Manchmal sind es Sekunden, manchmal Jahre, die zwischen Triumph und Absturz liegen. Beim Team Argovia betrug die Zeitspanne genau ein Jahr. Im April 2013 wurde das Team aus dem Aargau Schweizer Meister. Es war eine Sensation. Ein Jahr später folgte der Kriechgang. Der amtierende Meister wäre abgestiegen, hätte sich das Team aus Solothurn nicht wegen finanzieller Probleme aus der NLA zurückgezogen.
«Es ist ein schmaler Grat zwischen Erfolg und Misserfolg», sagt Adrian Bärtschi, Präsident der Aargauer. Ausreden will er für die missglückte letzte Saison nicht geltend machen. «Vielleicht fehlte das Potenzial», sagt er, «einige Spieler waren bestimmt auch selbstzufrieden und hinzu kam die Verletzung des Spielertrainers.»

Wong ist ein Meilenstein
In der neuen Saison will Bärtschi wieder vorne mitspielen. Die Verpflichtung des Malaysiers Beryno Wong bezeichnet er als «Meilenstein». Besonders deshalb, weil der 28-Jährige für die Spiele nicht bloss – wie oft bei Ausländern der Fall – eingeflogen wird, sondern weil er während der Saison hier lebt. Der Iceland-Open-Sieger wird ins Team integriert, trainiert ständig mit. Bärtschi glaubt, dass die einheimischen Spieler vom Wongs Präsenz enorm profitieren werden.

Malaysia-WG in Zürich
Zum Transfer kam es dank Beziehungen. Wong ist ein Landsmann von Argovias Spielertrainer Hafiz Shaharudin. Die beiden kennen sich aus der Nationalmannschaft Malaysias. Die Badminton-Profis werden auch gemeinsam in einer Wohngemeinschaft in Zürich leben. Einfach war es nicht, den Transfer zu stemmen. «Finanziell bringt uns Wong an die Grenzen», sagt Bärtschi, ergänzt aber: «Im Schweizer Badminton ist es nie einfach, wie das Beispiel Solothurn zeigt. Es ist jedes Jahr schwierig, über die Runden zu kommen. Und man lernt, mit dieser Angst zu leben.» Bärtschi ist überzeugt, dass man in Wongs Fall das Geld gut investiert hat. Auch wenn man ein grosses Risiko einging: Noch bevor die Arbeitsbewilligung vorlag, war der Flug schon gebucht. Die Bewilligung ist schliesslich in letzter Minute eingetroffen.

Ein König mit Talent
Neben Wong gibt es ein weiteres neues Gesicht. Mit Joel König konnte der dreifache U19-Schweizer-Meister verpflichtet werden. Der Baselbieter gilt als grösstes Schweizer Talent. Entsprechend gross war die Anzahl der Vereine, die sich um ihn bemühten. «Ich bin extrem glücklich, dass er sich für uns entschieden hat», sagt Bärtschi. Ausschlaggebend war nicht das Geld, sondern die Perspektive. Im Team Argovia sollen die jungen Spieler, zu denen auch U17-Schweizer-Meisterin Ronja Stern zählt, nicht verheizt, sondern gezielt aufgebaut werden. Neben Stern hat auch Pascal Knecht den Sprung vom Nachwuchs in die erste Mannschaft geschafft. Nach wie vor zum Team zählen der Engländer Joel Gayle, Ayla Huser, Roger Schmid sowie die Geschwister Sue und Yvonne Keller.