Urs Hofmann ist ein glühender Fan des FC Aarau. Der Landammann und Regierungsrat des Kantons Aargau besuchte schon als Bub fast alle Spiele im Brügglifeld. Angesprochen auf die Frage, ob er nicht Lust habe, einst das Präsidentenamt zu übernehmen, entgegnete Hofmann: «Mein Grossvater zählte am 26. Mai 1902 zu den Gründungsmitgliedern des FC Aarau. Später war er Präsident. Im Alter von 44 Jahren hat er alle Ämter niedergelegt. Ich feiere im nächsten Jahr meinen 60. Geburtstag. Mehr muss ich zu diesem Thema nicht sagen …»

Eine Premiere zum Jubiläum

Hofmann scheint sich also gegen das Präsidentenamt des FC Aarau entschieden zu haben. Um Entscheidungen ging es während des ersten Aargauer Fussball-Symposiums. Um dieses Thema zu vertiefen, luden die Verantwortlichen des Aargauischen Fussballverbandes (AFV) im Rahmen des 100-Jahr-Jubiläums fünf Referenten mit Rang und Namen ein. Hofmann erzählte eine nette Episode bezüglich seiner Berufswahl. «In jungen Jahren wäre ich gerne Chirurg, Anwalt und Fussballer geworden», erklärte er. «Für eine Profikarriere fehlte mir das Talent. Als Anwalt und Politiker fühle ich mich heute sehr wohl. Meine beste Entscheidung aber war, dass ich vor 27 Jahren geheiratet und eine Familie gegründet habe.»

Hofmann war zweifellos der prominenteste der fünf Referenten. Zum Publikumsliebling avancierte allerdings ein Anderer. Der diplomierte Sportlehrer, erfolgreiche Handball-Trainer und vierfache Schweizer Meister Urs Mühlethaler trug während seiner Ansprache das Herz auf der Zunge und entlockte der Aargauer Fussballfamilie dank seiner offenen Art manchen Lacher.

«Die Schlimmste aller Entscheidung ist nicht zu entscheiden», sagte der Mann, der heute als Unternehmensberater und Coach tätig ist. «Wagen Sie etwas! Stellen Sie sich! Verfolgen Sie klare Ziele! Sagen Sie ja oder nein!» Und wie geht Mühlethaler, der während Jahren Dozent an der Sportschule in Magglingen war, mit Druck um? «Druck ist geil», entgegnet er. «Je mehr Druck ich habe, umso besser mache ich meinen Job.»

Durchatmen und entscheiden

Die schillerndste Figur des Quintetts war Ruedi Zahner. Der Fussballer also, der 1985 mit dem FC Aarau den bisher einzigen Cupsieg der Vereinsgeschichte feiern konnte, arbeitet heute als Coach für Mental- und Persönlichkeitstraining. «Ich spielte als Verteidiger, war also meistens mit Abwehraufgaben beschäftigt», sagte Zahner. «Im Laufe meines Lebens wurde mir klar, dass das Leben jenseits der Mittellinie viel interessanter ist als das Leben in der eigenen Platzhälfte.» Für Zahner ist entscheidend, dass Trainer auf die Spieler eingehen und ihre individuellen Stärken erkennen. «Und noch etwas», hält der 58-Jährige fest, «atmen Sie vor jeder Entscheidung tief durch.»

Mit dabei waren auch Fifa-Schiedsrichter Sascha Amhof und Roland Brack, Unternehmer und Sponsor der Challenge League. Amhof erschien mit einer Sporttasche, in die er alle wichtigen Gebrauchsgegenstände eines Spielleiters verstaut hatte. Der Spielleiter gab sich in seinem Referat äusserst selbstkritisch und kam damit gut an. Das Schlusswort gehörte Brack. Wie sagte der erfolgreiche Geschäftsmann so schön und so treffend: «Ein Weg entsteht, in dem man ihn geht und nicht, in dem man ihn verhindert.»