Der 28:26-Sieg des TV Endingen über den TV Solothurn vom vergangenen Samstag stellte eine Ausnahme dar: Es war das knappeste Resultat der Endinger in einer Saison, in der ihnen bis anhin niemand das Wasser reichen konnte. Die Bilanz ist eindrücklich: Aus 12 Meisterschaftsspielen resultierten 12 Siege. Im Cup setzten sich die Aargauer souverän bis in den Viertelfinal durch, gewannen jedes Spiel mit mindestens neun Toren Abstand. Ist Endingen unterfordert? «Nein, das nicht», sagt der langjährige Captain Christian Riechsteiner. «Im Moment läuft es einfach.»

Nach dem Abstieg aus der NLA in der vergangenen Saison sind die Endinger in der NLB souveräner Tabellenführer. Der Duft des direkten Wiederaufstiegs liegt in der Luft. «Wir wollen sicher in die Playoffs. Aber dass wir in dieser Liga jeden Gegner schlagen, ist keine Selbstverständlichkeit. Das Niveau ist ausgeglichen. Wir könnten auch gegen den Letzten verlieren», sagt Riechsteiner.

Doch Verlieren ist für Endingen in der laufenden Saison bislang ein Fremdwort geblieben. Damit dieses Wort auch weiterhin nicht im Endinger Vokabular enthalten ist, bedarf es aber einer aussergewöhnlichen Leistung. Denn heute Abend trifft Endingen auf den bisher stärksten Gegner in dieser Saison. Mit Pfadi Winterthur bekommen es die Aargauer im Cup-Viertelfinal mit dem Zweitplatzierten der NLA und dem Cup-Titelverteidiger zu tun. Das Spiel wird zum ultimativen Härtetest. Plötzlich steht das souveräne, ungeschlagene Team aus Endingen als Underdog da.

Endingen darf

Riechsteiner sieht darin auch Positives: «Wir hatten bisher nur Gegner, die für uns schlagbar sind. In diesen Spielen standen wir unter Druck, weil wir gewinnen mussten. Jetzt stehen unsere Gegner unter Druck und wir können befreit aufspielen.» Es ist so, wie es bei Cup-Partien zwischen Mannschaften aus unterschiedlichen Ligen eigentlich immer ist: Einer muss, der andere darf.

Doch ob Endingen tatsächlich so weit von NLA-Niveau entfernt ist, darf man anhand des bisherigen Saisonverlaufs bezweifeln. Klar ist aber: Pfadi Winterthur ist nicht nur irgendein Erstligist, sondern gehört auch dort zu den Besten. Die Rollen im heutigen Cupspiel sind klar verteilt. Endingen muss über sich hinauswachsen, um im den Halbfinal vorzudringen. «Möglich ist alles», sagt Riechsteiner. «Wenn man richtig gut spielt, kann man auch mal gegen Pfadi Winterthur gewinnen.»

Grosses Selbstvertrauen

Für den Underdog sprechen einerseits die breit verteilten Skorerqualitäten in der Mannschaft. Neun Spieler haben in dieser Saison schon über 30 Tore geworfen. «Das habe ich in dieser Form beim TV Endingen noch nie erlebt. Das zeigt, dass wir unberechenbar sind», sagt Captain Riechsteiner, der für den TVE schon über 330 Spiele absolviert hat. Andererseits hat Endingen momentan eine breite Brust. Die lange Siegesserie sorgt für ein starkes Selbstvertrauen. «Wir haben noch nie verloren und wollen das auch gegen Pfadi Winterthur nicht. Ich gehe nicht in ein Spiel, das ich nicht gewinnen will», sagt Riechsteiner.

Die Ungeschlagenheit wird heute auf eine harte Probe gestellt. Doch unabhängig vom Resultat ist das Spiel vor allem eines: ein erster Flirt mit der vielleicht schon bald wieder heimischen Nationalliga A.