Links und rechts der Zielgeraden auf der Badener Aue-Leichtathletik-Anlage herrschte Hochstimmung: Anfeuernde Väter, mitrennende Mütter, klatschende Grosseltern, hüpfende Geschwister – eine Begeisterung, die sich auf alle Anwesenden übertrug. Die 7-jährigen und jüngeren Piccolos lieferten auf ihren 500 m bis ins Ziel den Beweis, was zum Laufen alles dazugehört: Schnelle und kräftige Schritte, Luft holen, das Rennen einteilen, kämpfen, sich vom nahen Ziel beflügeln lassen, ungeahnte Kräfte entdecken, spurten, überholen, durchatmen, sich freuen, sich ärgern, lachen, weinen. Der Laufsport weckt zahlreiche Emotionen.

Diese Vielfalt zeigte sich wenig später auch bei den Erwachsenen. Auch das Hauptrennen über 13,2 km lebte von einer gesunden Dynamik. Zahlreiche strahlende Gesichter zeigten sich im Ziel, und auch bei den Organisatoren herrschte Freude: «Wir scheinen das Wetterglück gepachtet zu haben», sagte der neue OK-Präsident Thomas Kurz. Nicht zuletzt war dies für den neuen Teilnehmerrekord mit 1657 Klassierten verantwortlich. Zustande kam dieser vor allem dank den Schülern. Deren Startgeld wird in Baden von der Stadt übernommen. Teilweise liefen ganze Klassen vollständig mit.

Im fünften und im ersten Anlauf

Und zwei sorgten für etwas, das es seit 2004 nicht mehr gegeben hatte: Schweizer Siege sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen. Fabian Kuert und Lisa Gubler zeichneten dafür verantwortlich. Er, der 34-jährige Langenthaler, letztes Jahr Schweizer Halbmarathon-Meister, sah sich bei seinem fünften Start erstmals bis zum Schluss auf der Siegerstrasse. «Ich habe meine vielversprechende Verfassung bestätigt gesehen und konnte mich auf der zweiten Streckenhälfte schnell von Fikru Gutu (Eritrea) und dessen Landsmann Sium Zerehannes lösen», sagte Kuert. Sein Sieg war früh nicht mehr gefährdet. Darum auch vermochte er «gut umzugehen» mit dem Fakt, dass seine Siegerzeit von 42:10 Minuten dreiviertel Minuten über seiner letztjährigen Zeit (2.) lag.

Noch grössere Genugtuung strahlte Frauensiegerin Lisa Gubler aus. Die 30-Jährige des LC Uster begründete ihre Glücksgefühle mit «einem enorm harten Jahr». Eine Stressfraktur im Bein, eine Sehnenverletzung und mehrere grippale Infekte im Herbst und Winter warfen die SM-Dritte über 10 000 m von 2014 und Siegerin des Zürcher Oberländer Berglauf-Cups 2015 weit zurück.

«Meine Leistungen stürzten 2016 ab», sagte sie. Weil es aber seit Januar wieder aufwärtsgeht und das Laufgefühl zurückkehrte, erlebte sie im fünften Wettkampf erstmals wieder jene Empfindungen, die sie glücklich stimmen. «So machts wirklich wieder Spass», freute sie sich. «Ich hätte nie gedacht, dass es mir derart gut laufen könnte», sagte Gubler. Sie liess die Limmatlauf-Seriensiegerin Jutta Brod (D) um 1:18 Minuten hinter sich.