolge zurückblicken, wie zum Beispiel den Gewinn des Meistertitels mit dem U16-Team. Alles lief wie geschmiert.

In Milenko Tomics Fussstapfen

Und jetzt ist er in Aarau. Nur wegen Milenko Tomic weiss er, dass Aarau überhaupt existiert. Er ist der wahre Grund, warum Velko hier steht. Milenko wurde während der Leitung eines Trainerkurses wegen einem Herzinfarkt mitten aus dem Leben gerissen. Er liebte das Unterrichten und er hat für Basketball gelebt. Seine Teams haben es in die vorderen Ränge der Nationalliga geschafft. Weit über die Schweizer Grenze hinaus war Milenko bekannt. Beliebt als grossartiger Mensch, der impulsiv, streng und doch mit so viel Empathie Bestleistungen ermöglichte.

Nachdenklich schaut Velko zum Eingang der Sporthalle. Einige junge Damen gehen zielgerichtet und mit einer dicken Sporttasche bepackt auf die Eingangstüre zu. Wahrscheinlich sind das die Spielerinnen seines zukünftigen Teams. Ob sie ihren früheren Coach Milenko vermissen? Ja. Das kann er mit Bestimmtheit sagen. Die Fussstapfen, in die er tritt, sind gross. Alle werden ihn mit Milenko vergleichen. Dessen ist er sich bewusst, seit er vom Sportlehrer und Coach Oliver Berger angefragt wurde, ob er nach Aarau kommen würde. Velko wäre nicht Velko, wenn er sich vor dieser ausserordentlich schwierigen Aufgabe gedrückt hätte. Zudem war es schon immer sein Ziel, im Ausland zu arbeiten. – Velko schaut auf die Uhr. Es ist Zeit. Zeit, um die eigene Geschichte mit seinem Aarauer Team zu schreiben.

Teamsport als Lebensschule

Die Schweiz ist eine Fussball- und Hockeynation. Nichtsdestotrotz gewinnt Basketball immer mehr an Bedeutung und hat viele aktive Sportlerinnen und Sportlern. Insbesondere in der Westschweiz und im Tessin ist Basketball sehr beliebt.

Velko Evgenievski ist Botschafter für den Basketball-Club Aarau und den Nordostschweizer Verband «ProBasket». Er leitet verschiedene Camps und ist an Schulen unterwegs, um die Sportart bekannter und beliebter zu machen. Ihm ist es wichtig, die Kinder von Spielkonsolen und Fernsehern wegzubringen. Er ist überzeugt: Teamsport ist in der Entwicklung von Jugendlichen enorm wichtig. Die jungen Menschen übernehmen dank Basketball mehr Eigenverantwortung und treffen leichter und schneller Entscheidungen.

Ohne Sponsoring kann der Basketball-Club Aarau diese wichtige Förderung von Kindern und Jugendlichen nicht übernehmen. Firmen wie die Wyder Gartenbau AG unterstützen mit ihrem Sponsoring das Schweizer Vereinswesen und sind wichtige Säulen in unserer Gesellschaft.